Autogrammjäger Heribert Joester versteigert seine Sammlung

Schleswig Holsteins Ministerpräsident Albig spendet Unterschrift

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig komplettiert Unterschriftensammlung - Erlös für Ruth Pfau


(Kiel / Münster, Mai 2013) Die Unbekümmertheit seiner Tramper- und Globetrotter Zeit hat er sich erhalten. Gelassen erzählt er seinen zwei Begleitern von seiner Zeit als Entwicklungshelfer in einem Lepraprojekt der DAHW in Indien, während sie darauf warten, in das Büro des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig vorgelassen zu werden.

Heribert Joester, der gebürtige Westfale und ehrenamtlicher Mitarbeiter der DAHW, ist in seinen 70 Lebensjahren viel in der Welt herumgekommen. Über 50 Länder hat er seit 1964 bereist. Angetrieben von seiner Idee, möglichst viele Unterschriften von prominenten Politikern und einflussreichen VIPs zu sammeln, führte er sein Buch, das er für die Unterschriftensammlung angelegt hatte, stets bei sich: mal im Rucksack, mal in der Jackentasche oder unterm T-Shirt an die Brust geklemmt. Weil er sie persönlich sprechen wollte, wurde er bei allen vorstellig, um mit ihrem Namen und ihrer Unterschrift für eine friedliche und gewaltfreie Welt zu werben. Bundeskanzler Adenauer besuchte er noch in Rhöndorf, einen Tag vor Weihnachten. Beim Schah von Persien musste er – da er unangemeldet kam – vier Tage im Palast warten, bis er zum König von Persien vorgelassen wurde.

So lange ließ ihn der Ministerpräsident Torsten Albig nicht warten. "Ich habe meine Aktion, mein Unterschriftenbuch 'Sprecht miteinander' genannt, weil ich damit erreichen wollte, dass sich die Unterzeichner zu meinem Anliegen bekennen, Konflikte zwischen Staaten stets ohne Waffengewalt zu lösen", erläutert Joester gleich dem Ministerpräsidenten, als er und seine Begleiter nach einer kurzen Wartezeit in sein Büro gerufen wurden.

"Mit 23 Jahren reiste ich nach Indien, sammelte erste Unterschriften für mein Buch und sah dort, wie Leprakranke in einem Krankenlager auf nacktem Boden hilflos sterben mussten", führte Joester weiter aus. Ein einschneidendes Erlebnis, das den "Autogrammjäger" bis heute nicht mehr loslassen sollte. Damals besuchte er auch den Lepraarzt Dr. August Beine im DAHW-Projekt Chetput, den er in der Sendenhorster Klinik im Münsterland kennengelernt und versprochen hatte, ihn in Indien besuchen zu kommen. Er blieb drei Monate und half im Projekt, wo er nur konnte, um dann später als ausgebildeter Orthopäde für drei Jahre nach Indien und zu Dr. Beine zurückzukehren.

Mit dem Autogramm von Ministerpräsident Albig will er nach fast 50 Jahren seine Aktion beenden. "Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde, daher will ich das Buch bis zum Welt-Lepra-Tag 2014 versteigern. 1.000 Euro sind bereits geboten", wusste der dem Ministerpräsidenten zu berichten und fragte ihn, als die letzte Unterschrift seiner Sammlung noch nicht trocken war, ob Herr Albig die Schirmherrschaft über die Versteigerungsaktion übernähme. Der Ministerpräsident stimmte zu, denn schließlich soll der Erlös für die berühmte Lepraärztin Ruth Pfau in Pakistan sein, deren Arbeit der schleswig-holsteinische Landesvater sehr schätzt. So wunderte er sich auch nicht, als er beim Durchblättern der Unterschriftensammlung auf das Autogramm der Lepraärztin stieß. Herr Joester hatte Ruth Pfau vor 25 Jahren in seinem Haus in Hamberge zu Gast und eine Veranstaltung mit ihr in Lübeck organisiert. Seit der Begegnung fühlt Heribert Joester sich mit Ruth Pfau und ihrer Arbeit besonders verbunden. Es war gleichzeitig auch die Lebensphase des Weltenbummlers, in der er mehrere Jahre sesshaft blieb zwei Orthopädiegeschäfte in Bad Oldesloe und in Lübeck führte und in seiner freien Zeit für die DAHW ehrenamtlich aktiv war.

Dass nun zum Abschluss seiner Unterschriftenaktion ausgerechnet der Landesvater seiner zweiten Wahlheimat sein Autogramm gab, erfüllte den Sammler mit unübersehbarer Freude und Stolz. Für Heribert Joester war der Besuch in der Kieler Staatskanzlei ein wunderbarer Abschluss seiner Unterschriftensammlung. Denn mit der Unterschrift des damaligen Regierenden Oberbürgermeisters von Berlin, Willy Brandt, konnte er seine Aktion starten. Mit der Unterschrift von Thorsten Albig, der die DAHW und ihr ehrenamtliches Engagement in Kiel als Kieler Oberbürgermeister bei zwei Aktionen mit der DAHW-Aktionsgruppe Kiel kennengelernt hatte, fand seine Aktion "Redet miteinander" einen idealen Abschluss.

"1.000 Euro sind geboten", gab Heribert Joester seinen zwei Begleitern der DAHW mit auf den Weg, übergab ihnen seine Unterschriftensammlung und fügte hinzu: "Wer bietet mehr?"