Eine Chance auf Leben

Berufsausbildung für von Lepra betroffene Jugendliche

Berufsausbildung für von Lepra betroffene Jugendliche


Sorgsam überprüft Mohammed Riyad die Einstellung des Motors in dem alten Jeep. Vorsichtig justiert und misst er hier und dort nach. Wenn er einen Fehler macht, so hätte das fatale Folgen für die Mediziner, die mit diesem Auto morgen früh zu Untersuchungen von Leprakranken in die entlegensten Dörfer fahren müssen. Kaum auszudenken was es bedeutet, wenn dort, abseits der befestigten Straßen, das Fahrzeug liegen bleibt.

Der lange Weg nach Bisidimo

Der 16-Jährige weiß, wie wichtig diese Reisen sind, weil seine Eltern es ihm und seinen Geschwistern oft erzählt haben. Vor mehr als 30 Jahren erfuhr seine Mutter Nuria durch eine dieser Untersuchungen, dass sie an Lepra erkrankt war. Die Flecken auf ihrer Haut hatte sie zwar schon bemerkt, aber bis dahin gut vor den Blicken der Anderen versteckt.

Nuria war damals gerade 10 Jahre alt, doch sie hatte schon oft miterleben müssen, was mit den Menschen geschah, die an Lepra erkrankt waren: Aus Angst vor Ansteckung wurden sie von ihren eigenen Familien verstoßen  – ohne Rücksicht auf ihren Zustand und ohne Aussicht auf die Chance, jemals wieder ein normales Leben führen zu können.


So hilft Ihre Spende Lepra- und Tuberkulosekranken in Bisidimo

-> Mit 50 €

kann ein Lepra- oder Tuberkuloskranker geheilt werden

-> 180 €

insgesamt bekommen die 30 Lehrlinge monatlich an "Gehalt" (6 Euro pro Person und Monat)

-> 683 €

kostet die Arbeits- und Schutzkleidung für 8 Lehrer und 30 Lehrlinge

-> 1200 €

ist das Jahresgehalt eine Ausbilders


Doch Nuria hatte Glück: die Mediziner der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) nahmen sie mit nach Bisidimo, um sie dort behandeln zu können. Noch heute erzählt sie oft von dieser Fahrt: mit dem altersschwachen Kleinbus benötigten sie für die rund 200 Kilometer drei Tage – mal waren die Wege überschwemmt, mal versperrten Hindernisse den direkten Weg, und drei Pannen am Fahrzeug zwangen sie zu jeweils längeren Pausen.

Lernen für die Zukunft: 30 Jugendliche werden in Bisidimo zu Kfz-Mechanikern ausgebildet. Foto: DAHW / Thomas Einberger

Lernen für die Zukunft: 30 Jugendliche werden in Bisidimo zu Kfz-Mechanikern ausgebildet. Foto: DAHW / Thomas Einberger

Auch Mohammeds Vater Sultan war als Kind an Lepra erkrankt. Allerdings stammte er aus einem Dorf, das abseits aller Straßen und Wege lag. Als 14-Jähriger wurde er verstoßen, als die Zeichen der Lepra nicht mehr zu verheimlichen waren. Allein machte er sich auf den langen Weg nach Bisidimo – fast 400 Kilometer zu Fuß, denn er hatte gehört, dass Leprakranken dort geholfen wird.

Vom Lepradorf zur Kleinstadt

Zu der Zeit, als Mohammeds Eltern nach Bisidimo kamen, wuchs der kleine Ort immer schneller. Noch war er auf keiner offiziellen Landkarte verzeichnet, aber mittlerweile lebten dort schon mehr als 5.000 Menschen – zumeist ehemalige Patienten, die nach ihrer Behandlung dort geblieben sind, weil auch sie von ihren eigenen Familien verstoßen worden waren. Heute sind es mehr als doppelt so viele und die meisten wurden bereits in Bisidimo geboren, wie Mohammed und seine Geschwister.

Zusammenhalt in der Familie: Mohammed lebt mit Bruder und Schwester sowie deren Tochter bei den Eltern, die an Lepra erkrankt waren. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Zusammenhalt in der Familie: Mohammed lebt mit Bruder und Schwester sowie deren Tochter bei den Eltern, die an Lepra erkrankt waren. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Damals machte sich die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) Gedanken um die Zukunft des Ortes. Den Menschen mussten Chancen gegeben werden, Perspektiven für die eigene Zukunft. Viele ehemaligen Patienten arbeiteten auf den Feldern um Bisidimo, die den gesamten Ort mit Lebensmitteln versorgten.

