DAHW wird Mitglied im Bündnis "Entwicklung hilft"

Interview mit Harald- Meyer Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und neues Vorstandsmitglied des Bündnisses, über seine Vorstellungen von erfolgreicher Arbeit in Netzwerken.



  • „Ich möchte meine Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen“

    Ein Gespräch mit Harald Meyer-Porzky, Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und neues Vorstandsmitglied des Bündnisses, über seine Vorstellungen von erfolgreicher Arbeit in Netzwerken.

    Herr Meyer-Porzky, die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist gerade, nach sieben Jahren als assoziierter Partner, Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft geworden. Wie fühlt sich das an? 

    Ich freue mich sehr, auch darüber, dass es ein einstimmiges Wahlergebnis war. 

    Wie kam das? 

    Ich glaube, dass alle Mitglieder unserem Aufnahmeantrag zugestimmt haben, weil wir ein verlässlicher Ansprechpartner in Krisensituationen waren – und wohl auch, weil wir durch unser Engagement in verschiedenen Arbeitsgruppen gezeigt haben, dass wir vertrauenswürdig sind.

    Warum haben Sie sich gerade das Bündnis Entwicklung Hilft ausgesucht?

    Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sich ganz bewusst für dieses Bündnis entschieden, weil wir die Grundsätze und die Ausrichtung sehr schätzen. Wir sind keine Organisation, die nur direkte humanitäre Hilfe leistet, sondern wir sind spezialisiert auf armutsbedingte Krankheiten, die Neglected Tropical Diseases (NTDs), deren Ursachen wir bekämpfen und wo wir – das charakterisiert unsere Arbeitsweise – Strukturen aufbauen müssen, die auf lange Sicht zur Überwindung dieser Krankheiten führen. 

    Was genau meinen Sie damit?

    Wo NTDs auftreten, fehlt es den Menschen am Allernötigsten. Für sie sind Katastrophen am schnellsten lebensbedrohlich: Sie können nicht ausweichen, sie haben keine physischen Ressourcen. Darum treffen Wirbelstürme, Überflutungen oder Erdbeben diese Menschen am härtesten. Und da passte das Bündnis mit seinem Nachhaltigkeitsansatz hundertprozentig. Außerdem kann Vorsorge im medizinischen Bereich gar nicht ernst genug genommen werden. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung hat zum Beispiel den Tuberkulose-Erreger in sich, ohne krank zu werden. Wenn Menschen aber körperlich und mental geschwächt sind, funktioniert ihr Immunsystem nicht gut genug. Tuberkulose ist darum in den Armenvierteln dieser Welt so weit verbreitet. Übrigens auch in New York, in der Obdachlosen-Szene, also unter Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen – und auch das entspricht den Zielen des Bündnis Entwicklung Hilft – bei der Prävention ansetzen. Darum investieren wir sehr viel Geld in Bildungsmaßnahmen. Wir versuchen nicht nur, finanzielle Mittel für Behandlungen zur Verfügung zu stellen, sondern auch, Menschen zu befähigen, sich selbst gut zu ernähren und besser auf Hygiene zu achten, damit sie gar nicht erst krank werden. 

    Wie lange gibt es Ihre Organisation und warum wurde sie gegründet? 

    Uns gibt es seit dem Jahr 1957. Der Impuls zur Gründung kam von dem Journalisten Franz Graf Magnis, der aus Äthiopien berichten wollte. Dort hatte er Menschen mit aufgeschwollenen „Löwengesichtern“ gesehen und Äthiopier, die ohne Hände und Füße über staubige Straßen rutschten. „So etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten“, sagten einige Chefredakteure empört, aber er hat nicht aufgegeben, und einige deutsche Zeitungen druckten eine Reportage von ihm. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Deutsche Bauhandwerker errichteten dann im äthiopischen Bisidimo zusammen mit einheimischen Helfern ein Zentrum, in dem Leprakranke behandelt wurden. 

    Wenn die Bezeichnung Lepra im Namen einer Organisation vorkommt, fragen doch sicher viele Menschen: „Lepra? Gibts die überhaupt noch?“ Was sagen Sie dazu?

    Ja, es gibt immer noch zu viele Fälle, leider. Wir haben fast 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Und es gibt Millionen Menschen, die unter den Folgen der Lepra leiden und unsere Hilfe brauchen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wir haben viele Spender und langjährige Unterstützer, und sie trauen uns eine Menge zu, denn als die DAHW mit ihrer Arbeit begann, galt Lepra als unlösbares Problem. Die DAHW entwickelte sich dann zu einem „Game Changer“: Wir hatten damals geschätzte zehn bis fünfzehn Millionen Leprakranke weltweit. Mittlerweile haben wir es geschafft, Lepra zu einer behandelbaren Krankheit zu machen. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es heute eine wirksame Medikamentenkombination gibt, die Lepra wirklich heilen kann, und wir setzen uns dafür ein, Betroffene zu entstigmatisieren. Dafür werden wir sehr geschätzt. Uns eilt außerdem der Ruf voraus, dass wir großen Wert auf langfristige Hilfen legen und sie durchaus beharrlich umsetzen. Unsere Erfahrung betrachten wir als Pfund, das wir in das Bündnis einbringen können.

