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Wasser ist Leben - im DAHW-Hilfsprojekt Bisidimo ist aus Hilfe in der Not eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit entstanden

Wasser ist Leben - Im DAHW-Hilfsprojekt Bisidimo ist aus Hilfe in der Not eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit entstanden.

Die DAHW steht an der Seite von Menschen mit Lepra, Tuberkulose und anderen vernachlässigten Krankheiten.


Die DAHW war 2008 an den Brennpunkten der Lepra aktiv: In den 33 Ländern, in denen 90 Prozent der neuen Leprafälle gefunden wurden.  Die Hilfe geht zum einen direkt in diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Rehabilitation, Aufklärung und Prävention, Aus- und Fortbildung von Personal, Supervision, Forschung und logistische Unterstützung von nationalen Kontrollprogrammen wichtige Faktoren der Nachhaltigkeit der DAHW-Arbeit.

Bei der Bekämpfung der Lepra wurde ein Teilerfolg erzielt. Fast alle Länder – bis auf Brasilien (39.125 neue Fälle), DR Kongo (8.820), Nepal (4.436) und Mosambik (2.510) – erfüllen die Kriterien der Lepra-Elimination inzwischen, so auch Indien mit 137.685 neuen Fällen.

Diese Zahlen verdeutlichen das Problem der durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) formulierten rein statistischen Definition der „Eliminierung“: Demnach gilt Lepra als schwerwiegendes Gesundheitsproblem als „eliminiert“, wenn sich zu einem bestimmten Stichtag weniger als 1 Patient pro 10.000 Einwohner in Behandlung befindet. Mit einem wirklichen Sieg über die Krankheit hat diese Definition nichts zu tun.

Daher verwundert es kaum, dass die Übertragungsrate weltweit relativ konstant geblieben ist. Daraus folgt, dass man mit Medikamenten allein die Lepra offenbar nicht effizient bekämpfen kann, besonders nicht in sozialen Brennpunkten. Unklar weil nicht erforscht ist weiterhin, wo genau die Gründe dafür liegen. Daher hat die DAHW auch im Jahr 2008 wieder angefangen, Forschungsprojekte zu unterstützen. Diese sollen helfen, die Übertragungswege besser verstehen und bekämpfen zu können. So versucht beispielsweise ein Forschungsprojekt zu klären, ob Leprabakterien in Amöben überleben können. Wenn sie es können, wäre man bei der Klärung, wie Lepra übertragen wird, einen entscheidenden Schritt weiter. Auch die enge Verbindung zwischen Lepra und Armut würde plausibler.

Tuberkulose (TB)

Tuberkulose stellt nach wie vor weltweit eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. In städtischen Elendsvierteln, wo die Bevölkerung rasant zunimmt und Menschen auf engstem Raum zusammenleben, kann sich die Infektionskrankheit fast ungehindert ausbreiten. Die DAHW ist in fünf der acht am stärksten betroffenen Länder tätig: Indien, Pakistan, Nigeria, Äthiopien und China.

In den indischen Metropolen Kolkata und Delhi hat die DAHW 2008 ihre Unterstützung der standardisierten Behandlung und Diagnose (DOTS – directly observed treatment – short course) ausgeweitet. In Delhi werden Freiwillige geschult, um die Medikamenteneinnahme der Patienten aus ihrer Nachbarschaft zu überwachen und zu dokumentieren. So helfen Hausfrauen, Studentinnen oder Kioskbetreiber, die Ansteckung einzudämmen und Resistenzen zu verhindern.

Die Behandlung einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB)  – der Erreger ist resistent gegen mindestens zwei Antibiotika der Standard-Therapie – bringt den Betroffenen schwerwiegende Nebenwirkungen und ist zudem aufwändig sowie teuer. In Pakistan hat die DAHW 2008 begonnen, MDR-TB zu behandeln (s. Seite 18ff.) Die ersten Berichte lassen noch keine Aussage über die Heilungsrate zu, da sich die meisten Patienten noch in der 24 Monate dauernden Therapie befinden. Allerdings ist die Sterberate sehr hoch (5 von 28 Patienten), und es wurden zwei Fälle von extrem resistenter Tuberkulose (XDR-TB) nachgewiesen. Bei dieser Form haben die TB-Erreger Resis-tenzen gegen weitere Reservemedikamente entwickelt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass etwa 500.000 Patienten weltweit an MDR-Tuberkulose erkrankt sind, Tendenz steigend. Nur ein bis zwei Prozent dieser Menschen haben bisher Zugang zu einer Behandlung nach internationalen Standards und Richtlinien.

In Verbindung mit HIV/Aids tötet Tuberkulose die Kranken manchmal schon vor der Diagnose. Nach Angaben der WHO sind 1,37 Millionen Menschen mit TB und HIV ko-infiziert. Besonders betroffen sind die Länder südlich der Sahara mit Ko-Infektions-raten von 50 bis 70 Prozent. Die DAHW fördert ganz gezielt in allen TB-Projekten kombinierte TB/HIV-Aktivitäten.

Shary Reeves sammelt mit vielen Helfern

Kinder für Kinder - TV-Moderatorin Shary Reeves sammelt zum Welt-Lepra-Tag Spenden mit Schülerinnen und Schülern aus Bonn.

Zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März veranstaltete die DAHW gemeinsam mit dem  Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, dem Robert Koch-Institut, dem Max Planck Institut für Infektionsbiologie, dem Koch-Metschnikow-Forum, der International Union against Tuberculosis and Lung Disease (IUATLD), der Stop TB Partnerschaft (Genf) und weiteren nationalen und internationalen Partnern ein internationales Symposium in Berlin. Unser medizinischer Berater Dr. Dinesh Jain aus Mumbai war als Experte für multiresistente TB Referent des Symposiums.