Doch was geschah mit den Kindern? Es wurde eine Schule gebaut und danach Ausbildungsstätten für Handwerksberufe. So entstand auch die Autowerkstatt, in der Mohammed heute mit 29 anderen Jugendlichen den Beruf des Kfz-Mechanikers lernt.

Die Kinder von Bisidimo

Ein sichtbares Lächeln strömt über Mohammeds Gesicht, wenn er die Autos repariert, mit denen die Mediziner von Bisidimo in die abgelegenen Dörfer fahren. Dann muss er an die Geschichte seiner Eltern denken und strengt sich besonders an, denn er weiß: je eher die Lepra erkannt und behandelt wird, um so geringer sind später die Folgen dieser heimtückischen Krankheit.

Wie alle, die in Bisidimo leben, kennt Mohammed diese Folgen: Verstümmelungen im Gesicht, an Händen und Füßen, die ein normales Leben fast unmöglich machen. Täglich begegnet er Menschen, die wegen ihrer körperlichen Behinderungen in vielen Teilen des Landes an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. "Wir Kinder von Bisidimo sind wahrscheinlich die tolerantesten Menschen Äthiopiens“, hat sein großer Bruder Jamal einmal gesagt, als er nach dem Schulabschluss in Addis Abeba sein Glück gesucht hatte.

Ausbildung gegen Vorurteile

Mohammeds Bruder war nach kurzer Zeit wieder zurück gekommen. Zwar hatte er in der Hauptstadt schnell Arbeit gefunden, doch ebenso schnell verlor er diese wieder, als sein Chef erfahren hatte, dass Jamals Eltern ehemalige Leprapatienten waren. Eine Ausbildung hatte er damals noch nicht, doch das hat er inzwischen in Bisidimo erfolgreich nachgeholt. Nun fragt ihn keiner mehr nach der Krankheit seiner Eltern. Jetzt kann er sich fast aussuchen, für wen er arbeiten will, weil gute Mechaniker gefragt sind.

In zwei Jahren wird auch Mohammed seine Ausbildung abschließen. Ob er dann in Bisidimo bleibt, weiß er jetzt noch nicht – Arbeit kann er mit dieser Ausbildung überall finden. Oder er macht seine eigene Werkstatt auf, wie es schon viele Absolventen vor ihm gemacht haben. Selbst Mechaniker mit sichtbaren Behinderungen durch Lepra sind erfolgreich geworden – dank der guten Ausbildung.

Arbeiten trotz Behinderung: 200 Leprapatienten können in Addis Abeba selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Arbeiten trotz Behinderung: 200 Leprapatienten können in Addis Abeba selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Foto: DAHW/Thomas Einberger 


-> Bisidmo  - Keimzelle der Hilfe

-> Äthiopien - Informationen zu Land und Leuten

-> Interview: Wie wir den Menschen helfen können, ihr Land wieder aufzubauen

-> Änderungen im Gesetz - Vorteile für Spender

-> Spenden statt Geschenke - DAHW-Aktion kommt gut an

-> Texte für den Gottesdienst


In 50 Jahren wurden in Bisidimo mehr als 2,7 Mio. Patienten behandelt. Die Kleinstadt hat heute 10.000 Einwohner und ist im ganzen Land bekannt – als Heilzentrum für Lepra und
Tuberkulose sowie als Ausbildungsstätte für Mechaniker, Elektriker oder Pflegeberufe.

Hilfe, die sich sehen lassen kann:

Das Berufsausbildungszentrum in Äthiopien

Das von der DAHW geförderte Berufsausbildungszentrum in Bisidimo können Sie sich auch als Film ansehen.

Auf der Internetseite der DAHW steht die zweiminütige Reportage zum ansehen bereit. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich:

-> www.dahw.de/film

Spendensiegel bürgt

DZI Spendensiegel Die Deutsche Lepra- und Tubekulosehilfe (DAHW) geht verantwortungsvoll mit ihren Geld um. Dafür bürgt das "Spendensiegel" das uns jedes Jahr wieder vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin zuerkannt wird.