Afghanistan: Vor allem Frauen sind Opfer der Tuberkulose

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Frauen dürfen nur von weiblichen Gesundheitskräften wie Dr. Frishta untersucht werden. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Dr. Frishta arbeitet seit 15 Jahren in der Klinik in Mazar-i Sharif im Norden Afghanistans. Die Klinik wird von der afghanischen Partnerorganisation der DAHW LEPCO ("Leprosy Control") geführt. Hier werden sowohl Lepra- als auch Tuberkulosepatienten behandelt.


Dr. Frishta arbeitet seit 15 Jahren in der Klinik in Mazar-i Sharif im Norden Afghanistans. Die Klinik wird von der afghanischen Partnerorganisation der DAHW LEPCO („Leprosy Control“) geführt. Hier werden sowohl Lepra- als auch Tuberkulosepatienten behandelt. Dr. Frishtas besonderes Augenmerk gilt den Frauen: Frauen, die halbtot kommen, weil sie nicht Bescheid wissen über ihre Tuberkuloseerkrankung und auch, weil sie ihr Zuhause nicht verlassen dürfen. Weil der Mann es eben nicht will. Die meisten Frauen sind mangelernährt, weil das Essen zuerst den Männern gereicht wird, egal ob zuhause oder anderswo. Das war schon immer so und wird wohl auch noch lange so bleiben.

Dr. Frishta will das nicht akzeptieren: „Ich sage meinen Patientinnen immer, dass sie sich um sich selbst kümmern, auf ihre Gesundheit und auf die ihrer Kinder vor allem der Töchter achten müssen. Und dass sie in die Schule gehen und lernen sollen. Denn dann wird das Leben der Mädchen besser werden als das ihrer Mütter und Großmütter. Wissen ist Macht, auch hier, in Afghanistan. So einfach ist das!“

Jamila H. wurde in Mazar-i Sharif erfolgreich behandelt.

Jamila H. wurde in Mazar-i Sharif erfolgreich behandelt.
Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Jamila H. ist eine der Frauen, die Dr. Frishta behandelt. Seit sechs Monaten ist die 22-Jährige krank, hat heftige Hustenattacken, Gewichtsverlust und Schwindel. Erst als sie nicht mehr aus dem Bett kommt, wird ihr Zustand von ihrem Ehemann bemerkt.

Irgendjemand hat dann von der LEPCO-Klinik in der rund fünf Autostunden entfernten Provinzhauptstadt erzählt. Mit letzter Kraft hievt sich Jamila auf das Maultier, dass sie zwei Stunden durch die karge Landschaft trägt. An ihrer Seite sind Mann und Schwester. Ihr Erstgeborenes hat sie bei der Familie gelassen. Nach zwei Stunden gelangen sie an die Bushaltestelle, von da aus sind es weitere endlose Stunden bis sie Masar-i Sharif erreichen. „Jamila ging es bei ihrer Ankunft sehr schlecht“, erinnert sich Dr. Frishta.

Für viele Patenten ist die LEPCOKlinik in Mazir-i Sharif die letzte Rettung.„Mangelernährung,“ stellt die Ärztin fest. „Hinzu kommt, dass sich die junge Frau nie so richtig von der Geburt ihres ersten Kindes erholt hat. Diese Schwäche trägt dazu bei, dass viele Gebärende, vor allem sehr Junge, an Tuberkulose erkranken.“ Jamila muss insgesamt drei Monate im Krankenhaus bleiben, Medikamente nehmen, um dann hoffentlich geheilt zu ihrer Familie zurückkehren zu können.

Für viele Patenten ist die LEPCOKlinik in Mazir-i Sharif die letzte Rettung.
Foto: Sabine Ludwig / DAHW

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193 Euro kostet die Verpflegung eines unterernährten TB-kranken Kindes in einem afghanischen Hospital für einen Monat.

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