Heute forschen, um morgen effizienter helfen zu können

Durch Forschung zum Ziel: Krankheiten heilen

Die DAHW unterstützt fünf Forschungsprojekte


Viele Pharmaunternehmen werben mit riesigen Investitionen in die Forschung – das ist gut und richtig. Doch obwohl fast die Hälfte der Gelder für die Forschung aus Steuermitteln stammt, geht es bei der Auswahl der Forschungsprojekte überwiegend um die späteren Verdienstmöglichkeiten.

Lepra ist wie Tuberkulose und Buruli Ulcer eine Krankheit der Armut, an der ein wohlgenährter Mitteleuropäer oder Nordamerikaner kaum erkranken wird. Die Folge: Weil es keinen „Markt“ für die Medikamente gibt, werden diese Krankheiten kaum erforscht.

Besonders bei Lepra steht die Wissenschaft noch heute vor vielen Rätseln, die aber für eine erfolgreiche Bekämpfung unbedingt gelöst werden müssen. Daher hat die DAHW im Jahr 2008 wieder begonnen, selbst einige Forschungsprojekte zu finanzieren. Dies kann dazu beitragen, die Hilfe in den Projekten zukünftig effizienter zu gestalten und mit den vorhandenen Spendengeldern mehr Menschen helfen zu können. Derzeit unterstützt die DAHW fünf Forschungsprojekte.

Bangladesch

Bangladesch-Forschung1

Volumen: 40.000 Euro
PartnerUniversity Medical Centre Rotterdam, Netherlands
Leitung: Dr. J.H. Richardus
Ergebnisse: voraussichtlich Anfang 2010

Die Ausgangslage: Trotz der großen Erfolge der Chemotherapie (MDT – Multi-Drug-Therapy) bei der Behandlung von Leprapatienten ist immer noch ungeklärt, warum die Übertragung der Krankheitserreger nicht gestoppt werden kann. Möglicherweise gibt es sogar „Silent Transmitters“ – also Menschen, die aufgrund einer genetischen Immunität selbst nicht erkranken, die Bakterien jedoch weiter verbreiten können.
Die zu erforschende Frage: Welche Risikofaktoren bei der Über-tragung des Leprabakteriums gibt es, die durch die MDT nicht unterbunden werden und ist eine Chemoprophylaxe als präventive Maßnahme geeignet, diese Übertragungswege zu stoppen?
Mögliche positive Antworten: Das in der MDT enthaltene Medikament Rifampicin könnte geeignet sein, die Übertragung in einer relativ stark von Lepra betroffenen Bevölkerung zu erschweren, möglicherweise sogar ganz zu unterbinden. Dies käme fast einer Impfung gleich.
Ohne weiteres Verständnis der Übertragungswege und ohne Möglichkeiten, diese zu stoppen, wird eine Ausrottung der Krankheit Lepra nicht möglich sein. 

Brasilien

Volumen: 5.386 Euro
PartnerGesundheitsministerium Mato Grosso
Leitung: Dr. Maria Lourdes
Ergebnisse: voraussichtlich Ende 2009

Brasilien-Forschung2

Die Ausgangslage: Der brasilianische Bundesstaat Mato Grosso ist aufgrund von Goldfunden das Ziel zahlreicher armer Wanderarbeiter aus dem ganzen Land. Dies könnte eine mögliche Ursache sein für die relativ hohe Zahl an Leprapatienten in diesem Bundesstaat. 
Die zu erforschende Frage:  Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund der Menschen in Mato Grosso und der hohen Zahl von Leprapatienten in den vergangenen 50 Jahren?
Mögliche positive Antworten: Eine Bestätigung dieser Vermutung würde helfen, die Übertragung der Krankheit einzuschränken. Dabei spielen alle Faktoren eine Rolle, die zum erhöhten Lepra-Risiko bei Menschen mit Migrationshintergrund beitragen können. 

Tansania

Tansania-Forschung1

Volumen: 40.000 Euro
PartnerMissionsärztliches Institut Würzburg
Leitung: Leitung: PD Dr. August Stich, Dr. Samuel Kalluvia
Ergebnisse:  frühestens 2010

Die Ausgangslage: Patienten mit HIV-Infektion benötigen antiretrovirale Medikamente, um damit den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids hinauszögern zu können – besonders, wenn diese Patienten gleichzeitig an Tuberkulose erkrankt sind. Diese Medikamente sind in Entwicklungsländern nicht immer vorhanden.
Die zu erforschende Frage: Kann die Notwendigkeit einer antiretroviralen Behandlung durch niedrig dosiertes Kortison signifikant hinausgezögert werden?
Mögliche positive Antworten:  Im Idealfall erlaubt eine gering dosierte Gabe von Steroiden die Einstellung des Immunsystems auf die Infektion und zögert damit die Verabreichung von antiretroviralen Medikamenten hinaus.
Darüber hinaus besteht die Hoffnung, dass die Zahl der Erkrankungen an Tuberkulose bei dieser Patientengruppe nicht mehr so deutlich über dem Durchschnitt liegen muss.

Äthiopien

Volumen: 45.378 Euro
PartnerPartner: London School of Hygiene and Tropical Medicine
Leitung: Prof. Dr. Diana Lockwood
Ergebnisse:Ergebnisse: voraussichtlich 2010

Äthiopien-Forschung1

Die Ausgangslage: Im Gegensatz zur Ko-Infektion TB/HIV ist kaum etwas über die Zusammenwirkung einer HIV-Infektion bei Lepra-patienten bekannt. Die Auswirkungen einer Lepra/HIV-Ko-Infektion sind ebenso unerforscht wie mögliche Konsequenzen für die Behandlung.
Die zu erforschende Frage: Welche klinischen Auswirkungen hat eine Ko-Infektion und wie müssen diese Patienten künftig behandelt und betreut werden?
Mögliche positive Antworten: Mit diesem Forschungsprojekt wird es erstmals verwertbare Daten zur Ko-Infektion Lepra/HIV geben.
Aufgrund dieser Daten werden die behandelnden Mediziner künftig ein besseres Verständnis für die Wechselwirkungen dieser beiden Erkrankungen haben, ebenso werden die Standards bei der Versorgung der betroffenen Patienten verbessert.

Brasilien

Brasilien-Forschung1

Volumen: 24.000 Euro
Partner Instituto Lauro de Souza Lima Leitung:  Dr. Jaison Barreto
Ergebnisse:voraussichtlich 2010

Die Ausgangslage: Viele Patienten der schweren Lepraform („Multi-bazilläre Lepra“) erleiden Rückfälle oder stecken sich erneut mit der Krankheit an. In einigen Fällen entwickeln die Lepra-Bakterien auch Resistenzen gegen die Behandlung mit den Standard-Medikamenten.
Die zu erforschende Frage: Welche Bedingungen bei Patienten und deren Behandlung spielen bei der Effizienz der Behandlung eine Rolle und wirken damit auf Rückfall, erneute Infektion oder Bildung von Resistenzen ein?
Mögliche positive Antworten: Mit den gewonnenen Daten kann künftig schneller zwischen dem Rückfall der alten und bereits behandelten Krankheit und einer erneut erfolgten Infektion unterschieden werden. Die Möglichkeit von Resistenzen sowie die Ursachen dafür sind dann schneller zu ermitteln.

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