Bandwürmer und Krankenhausschiffe - Verleihung des Memento Preis

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Memento Preis 2016 geht an den Bandwurm-Experten Prof. Dr. Klaus Brehm und den Journalisten Martin Mehringer


Jeder kennt die Aussage, dass man keine Früchte von der Nähe des Waldbodens essen soll, da die Füchse auf die Brombeeren pinkeln und man den Fuchsbandwurm bekommt.

Natürlich muss man erst mal zufällig die infizierte Beere pflücken, die von dem Fuchs im dornigen Busch angepinkelt wurde, viel wahrscheinlicher ist die kontamination von Waldfrüchten durch Wind und Wetter. Denn, wie diese Grafik vom Bayrischen Rundfunkt so schön zeigt, kann man die Eier auch einfach einatmen. Oder man steckt sich bei seiner drauße Lebenden Katze an.

Kam es dann doch mal zu einer Infektion war die Behandlung sehr schwer und langwierig beim Menschen. Alle Eier in einem menschlichen Wirt abzutöten war bisher unmöglich. Aber!

Die Entschlüsselung des Fuchsbandwurms!

Klaus Brehm Memento Preisträger 2016

Den Memento Forschungspreis erhalten in diesem Jahr Prof. Klaus Brehm von der Universität Würzburg und sein Team für die Entschlüsselung der Genome des Fuchsbandwurms.

„Die bahnbrechende Beschreibung des Genoms und der globalen Genexpression des Fuchsbandwurms bilden die entscheidende Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten gegen Bandwurmerkrankungen“, sagt Prof. Stefan Kaufmann, Jury-Vorsitzender und Direktor des Arbeitsbereiches Immunologie am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. „Nach wie vor wissen wir viel zu wenig über die Eigenschaften der Erreger und die Entstehung vernachlässigter und armutsassoziierter Krankheiten. Dabei ist dieses Wissen entscheidend für die Entwicklung von dringend benötigten Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika gegen diese Krankheiten, an denen Millionen Menschen weltweit leiden.“

Will sagen: Es wurde eine Grundlage geschaffen mit der medikamente zur Bekämpfung des Fuchsbandwurmes bei Menschen entwickelt werden können.

Und nicht nur das, auch exotischere Bandwurmerkrankungen können dank dieser Grundlagenforschung bekämpft werden!

„Wir können es uns nicht mehr länger leisten, die Grundbedürfnisse eines Drittels der Menschheit zu ignorieren“, sagt Prof. Klaus Brehm. „Das betrifft auch die Infektionskrankheiten dieser Menschen. Um wirksame Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln, brauchen wir solide Grundlagenforschung an den Krankheitserregern. Dafür wird in den Industrienationen zu wenig getan. Wir investieren hierzulande weniger in die Bekämpfung tödlicher, vernachlässigter Krankheiten als in die Entwicklung neuer Anti-Faltencremes. Ich sehe da ein gewisses Missverhältnis.“

Der Forschungspreis ist mit 5000,- Euro dotiert, leider nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein, in der Erlangung von Forschungsgeldern.

Das schwimmende Krankenhaus und dessen Manager

Die zweite Kategorie des Memento Preis ist für Journalismus! Dieses Jahr wurde er für eine beeindruckende Reportage verliehen:

Der Journalistenpreis ging an Martin Mehringer für seinen Artikel „Heilung an Bord“, der am 1. Februar 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist. „Die Reportage, direkt vom Hospitalschiff „Africa Mercy“, vor Madagaskar vor Anker, beschreibt die Geschichte vernachlässigter Patienten in einem strukturschwachen Gesundheitssystem. Mehringer setzt die Biographien früherer Topmanager, die heute für „Mercy Ships“ arbeiten, dagegen. Ein spannender Gegenschnitt, der zeigt: Engagement für die Vernachlässigten bewegt etwas – im Kleinen und im Großen. Wir wollen noch viel mehr solcher Geschichten“, erklärt die Jury unter Vorsitz von Nicola Kuhrt.

Leider war Martin Mehringer nicht selbst vor Ort aber er bedankte sich über eine Videobotschaft. Der Journalistenpreis ist mit 2500,- Euro dotiert.

 

Die Memento-Bündnispartner begrüßen, dass vernachlässigte Krankheiten und globale Gesundheitskrisen im Jahr 2015 auf der Agenda der deutschen G7-Präsidentschaft standen. Doch klare Zusagen in Hinsicht auf Behandlungsprogramme und Forschungsförderung sind nötig, um vernachlässigte Krankheiten effektiv bekämpfen zu können. Ziel der Initiatoren des Memento Preises ist es, auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen.

Der Memento Preis wird in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Ausgelobt von Ärzte ohne Grenzen e.V., Brot für die Welt, die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. und die BUKO Pharma-Kampagne zeichnet der Preis Menschen aus, die sich in bemerkenswerter Weise für die Gesundheit vernachlässigter Patienten einsetzen oder dazu beitragen, das Thema einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rufen. Millionen Menschen weltweit leiden an Krankheiten wie zum Beispiel der Schlafkrankheit, Chagas oder Tuberkulose, für die es keine hinreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt und in deren Erforschung kaum investiert wird.

Die Preisverleihung fand am 24. Februar 2016 in der Hörsaalruine der Charité in Berlin statt.