"Ich bereue nicht eine Sekunde meine Entscheidung"

Leonore Küster hält Vortrag vor Schülern des Starkenburg Gymnasiums in Heppenheim

DAHW-Repräsentantin Leonore Küster über ihre Arbeit im Südsudan


(Heppenheim / Würzburg, im April 2013) 150 gespannte Augenpaare der 9. Jahrgangsstufe warten im Vortragsraum des Starkenburg-Gymnasiums in Heppenheim auf Leonore Küster. Hier hat Deutschlands berühmtester Formel 1-Pilot Sebastian Vettel Abitur gemacht, heute ist die DAHW mit einem Vortrag zu Gast. „Die wenigsten Schülerinnen und Schüler waren jemals in Afrika, niemand von ihnen im Südsudan“, sagt Fachbereichsleiterin Christiane Wüstner.

Heimat Südsudan

Denn genau dieses Land bezeichnet Küster als ihr Zuhause. Sie arbeitet vor Ort als Repräsentantin der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Fern, exotisch, anders – sind die Attribute, die die Jugendlichen mit dem jüngsten Staat der Welt in Verbindung bringen. Der Südsudan wurde erst 2011 unabhängig. Küster arbeitet seit 2007 im Land. Während ihrer Fotopräsentation lernen die Gymnasiasten Lepra-Patienten kennen, sehen ihre deformierten Gliedmaßen, erfahren, wie die Krankheit geheilt werden kann. Staunend betrachten sie die Vorher-Nachher-Bilder von Betroffenen, die einst ausgegrenzt und nun wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Küster wird nach ihrer Angst gefragt, in einem ehemaligen Kriegsgebiet zu leben oder sich selbst mit Lepra anzustecken: „Ich bereue nicht eine Sekunde meine Entscheidung, heute als Entwicklungshelferin in Afrika zu arbeiten.“ Die jungen Leute sind beeindruckt, einige sind selbst an diesem Berufsweg interessiert. Axel von Studnitz, evangelischer Religionslehrer, lobt den Vortrag: „Die Schüler sind weit weg von dieser Thematik, umso wichtiger ist es, ihnen Ideen zu geben, wie sie sich selbst engagieren können. Denn sie wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.“

Schülern des Starkenburg Gymnasiums in HeppenheimSelbst vor Ort helfen wollen

Schülerin Lena haben die Fotos von Lepra-Patienten besonders beeindruckt: „Ich wusste gar nicht, dass die Krankheit mit Medikamenten so gut bekämpft werden kann.“ Franziska würde am liebsten selbst vor Ort helfen. „Aber ob ich Kinder leiden sehen könnte, weiß ich nicht!“ Felix zweifelt daran, ob die Menschen in Deutschland so gut mit dieser Krankheit umgehen könnten wie die afrikanischen Patienten: „Ich denke, hier wäre die Ausgrenzung sogar noch stärker.“ Angelika Stumvoll-Keßler, Lehrerin für katholische Religion, freut sich über den Gedankenaustausch ihrer Schülerinnen und Schüler: „Wir haben uns schon durch Bibelstellen eingehend mit Lepra beschäftigt.“

Auch Beate Gemballa lobt das Interesse der jungen Leute. Durch die DAHW-Mitarbeiterin erfahren sie, dass es weltweit jährlich 220.000 Neuerkrankungen gibt, dass die Betroffenen durch Ausgrenzung und Behinderung großes Leid erfahren und dass Lepra heute durch eine Kombinationstherapie gut heilbar ist.