Interne Qualitätssicherung

Das „DAHW Handbook“, in dem Prozesse, administrative Standards und Kommunikationsabläufe geregelt sind, wurde Mitte 2008 fertig und an alle Büros und wichtige Projektpartner versandt.

In Verwaltung und Berichtswesen bei Partnern und DAHW-Büros besteht jedoch nach wie vor Verbesserungsbedarf. Das gilt für die Einhaltung von Terminen ebenso wie für die  Beschreibung der Wirkungen und eventuellen Nebenwirkungen des spezifischen Beitrags der DAHW-Unterstützung. Beispielsweise erreichten im vergangenen Jahr nur weniger als 50 Prozent der Projektan-träge die Geschäftsstelle in Würzburg bis zum offiziellen Abgabetermin – das Ziel sind 80 Prozent.

Wiedersperg-Kober-Brunnen-Bisidimo

Wasser für Bisidimo - DAHW-Gründungsmitglied Irene Kober und die heutige Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg an der Pumpe.

Mit DAHW- Büros aus allen drei Kontinenten und Projektpartnern wurde 2008 auch die sogenannte Partnervalidierung erarbeitet. Anhand eines gemeinsam erstellten „partnership development tool“ soll in Zukunft regelmäßig ein „Partner-TÜV“ durchgeführt werden, in dem Stärken und Schwächen der Partnerorganisationen systematisch untersucht und erfasst werden. Ziel ist dabei, einen Grundstandard zu erhalten und gemeinsam Schwachstellen besser zu beheben. Aktionspläne fassen die gewünschte Wirkung unserer Arbeit zusammen und machen sie messbar. In jährlichen Ergebnisberichten wird festgehalten, wie weit Ziele erreicht worden sind und gegebenenfalls erklärt, welche Gründe zu Verzögerungen oder anderen Abweichungen geführt haben. Die DAHW-Büros und die Projektpartner erhalten bei Bedarf Unterstützung. Oberstes Ziel ist dabei die Nachvollziehbarkeit der durchgeführten Aktivitäten, die Dokumentation der Zielerreichung der geplanten Maßnahmen und der Nachweis der effizienten Mittelverwendung anhand von klar definierten Indikatoren. Die DAHW ist hier inmitten eines Prozesses der dauerhaften Qualitätssicherung und -weiterentwicklung auf allen Arbeitsebenen.

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Durch Arbeit selbstbestimmend leben - Im DAHW-Hilfsprojekt Hyderabad bestreiten ehemalige Leprapatienten ihren Lebensunterhalt.

Ehrenamt in der DAHW

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des ersten DAHW-Projekts in Bisidimo reisten 19 Ehrenamtliche aus sechs verschiedenen DAHW-Gruppen nach Äthiopien. Darunter auch zwei der Bauhandwerker, die das Leprazentrum aufgebaut haben, und DAHW-Mitbegründerin Irene Kober. Sie begegneten einigen Patienten der Anfangszeit, die dort ein Zuhause jenseits von Stigmatisierung gefunden haben. Die große Hilfe, die die inzwischen zu einem Allgemeinkrankenhaus erweiterte Lepraklinik, Schulen, Werkstätten, Landwirtschaft und eine Selbsthilfegruppe leisten, wurde vom äthiopischen Staatspräsidenten Girma Wolde-Giorgis und weiteren Politikern gewürdigt. Sie war auch Thema in den äthiopischen Medien.

In über 60 ehrenamtlichen DAHW-Gruppen informierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen bei der Bekämpfung der Krankheiten Lepra und Tuberkulose. Die Repräsentanten Franz Wiedemann aus Togo, Manfred Göbel aus Brasilien und Jayaraj Devadas aus Indien besuchten Gruppen mit Partnerschaftsprojekten.

An mehr als 80 Orten fand 2008 die Aktion „Stifte die wirken“ statt. Schulklassen, Kirchengemeinden und DAHW-Gruppen verkauften in Zusammenarbeit mit dem Damian Team Versand mehr als 7.000 Stifte-Sets. Die Stifte erinnern daran, dass schon mit dem leichten Druck eines Stifts auf die Haut erste Anzeichen für eine Gefühllosigkeit, die Lepra bedeuten kann, erkannt werden.

Zum 33. Internationalen Kinderfest, das die DAHW gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk und der Stadt Würzburg ausrichtet, kamen 25.000 Menschen in die fränkische Domstadt. Beteiligt haben sich ehrenamtlich 84 Gruppen und Organisationen mit insgesamt 898 Helferinnen und Helfern.

Bei der Bildungsmesse didacta stellte die DAHW 2008 ihre Materialien in Stuttgart vor. Auch bei der erstmals bayernweit veranstalteten Messe Schule Eine Welt in Augsburg stieß die  DAHW auf großes Interesse. Rund 1.000 Gäste, davon die Hälfte Schülerinnen und Schüler, nahmen teil. Der letzte Teil des gemeinsam mit der BUKO Pharma-Kampagne herausgegebenen Materialpakets für den Unterricht „Tuberkulose – Da kriegste die Motten“ wurde 2008 fertiggestellt. 

Beim 97. Deutschen Katholikentag informierte die DAHW gemeinsam mit dem Deutschen Institut für ärztliche Mission (DIFÄM) und dem Missionsärztlichen Institut Würzburg mit einer „Tropenclinica“.

Dr. Adolf Diefenhardt   |   Burkard Kömm


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