    Was erhoffen Sie sich vom Bündnis Entwicklung Hilft? 

    Austausch. Solidarität. Dass wir eine noch breitere Öffentlichkeit mit unseren Anliegen erreichen. Wir arbeiten – ganz unabhängig von Katastrophen – seit vielen Jahren mit dem assoziierten Mitglied German Doctors zusammen, und zwar in Indien, bei einem Hilfsprojekt zur Bekämpfung von Tuberkulose. In Howrah, einem Stadtteil von Kolkata, unterstützen wir unter anderem einen deutschen Arzt, der eine Klinik leitet – und der sogar Menschen versorgen kann, die nicht nur eine Lungentuberkulose haben, sondern beispielsweise auch eine Knochenmarkstuberkulose. Mit Misereor kooperieren wir in Afghanistan, mit anderen Bündnismitgliedern in Pakistan und in Äthiopien. 

    Glauben Sie, auch bei Projekten gemeinsam mehr erreichen zu können?

    Das hoffen wir, allein der Erfahrungsaustausch ist wertvoll. Die DAHW war immer schon ein guter Netzwerker. Wir wissen natürlich auch, dass die Ursachen von Krisen und Katastrophen heutzutage so komplex sind, dass man sie allein, als einzelne Organisation, gar nicht bekämpfen kann. Und dass es darauf aber mindestens genauso ankommt wie auf die schnelle Hilfe von der ersten Sekunde an. Die wir und unsere Partner leisten können, weil wir schon vor Ort sind. Wichtig ist uns auch, dass wir mit unseren Partnern und den Menschen aus den Ländern auf Augenhöhe zusammenarbeiten und die Hilfe aus dem Land selbst heraus entwickeln. Auch das ist ein Grundsatz des Bündnis Entwicklung Hilft.

    Wie sieht eine gelungene Bündnis-Arbeit für Sie aus?

    Als guter Netzwerker darf ich nicht nur meine eigene Organisation im Blick haben. Da muss ich auch mal sagen: Wir sind hier in einem Bündnis, weil wir gemeinsame Werte, Vorstellungen, Ziele und Aufgaben haben – und die gehen wir jetzt alle miteinander an, damit wir uns später auch zusammen über die guten Ergebnisse und gemeinsamen Erfolge miteinander freuen können. Ich muss mir bewusst machen, welche Ressourcen ich als Organisation habe und wie sie dem großen Ganzen nützen. Ich möchte meine persönlichen Fähigkeiten zum Wohl aller einsetzen. Wir glauben an die Stärke dieses Bündnisses. 

    Das Interview führte: Bündnis Entwicklung hilft www.entwicklung-hilft.de

    Gründungsgeschichte und Weiterentwicklung

    1955 

    Der Journalist Franz Graf Magnis und der Theologiestudent Richard Recke aus Würzburg begegnen in Äthiopien dem französischen Arzt Dr. Féron. Sein Einsatz für Leprakranke beeindruckt die jungen Männer. Sie rufen in Deutschland zur Hilfe auf. 

    1957

    Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wird in Würzburg gegründet, zunächst als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW). Die beiden verheirateten Würzburger Irene und Hermann Kober sind Mitgründer der Organisation. 

    1958

    Die ersten Helfer gehen zum Aufbau einer Station in Bisidimo nach Äthiopien. Schon bald bekommt die DAHW Projektanträge aus Afrika, Asien und Lateinamerika. 

    1961 

    Beginn der Zusammenarbeit mit der Ärztin Ruth Pfau, die zum Orden „Töchter vom Herzen Mariä“ gehört, in Pakistan: Nach und nach gelingt es, die Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren. 

    1963 

    Fünf Jahre nach der Gründung unterstützt die DAHW 83 Hilfsstationen weltweit. Rund 75.000 Leprakranke werden behandelt. 

    1981

    Lepra wird heilbar. Die Behandlung baut auf einer Therapie auf, die das Hilfswerk mitentwickelt und seit den 1970er Jahren erfolgreich auf Malta angewendet hat. 

    1990

    Der Verein stellt sich einer zweiten Herausforderung: der Bekämpfung der Tuberkulose. 

    2003 

    Das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk benennt sich in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. 

    2006

    Die Hilfe wird auf mehrere armutsbedingte Krankheiten ausgeweitet.

    2009 

    Die DAHW wird assoziierter Partner des Bündnis Entwicklung Hilft.

    2010

    Bei der Flut-Katastrophe in Pakistan leistet die Organisation Nothilfe.

    2012

    In Liberia beginnt die DAHW mit dem Aufbau eines Lepra-Kontrollprogramms.

    2016

    Der Verein wird Mitglied des Bündnis Entwicklung Hilft.