Enten sammeln mehr als 100.000 Euro an Spenden

Helfer befördern die Rennteilnehmer ins Wasser

6. Entenrennen der DAHW-Aktionsgruppe Balingen


Genau 758 Enten sind in Balingen um die Wette geschwommen und haben der dortigen DAHW-Aktionsgruppe den 100.000sten Spenden-Euro beschert. Dabei wusste die Gruppe um Margrit Weinmann-Mayer und Reinhardt Mayer einen Tag vor dem Rennen nicht einmal, ob sie es würden starten können. Doch Petrus hatte ein Einsehen, Hunderte Balinger Bürger ihren Spaß, und die Patienten in den DAHW-Projekten Äthiopiens dürfen sich auf großzügige Spenden freuen.

(Würzburg, 9. Juni 2013). Fünf Mal schon hatte die DAHW-Aktionsgruppe Balingen, eine Initiative zur Förderung der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, ihr Entenrennen ausgerichtet. Jedes Mal waren alle Enten ausverkauft, und jedes Mal kam eine stolze Summe an Spenden für die DAHW zusammen. Doch in diesem Jahr war der Start lange unsicher, das Hochwasser hatte auch die ansonsten eher beschaulich dahinplätschernde Eyach im Griff.

Organisatoren und Unterstützer vor dem 6. Balinger EntenrennenOrganisatoren und Unterstützer vor dem Start des Entenrennens, von links: Reinhardt Mayer, Bürgermeister Helmut Reitemann, Margrit Weinmann-Mayer, DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg und Manfred Biffar. Foto: Hövekenmeier / DAHW.

Eine Woche vor dem Rennen noch stand das Stadion unter Wasser – direkt hinter der Brücke, unter der die Enten ins Ziel schwimmen und herausgefischt werden. Schließlich sollen die gelben Plastiktiere nicht als Umweltsünde enden und können jedes Mal aufs Neue an den Start gehen. Alle zwei Jahre starten die Enten in Balingen am Fuße der schwäbischen Alb. „Jährlich schaffen wir das nicht, weil wir alles ehrenamtlich organisieren“, sagt Organisator Reinhardt Mayer: „Und es gibt sehr viel zu organisieren für dieses Event.“

Da ist zunächst das Rennen selbst: Alle Enten müssen gleichzeitig ins Wasser gelassen und am Ziel alle wieder dort herausgefischt werden – in der Reihenfolge, in der sie das Ziel erreichen, denn hier geht es natürlich auch um die Preise, die von örtlichen Unternehmen gespendet werden. Einige Mitglieder der Aktionsgruppe laufen durch das kalte Wasser der Eyach, um die Enten wieder zu befreien, die sich am Ufer oder an Steinen festgeschwommen haben. Und als „Letzter Mann“ steht Reinhardt Mayer selbst hinter dem Ziel im Wasser und fängt die Enten ein, die durch beide Absperrungen geschwommen sind und zu entkommen drohen.


Doch damit nicht genug der Organisation: Schon gut eine Stunde vor dem Start kommen die ersten Besucher zu der Brücke, unter der die Enten starten, und zur Siechenkapelle nahe der Zielbrücke. Passender könnte der Ort nicht gewählt sein, an dem sich Hunderte von Menschen aus Balingen und Umgebung zum Familien-Nachmittag rund um das Entenrennen treffen: Die Kapelle stand einst direkt neben dem Leprosenhaus, in dem in früher Vorzeit die Leprakranken aus Balingen leben mussten. Heute bringt jedes Stück Kuchen, jede Bratwurst, jeder Kaffee und jede Cola eine Spende für die Menschen, die in Äthiopien an Lepra oder Tuberkulose erkrankt sind.

Alle 758 Enten – immer genau so viele, wie die Stadt Balingen an Jahren zählt – haben im Vorfeld ihre Abnehmer gefunden und so stand schon vor dem Start fest, dass die Gruppe die „Schallmauer“ von 100.000 Euro durchbrechen wird. Diese stolze Summe an Spenden haben die Balinger nicht nur mit ihrem Entenrennen gesammelt, sondern mit vielen weiteren, wenn auch kleineren Aktionen. Und immer fließt das Geld in die äthiopischen Hilfsprojekte der DAHW, also in eines der ärmsten Länder der Welt.

Wie hoch die Spendensumme in diesem Jahr genau sein wird, wissen das Ehepaar Weinmann-Mayer und ihre Mitstreiter noch nicht, auch das zählt zu den vielen kleineren, aber doch wichtigen Dingen, die viel Zeit kosten. Doch von der Arbeit für die Menschen in Äthiopien lassen sich die Mitglieder der Aktionsgruppe Balingen nicht abschrecken: „Genau dafür machen wir das doch: Wir setzen unsere Arbeit ein und heraus kommen Spenden, mit der die DAHW vor Ort vielen Menschen helfen kann, die an den Krankheiten der Armut leiden“, sagt eine der Frauen, die Kaffee gekocht sowie Kuchen gebacken haben und dies jetzt an die vielen Besucher verkaufen, die zur Siechenkapelle gekommen sind.

Nach dem Rennen wird es richtig voll auf dem Platz, jeder will natürlich wissen, ob die Anfeuerungsrufe an der Strecke sich positiv auf die Schnelligkeit der Ente ausgewirkt haben und sich seine Ente unter den Preisträgern platzieren konnte. Alle anderen genießen einfach die Stimmung, die Musik der „Balingo Guggis“ – einer hervorragenden Brass-Band, und erhöhen mit jedem Getränk weiter die Spendensumme. Und sie hören von der DAHW-Präsidentin Grudrun Freifrau von Wiedersperg, die noch kurz zuvor aktiv an der Durchführung des Rennens mitgearbeitet hat, was mit dem Geld in Äthiopien geschehen wird. So werden sie alle wohl wiederkommen in zwei Jahren zum siebten Entenrennen, wenn 760 Enten an den Start gehen werden, weil die Stadt Balingen dann 760 Jahre alt sein wird.