300 ehrenamtliche Helfer feiern 50 Jahre Leprahilfe

Bruder Christoph war gefragt wegen seiner außergewoehnlichen Spendenaktion

Schaubühne der Aktionen bei Feierstunde in Münster


Langsam und bedächtig schritt Bruder Christoph auf die Bühne in der Aula des Münsterschen Schlosses. Es ist nicht seine Welt, auf eine Bühne zu gehen und von anderen Menschen bewundert zu werden. Am Samstag ließ er sich aber gern bewundern – nicht aus Eitelkeit oder um zu imponieren, sondern weil dort im Publikum rund 300 Menschen saßen, die selbst für einen guten Zweck Spenden sammelten: für die Deutsche Lepra und Tuberkulosehilfe (DAHW).

Jeder in diesem Saal sammelt Geld für die Leprahilfe auf seine eigene Art und Weise. Einige Gruppen, besonders gern kfd-Gruppen mit älteren Damen, als "klassische“ Lepra- Strickgruppen. Aber was heißt schon klassisch, wenn dabei Designermode entsteht wie in Gescher: 14 Frauen, die Hälfte davon schon älter als 85 Jahre, treffen sich dort regelmäßig zum gemeinsamen Stricken und Häkeln. Allerdings verkaufen sie ihre handgearbeiteten Mützen nicht auf Basaren oder verschenken sie an zumeist unwillige Enkelkinder: eine Modedesignerin aus Bielefeld kauft diese Mützen, die bei der jungen Generation unter dem Namen "Puddingtown“ ein Renner sind. Der Erlös geht seit mehr als 40 Jahren komplett an die Leprahilfe, rund 300.000 Euro haben die fleißigen Damen bereits erstrickt.

In Telgte organisiert die kfd St. Clemens einen Basar und ein Café, wenn die Menschen aus halb Deutschland in diesen Ort reisen, um Weihnachtskrippen zu bestaunen und zu erwerben. In fast jedem größeren Ort des Münsterlandes sind Gruppen aktiv, die sich zumeist in Kirchengemeinden gebildet haben und die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement helfen wollen, dass Leprakranke Menschen in Entwicklungsländern eine Chance auf Heilung und auf ein normales, selbstbestimmtes Leben bekommen, dass sie nicht mehr ausgegrenzt und verstoßen werden, sondern dass sie selbst für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto der meisten Projekte, für die sich so viele Menschen in Deutschland freiwillig und unentgeltlich engagieren.

NRW-Minister Karl-Josef Laumann im Gespräch mit ehrenamtlichen Helfern der DAHW

NRW-Minister Karl-Josef Laumann im Gespräch mit ehrenamtlichen Helfern der DAHW. Foto: Maik Siebert

Es sind aber nicht nur ältere Menschen, die sich für diesen guten Zweck engagieren: auch die so oft gescholtenen Jugendlichen setzen sich für die Leprahilfe ein. Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Mönchengladbach berichteten von den Aktionen, bei denen Sie "Lepra-Stifte“ verkauft haben. Der Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann gab gemeinsam mit diesen Jugendlichen dann auch gleich den Startschuss für die derzeit beginnende Stifte-Aktion zum Welt-Lepra-Tag am 28. Januar 2008. Viele Schulklassen und kirchliche Jugendgruppen wie Messdiener oder Firmlinge machen bereits mit, neue fleißige Helfer sind aber trotzdem jederzeit willkommen.

Am vergangenen Samstag waren all diese freiwilligen Helfer die Stars des Abends. Seit nunmehr 50 Jahren gibt es die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe – den meisten Teilnehmern immer noch gut bekannt unter dem alten Namen "Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk“. Erst vor vier Jahren änderte die DAHW diesen Namen, weil die Arbeit für Tuberkulosepatienten immer wichtiger wurde und weil man jahrzehntelang darum gekämpft hat und immer noch kämpft, dass Leprakranke eben nicht als "Aussätzige“ behandelt werden.

Die jüngsten Spendensammler von der Gesamtschule Mönchengladbach – Stifte verkaufen für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe

Die jüngsten Spendensammler von der Gesamtschule Mönchengladbach – Stifte verkaufen für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Foto: Maik Siebert

Mehr als 2,4 Millionen Leprapatienten wurden in den über 300 Hilfsprojekten der DAHW seit der Gründung vor 50 Jahren behandelt: medizinisch geheilt und sozial betreut, wieder in die Gesellschaft integriert. "Erst“ seit 1990 kümmert sich das Hilfswerk auch um TB-Patienten und konnte doch bereits mehr als 4 Millionen Menschen von dieser Krankheit heilen. In den Entwicklungsländern heißt dies zumeist: das Leben retten, denn ohne medizinische Unterstützung führt TB dort häufig zum Tod – jeden Tag sterben auch heute noch rund 5.000 Menschen an Tuberkulose.

Diese Zahlen sind für viele Menschen auch der Antrieb, weiterhin ehrenamtlich für die DAHW aktiv zu sein, Aktionen zu planen und Spenden zu sammeln. Viele Gruppen haben am Samstag auch Anregungen für neue Aktionen bekommen, keiner hatte Angst, dass seine Aktion "abgekupfert“ werden könnte – im Gegenteil: alle haben sie stolz erklärt, wie es funktioniert und genau hingehört, was man verbessern könnte. Schließlich hatten alle das gleiche Ziel: so vielen Menschen wie möglich helfen zu können und die Nächstenliebe an den Menschen zu praktizieren, die man selbst zumeist gar nicht zu Gesicht bekommt, die aber trotzdem unsere Nächsten sind.

"Voneinander lernen“: der "Lepramarsch“ in Dinslaken bekommt einen Ableger in Olpe. Foto: Maik Siebert 

Eine Aktion allerdings kann man einfach nicht kopieren: Nicht etwa, weil sie so schwierig oder patentrechtlich geschützt wäre oder außergewöhnliche Fähigkeiten vorausgesetzt hätte, sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass es die Aktion von Bruder Christoph nur ein einziges mal geben kann. Der Benediktinermönch aus dem Kloster Maria Laach in der Eifel sieht einmal im Jahr die riesig große Menschenmenge, die sich zum Rennen der Formel 1 durch die ansonsten eher leeren Straßen der Eifel schlängelt. In den Stunden vor dem Rennen gehen Bruder Christoph und rund 20 Freiwillige dann mit ihren Spendendosen durch die Menge am Nürburgring und sammeln für die Leprahilfe.

Selbst NRW-Minister Karl-Josef Laumann applaudierte lange bei den zahlreichen Beispielen für soziales Engagement. In seiner Einführung hatte Laumann dies besonders gewürdigt und die Folgen einer egoistischen Gesellschaft angeprangert. Wenn jeder nur an sich selbst und an seinen eigenen Vorteil denke, dann gute Nacht, Deutschland – so der Tenor seiner Rede und die fand bei diesem Publikum natürlich uneingeschränkte Zustimmung.

NRW-Minister Laumann (Mitte) und Manfred Göbel, DAHW-Repräsentant in Brasilien, geben den Startschuss. Foto: Maik Siebert

Münster, 08.12.2007

Autor: Jochen Hövekenmeier, Pressereferent Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

Tel:      (0931) 7948-130

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