Erbeben in Pakistan September/Oktober 2013

Gedanken: Wie verkraftbar sind die immer wiederkehrenden Horrormeldungen aus Pakistan für Freunde und Förderer in Deutschland?


Das Zentrum des Erdbebens war nicht weit von Karachi entfernt. Sollte ein solches Beben jemals in dieser Millionenstadt stattfinden, gäbe es eine überdimensionale Katastrophe. So ist die Betroffenheit im Marie Adelaide Leprosy Center (MALC) zunächst groß, aber es ist nichts passiert. Außer, dass die Mitarbeiter in der Nacht nach dem Beben im MALC angezogen schlafen, um jederzeit auf die Stationen eilen zu können, falls ein Nachbeben Karachi erschüttern sollte.

Die ersten Augenzeugenberichte aus dem Erdbebengebiet waren furchtbar. Das MALC hatte sofort reagiert und Transporte nach Awaran losgeschickt. Als Konsequenz aus den letzten Katastrophen sind die Teams in Katastrophenhilfe erfahren und ausgebildet und können vor Ort sofort helfend eingreifen. Und Gott sei Dank haben beide dortigen Lepraassistenten des MALC überlebt. Andere hatten weniger Glück. Verletzte können nirgendwo hingebracht werden, viele sterben an inneren Verletzungen. Und dennoch, vielen kann geholfen werden und die Schnelligkeit, mit der das MALC in Awaran reagieren konnten, zeigt eindrücklich, wie gut die Infrastruktur des MALC über das ganze Land verteilt ist und funktioniert.

Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, unter ihnen derzeit auch Claudia Villani aus Österreich, fragen sich, wie sie Brücken bauen können ohne abzuschrecken? Der Schlüssel dazu sei die Stimmung im MALC und unter den betroffenen Erbebenopfern. So schreiben sie uns „Wir wüssten keinen Platz in Europa, wo Muslime und Christen so miteinander beten. Keinen Platz, wo verschiedene ethnische Gruppen so zusammenhalten und respektvoll miteinander umgehen. Und keinen Platz in Europa, wo so selbstverständlich untereinander geteilt wird.“ Diese Stimmung, wo Hoffnung täglich gelebt wird, wollen sie uns als Botschaft nach Europa senden. Diese Stimmung sei gewichtiger als die Katastrophenmeldungen.