Aktion Köln hilft: Gestern auf Melaten - heute in Tansania

Shary Reeves beim Melaten-Talk in Koeln

Offener Austausch über die Situation von Leprakranken


Zu einem intensiven Gespräch haben sich interessierte Menschen und Experten in der Trauerhalle des Kölner Melatenfriedhofs eingefunden. Dabei ging es um die Frage, warum viele Menschen den Leprapatienten mit großen Vorurteilen gegenüber treten.

Historisch war der Ort des Gesprächs passend wie selten: Auf dem Gelände des heutigen Friedhofs war im Mittelalter die Leprastation des Erzbistums Köln – die größte und bedeutendste ihrer Art in ganz Deutschland. Hier wurden Leprakranke zwangsweise eingewiesen, damit die gesunden Menschen nicht mit den kranken in Kontakt kamen.


Jürgen Belker van den Heuvel präsentiert Leprosenhäuser im Mittelalter

Historiker Jürgen Belker-van den Heuwel sorgte für die richtigen Informationen aus der Geschichte der Lepra, Peter Bergdoll konnte als Projektreferent der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) über die derzeitige Situation in vielen Entwicklungsländern informieren, während die Schauspielerin und TV-Moderatorin Shary Reeves aus ihren ganz persönlichen Erfahrungen berichtet hat. Geboren und aufgewachsen in Köln, hat die Moderatorin (u.a. „Wissen macht aah“, KIKA) einige Hilfsprojekte der DAHW in Tansania besucht, dem Heimatland ihrer Mutter. Geleitet hat diese interessante Runde Ralph Günther, Moderator bei Radio Köln.

Shary Reeves
TV-Moderatorin Shary Reeves berichtet
über eigene Besuche von DAHW-Hilfsprojekten
in Tansania 


Durch diese Mischung entstand für das Publikum ein interessantes Gespräch, in dem auch viele Fragen von den anwesenden Besuchern geklärt werden konnten. Einzig die Frage, ob wir in Deutschland – trotz aller Aufklärung und hohem Bildungsniveau – den Leprakranken immer noch mit so vielen Vorurteilen begegnen würden, wenn es diese Krankheit bei uns noch gäbe, musste unbeantwortet bleiben.

Es blieb hier lediglich die Vermutung, dass wir nicht anders reagieren würden als Menschen in Entwicklungsländern, die weder lesen noch schreiben gelernt haben. Tuberkulosepatienten wurden noch vor 60 Jahren in Sanatorien gesperrt, und selbst vor 20 Jahren gab es zahlreiche Vorschläge, die ersten HIV-infizierten Menschen zu „isolieren“, wie man das Ausgrenzen so gern bezeichnet. Warum also sollte unsere Gesellschaft mit Lepra anders umgehen, einer Krankheit über die es anscheinend mehr Vorurteile als Wissen gibt.

Grußwort des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma

Interview mit Jürgen Becker und Martin Stankowski

Aktion Köln hilft - Leben und Leid der Lepra-Kranken

Deutschlands größtes Leprahospital im Mittelalter