Gisela Borowka: Meine Erinnerungen an Schwester Isabella

Schwester Isabella widmete ihr Leben anderen Menschen, vor allem Leprakranken

Schwester Isabella widmete ihr Leben anderen Menschen, vor allem Leprakranken. / Foto: aus dem Buch "Hoffnung für Millionen" ed. DAHW

Vor wenigen Tagen erreichte die DAHW ein Brief von Schwester Gisela Borowka aus Indonesien, in der sie den Tod ihrer Mitschwester und Freundin Isabella Dias Gonzales bedauert. Beide Frauen haben die Anfänge der DAHW in Würzburg begleitet und die einstige Lepraarbeit des Hilfswerkes in Indonesien geprägt.


„24 Jahre konnten wir gemeinsam für Leprakranke arbeiten“, schreibt die 78-Jährige, die noch heute auf der Insel Lembata im östlichen indonesischen Archipel lebt. „Isabella war mir immer eine liebe Freundin gewesen.“ Kennengelernt hatten sich die beiden Frauen Mitte der 1950er Jahre in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. Beide absolvierten ihre Ausbildungen zur Krankenschwester. Isabella hatte schon während der japanischen Besetzung Indonesiens mit Leprakranken zu tun gehabt, die sich in die Berge geflüchtet hatten und die von dem damals noch kleinen Mädchen mit Lebensmittel versorgt wurden. Schon zu dieser Zeit entstand der Wunsch, auch weiterhin für Leprakranke da sein zu wollen.

Die Freundschaft begann in Würzburg

„Im Missio lernte ich Isabella kennen. Wir freundeten uns an und waren zusammen in einem Zimmer. Sie erzählte mir viel von ihrer Heimat Indonesien“, erinnert sich Gisela Borowka heute. „Schließlich hatten wir den Plan, gemeinsam in ihrer Heimat für Leprakranke arbeiten zu wollen. Auch wenn wir noch nicht wussten, wie wir diese Idee durchführen sollten.“ Als im Jahr 1957 die DAHW – damals unter dem Namen „Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk“ bekannt – ins Leben gerufen wurde, erfuhr Gründer Hermann Kober von der indonesischen Schwester, deren Hebammen-Ausbildung sie selbst nicht weiter finanzieren konnte. Die DAHW übernahm die restlichen Ausbildungskosten, und Isabella kehrte 1959 in die Heimat zurück. Die ersten Patienten waren Leprakranke, die von ihren Familien verstoßen worden waren. Sie behandelte sie in einfachen Bambushütten. „Bei Isabella fanden sie eine neue Heimat“, schreibt Schwester Gisela weiter. Später machte auch sie ihren Wunsch wahr und fuhr im Jahr 1963 – mit einem DAHW-Arbeitsvertrag in der Tasche – auf dem Frachtschiff „Leverkusen“ zu ihrer Freundin nach Indonesien. Mit Unterstützung der DAHW für den Unterhalt und die notwendigen Medikamente konnten die beiden Frauen 1969 ein kleines Krankenhaus auf der Insel errichten. Nachdem Lembata Erdbebengebiet ist, wurden die Konstruktionspläne und der Stahlrahmen für das Gebäude in Deutschland erstellt.

Eine neue Aufgabe

Gisela Borowka selbst wurde im Jahr 1987 weiter östlich auf die Insel Alor geschickt, wo ihr der Bischof mit dem Gesundheitsdienst für Leprakranke eine neue Aufgabe gab. Währenddessen versorgte Isabella per Segelboot oder auf dem Motorrad ihre Leprapatienten in den entlegeneren Gebieten. „Autos gab es zu dieser Zeit noch keine, viel später konnten wir mit Hilfe des Deutschen Aussätzigen-Hilfswerkes einen Ambulanz-Wagen kaufen. Damit wurde die Arbeit zum Glück viel leichter“, betont die Schlesierin.

Isabella arbeitete auch als Hebamme und half vielen hundert Kindern auf die Welt, die in kargen Hütten geboren wurden. Dazu rettete sie unzählige Mütter, die durch eine schwere Geburt so geschwächt waren, dass sie ohne medizinische Hilfe nicht überlebt hätten. Bald hatte Isabella den Namen „fürsorgende Mama“. Als sie nun im Alter von 85 Jahren starb, trauerte die ganze Insel. Die Zeitungen zollten ihr mit der Schlagzeile „Lembata trauert – Mama Isabella ist gestorben“ großen Respekt. Regierungsvertreter und viele andere kamen gruppenweise ins Trauer-Haus, beteten, brachten Kränze und ein wenig Geld.

Im Himmel warten ehemalige Leprakranke

Einige Besucher erzählten, wie sie einst selbst schwer krank waren und von Schwester Isabella Hilfe bekamen. Die Menschen und vor allem die ehemaligen Leprakranken standen weinend an ihrem Sarg. Der Bischof und 15 Priester zelebrierten für sie die Heilige Messe in der Kapelle des Leprakrankenhauses, das mit Hilfe des Deutschen Aussätzigen Hilfswerkes gebaut wurde. „Ich bin dankbar dafür, mit ihr die letzten Stunden verbringen zu dürfen“, lauten die letzten Zeilen, die Schwester Gisela an die DAHW schreibt. „Ich konnte ihr meine Hand auflegen, ihr für mein Leben in Indonesien danken und sie noch einmal fest umarmen. Dann sagte ich ihr noch, dass im Himmel viele Freunde und ehemalige Leprakranke auf sie warten!“ Schwester Isabella starb um Morgen des 12. Juni 2012.