Man kann nicht genug helfen

Lepragruppe Gescher

Josefine Vennes reicht Schwester Angela Hauke die Hand: Die Ordensfrau informierte die Lepragruppe Gescher über das St. Thomas Hospital im indischen Chetput, das die Damen seit vielen Jahren unterstützen. Bild: André Nitsche.

-an- Gescher. "Deutsche Traditionen gehören hier zum Alltag. Wir haben Weihnachtsbäume und färben Ostereier", lacht Schwester Angela Hauke, während sie über das indische Chetpet spricht. Dort hat sie über 46 Jahre lang am St. Thomas Hospital and Leprosy Centre gearbeitet, um den Menschen zu helfen. Gespannt hören die ehrenamtlichen Teammitglieder des Gescheraner Leprakreises den Berichten der Ordensfrau zu, die betont, dass sie sicher nicht alleine in Indien geholfen habe.

Vor Kurzem wurde ihr das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. Solche Ehre ist für Schwester Angela allerdings eher eine Nebensache. Sie meint, dass man gar nicht genug helfen könne: "Das habe ich eigentlich gar nicht verdient."

Der Leprakreis aus Gescher hat die Arbeit am St. Thomas stets engagiert unterstützt und weiß, wieviel die Missionshelferinnen dort geleistet haben. Deshalb würden auch in Zukunft Spenden dorthin fließen, betonen die Frauen. Bis Ende 2001 kam aus Gescher eine stattliche Summe von über einer halben Million D-Mark zusammen. "Durchschnittlich sprechen wir in den letzten Jahren von 8000 bis 10.000 Euro pro Jahr", weiß die kommissarische Gruppenleiterin Josefine Vennes zu berichten.

Mit Hilfe der Gescheraner und weiterer Gemeinden konnte aus einem "Bett unter einem Baum" ein stattliches Hospital errichtet und ständig erweitert werden. Heute bildet man in der eigenen Schule indische Krankenschwestern aus. Ein Altenheim für ältere Leprakranke und ein Patenschaftsprojekt sind ebenfalls über die Jahre an das Krankenhaus angeschlossen worden. Noch immer erkranken in Indien viele Menschen an Lepra und Tuberkulose, die Hauptkrankeiten der Hospitalpatienten. "Angesteckt habe ich mich nie", erzählt Schwester Angela im Turmzimmer der Marienkirche in Gescher. Lepra sei inzwischen gut heilbar, fügt sie hinzu. In Europa wurde Lepra "allein durch die gute Hygiene ausgerottet".

Die Missionshelferin erklärt, dass in Chetpet trotz guter Aufklärung über die Medien immer noch Menschen erkranken, weil "man ganz anders wohnt." "Aber wir haben immer allen geholfen, egal welche Religion, Kaste oder welches Alter", sagt die Schwester, während sie Fotos in die Runde gibt, damit jeder sich ein Bild vom Ort und dem Hospital mit über 200 Betten machen kann.

In Gescher wird sich die Ordensfrau noch in Ruhe umsehen. Besonders das Glockenmuseum erwartet sie mit Spannung, bevor es nach Nordwalde geht. "Ich war mehr als die Hälfte meines Lebens in Indien, von ein paar Besuchen einmal abgesehen", freut sich die "gute Seele des Projekts" auf heimatliche Ausflüge.

Die Gescheraner Leprakreis-Frauen sagten zu, auch künftig das Hospital und alle zugehörigen Projekte in Indien zu unterstützen und wollen weiterhin Kontakt - meist per Brief - halten, um Neuigkeiten aus Chetpet und dem St. Thomas zu erfahren.

Die Lepragruppe Gescher finden Interessierte zur Zeit nicht wie gewohnt im "Haus der Begegnung", sondern wegen des Umbaus im Turm der Marienkirche. Telefonisch kann man sich auch jederzeit an die Leiterin Josefine Vennes Tel.:02542 - 4563 wenden.


„Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Gescherer Zeitung“, siehe auch www.azonline.de (Lokales Gescher)