50 Jahre DAHW in Nigeria

50 Jahre DAHW in Nigeria

50 Jahre DAHW in Nigeria. Ein guter Anlass, das Engagement des in Würzburg ansässigen Hilfswerkes zu feiern. Foto: DAHW Nigeria

Ortstermin: Aspekte der vielfältigen Arbeit der DAHW in Nigeria. Seit der Unabhängigkeit Nigerias im Jahr 1960 unterstützt die DAHW Gesundheitsstationen in den südlichen Bundesstaaten des Landes.


Dabei wurden zu Beginn hauptsächlich kirchliche Lepra-Programme gefördert. Erst mit der Zusammenlegung der beiden staatlichen Kontrollprogramme für Lepra und Tuberkulose (TB) zum Nationalen Lepra- und TB-Kontrollprogramm, an der die DAHW maßgeblich beteiligt war, gelang die Unterstützung aller drei staatlichen Ebenen (national, bundesstaatlich, lokal) in 14 Bundesstaaten im südlichen Nigeria. Ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung wird damit erreicht.

Meilensteine der DAHW in Nigeria von 1964 bis heute

- Mitwirkung an der Gründung des kombinierten Lepra- und TB-Kontrollprogramms in Nigeria im Jahre 1988

- Unterstützung des Nationalen Programms bei der Erreichung der Eliminierung der Lepra nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation vor zwei Jahren vor dem geplanten Zeitraum

- Flächendeckende Einführung der direkt überwachten TB-Medikamenteneinnahme in 14 Staaten im südlichen Nigeria

- Pilotprojekt der DAHW für Privat-Public-Mix als effektiver Ansatz für die TB-Kontrolle in Nigeria wurde vom Nationalen Programm als Strategie für ganz Nigeria aufgenommen

- TB/HIV-Kontrolle innerhalb des nationalen Programms als eine der ersten Organisationen in Nigeria

- DAHW-Pilotprojekt zu Buruli Ulcer (BU) im südöstlichen Bundesstaat Cross River liefert den Beweis, dass die Krankheit in Nigeria endemisch ist

Ein solcher Erfolg wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der deutschen Spender nicht möglich gewesen. Erst in den 1990er Jahre kamen institutionelle Partner, wie Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Global Fund, TB Care und TB Reach, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Family Health International 360 (FHI), hinzu, die es heute der DAHW ermöglichen, das nigerianische TB-, Lepra- und BU-Kontrollprogramm weitflächig in den Bereichen Programmplanung, Supervision, Training und Weiterbildung, Monitoring und Evaluierung sowie operative Forschung zu unterstützen.

Am 13. Juni dieses Jahres wurde die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem offiziellen Festakt in Enugu, Nigeria, mit mehr als 200 von Lepra betroffenen Menschen, Partnern und Freunden feierlich begangen. Dazu reisten Freifrau Gudrun von Wiedersperg, DAHW-Präsidentin und Burkard Kömm, DAHW-Geschäftsführer, an.

Der nigerianische Gesundheitsminister, Professor Onyebuchi Chukwu, würdigte bei dieser Gelegenheit den enormen Verdienst der DAHW für das südliche Nigeria und sprach im Namen der nigerianischen Regierung der DAHW seinen Dank für ihren Beitrag zum Nationalen Programm und dem verdienstvollen Einsatz für die Menschlichkeit aus. Er sehe gerne vielen weiteren Jahren guter Zusammenarbeit im gemeinsamen Kampf gegen Lepra, TB, HIV/Aids und BU mit der DAHW in Nigeria entgegen.

Weitere Höhepunkte waren die bewegende Dankesrede einer heutigen Anwältin, die als ehemalige Leprapatientin ihren Werdegang beispielhaft für die vielen Menschen, denen die DAHW in Nigeria geholfen hat, erzählte, sowie die Auszeichnung von Einzelpersonen und Teams für ihre überragende Leistung in der Lepra- und TB-Kontrolle. Unter den Empfängern war Ikoli Harcourt Whyte, ein schwerbehinderter Leprakranker, der internationale Anerkennung als Komponist erfuhr. Zahlreiche Choräle hatte er einst im Leprazentrum erschaffen. Das TB- und Lepra-Team des Bundesstaates Ogun wurde als bestes Team innerhalb der 14 von der DAHW unterstützen Bundesstaaten ausgezeichnet.

Projektbesuche vor Ort

Abgerundet wurde der Aufenthalt der Präsidentin und des Geschäftsführers durch Projektbesuche, bei denen sie Gelegenheit hatten, die Bandbreite der Arbeit vor Ort besser kennenzulernen. Mile 4 im Bundesstaat Ebonyi ist ein von Schwestern geleitetes Krankenhaus. Es wurde 1946 gegründet und bietet Leprabehandlung und Pflege für an Lepra erkrankte Menschen an.

In unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus befinden sich mehrere Leprasiedlungen mit überwiegend älteren Bewohnern. Hier finanziert die DAHW seit den 1960er Jahren teilweise deren Betreuung, Medikamente und Maßnahmen zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Monatliche finanzielle Zuwendungen für mittellose ältere Leprapatienten, Aus- und Weiterbildung für Kinder, Hilfe beim Hausbau, sowie allgemeine Aufklärung der Gemeinden über Lepra und Stigmatisierung gehören auch dazu.

Anschließend besuchten die Gäste aus Würzburg im westlichen Bundesstaat Ogun das seit Ende der 1920er Jahre bestehende Iberekodo-Leprazentrum und das Sacred Heart-Krankenhaus. 1895 von katholischen Missionaren gegründet ist letzteres das älteste, noch bestehende Krankenhaus in Nigeria. Derzeit wird es von der katholischen Diözese verwaltet. Seit rund 30 Jahren beteiligt sich die DAHW hier an der Lepra- und TB-Behandlung, seit kurzem auch an der von multiresistenter TB.

Während ihres zehntätigen Aufenthalts in Nigeria konnten Gudrun Freifrau von Wiedersperg und Burkard Kömm die Kollegen aus Nigeria kennenlernen und einen guten Einblick in ihre Arbeit bekommen.