57. Welt-Lepra-Tag am 31. Januar 2010

Botschaft von René Stäheli,


Präsident der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP)

Aus Anlass des 57. Welt-Lepra-Tags schreibe ich Ihnen im Namen der 14 Mitglieder der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP). Ich möchte alle jene grüßen, die von Lepra betroffen sind und jenen Einzelpersonen, Organisationen und Regierungen danken, die gemeinsam aktiv für eine Welt ohne Lepra arbeiten.

Während der letzten 43 Jahre haben ILEP-Mitglieder dabei geholfen, viele Millionen von Lepra betroffene Menschen zu heilen, und sie unterstützen die weiterhin lebensnotwendige Lepra-Arbeit in 82 Ländern. Zusätzlich zur geleisteten ärztlichen Behandlung haben ILEP-Mitglieder geholfen Behinderungen vorzubeugen, Stigma und Diskriminierung zu schmälern und die Würde der Betroffenen wiederherzustellen.

Eine bedeutende Entwicklung im fortlaufenden Kampf gegen Lepra war 2009 die endgültige Festlegung der erweiterten globalen Strategie zur weiteren Reduzierung der Bürde durch Behinderung aufgrund von Lepra 2011-2015 der WHO im April 2009 in New Delhi. Diese Strategie baut auf der laufenden Globalen Strategie auf und setzt insbesondere einen zusätzlichen Fokus auf die Reduzierung von sichtbaren (Grad 2) Behinderungen. ILEP und ihr Technisches Komitee haben eine entscheidende beratende Rolle in diesem Prozess gespielt.

Die erweiterte globale Strategie hat sich für die Lepra zum neuen globalen Ziel gesetzt, die Anzahl neuer Fälle mit Grad 2 Behinderungen pro 100.000 Einwohnern bis Ende 2015 um mindestens 35% zu senken, verglichen mit dem Stand zu Anfang 2011.

Die Reduzierung neuer Fälle von sichtbaren Behinderungen würde bedeuten, dass die Lepra früh entdeckt werden muss, bevor Nervenschäden auftreten können. Somit lenkt das neue globale Ziel einen bedeutenden Fokus auf dieses allerwichtigste Thema.

Außerdem einigte man sich beim Treffen auf die Erweiterung, alle Kontakte in den Haushalten neu entdeckter Fälle zu untersuchen. Die Wiedereinführung dieser gezielten Untersuchungsstrategie wird als positiver Schritt empfunden, der das Potenzial hat, aktiv neue Fälle rechtzeitig zu finden und Behinderungen zu vermeiden.

Zusätzlich zu diesen Erweiterungen wird die erweiterte globale Strategie verstärkt durch:

  • Stärkung der Menschenrechte der von Lepra betroffenen Menschen sowie absolute Sicherung von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit.
  • Strenges Eintreten für die Verwendung einer würdevolleren Terminologie wenn über von Lepra betroffene Menschen gesprochen wird oder auf sie Bezug genommen wird.
  • Betonung auf die besonderen Bedürfnisse für eine verbesserte Leprakontrolle in benachteiligten Gebieten, einschließlich städtischer Slums und Populationen Zugewanderter.
  • Erkundung der Möglichkeiten staatlich-privater Partnerschaften.
  • Sicherung qualitativer klinischer Dienstleistungen.
  • Ausbildung peripherer Gesundheitsarbeiter, damit diese von Lepra betroffene Menschen an die ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechenden Gesundheitsdienste verweisen können. 
  • Bessere ganzheitliche Einschätzung der Bedürfnisse eines jeden von Lepra betroffenen Menschen und das Anbieten angemessener Unterstützung bei der Rehabilitation im gewohnten Umfeld.
  • Förderung weiterer Forschung im Bereich der Chemoprophylaxe als künftige Kontrollmaßnahme und in der Entwicklung einer besseren Behandlung von kürzerer Dauer.

All das oben Beschriebene untermauert die neuerliche Konzentration auf die Hauptprinzipien der Leprakontrolle, die in der laufenden Strategie skizziert werden: frühzeitige Entdeckung neuer Fälle und deren Behandlung mit der multi-drug therapy (MDT) sowie hochwertige Behandlung der Patienten, die gerecht verteilt, erschwinglich und leicht erreichbar ist.

Der Welt-Lepra-Tag fällt in diesem Jahr auf den 31. Januar. Tausende Menschen auf der ganzen Welt weisen auf ihn hin und nutzen diese Gelegenheit, wie ich im Namen der ILEP, sich wieder für die Vision von einer Welt ohne Lepra einzusetzen. Die ILEP ist nach wie vor von der Notwendigkeit überzeugt, unermüdlich mit all ihren Partnern weiterhin daran zu arbeiten, effektive Lepra-Arbeit überall dort sicherzustellen und zu stärken, wo sie nötig ist. Dies wird die kontinuierliche Ausbildung aller Gesundheitsarbeiter erfordern. Und da die enge Verbindung zwischen Armut, Ausgrenzung und Lepra bereits deutlich festgestellt wurde, wird sich die Unterstützung durch die ILEP weiterhin auf die Prävention von Behinderungen und auf die Förderung sozioökonomischer Rehabilitation und einer Gesellschaftsstruktur konzentrieren, in der von Lepra betroffene Menschen partnerschaftlich behandelt werden.

Aus Anlass des Welt-Lepra-Tags greifen wir unser Engagement wieder auf, den Zugang zur nötigen Behandlung für alle von Lepra betroffenen Menschen sicherzustellen, Rehabilitation und Behandlung zu gewährleisten, ohne Vorurteile und Stigma, in einer Welt in der alle Menschen das Recht haben ihr Leben in Würde zu leben. „Eine Welt ohne Lepra“ bleibt die Vision aller Partner. Wir sind zuversichtlich, dass wir in unserer Zusammenarbeit das gesetzte Ziel erreichen können, die globale Bürde durch die Lepra bis 2015 weiter zu reduzieren, parallel zum Zieldatum der globalen Millenniumentwicklungsziele (MDG-6).

René Stäheli

Präsident der ILEP