Interview mit Burkard Kömm

Burkard Koemm

Seit dem 1. Mai hat die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) einen neuen Geschäftsführer: Burkard Kömm war viele Jahre in afrikanischen Ländern tätig, zuletzt beim Aufbau eines Gesundheitssystems in Kenia.

Herr Kömm, aus welchen Gründen haben Sie sich für die DAHW entschieden?
Für den Wechsel zur DAHW sprachen einige gute Gründe. Die DAHW beschäftigt sich mit Erkrankungen und Menschen, die normalerweise von Hilfsorganisationen und Projekten „links liegen gelassen“ werden. Das stimmt sehr gut mit meiner eigenen Einstellung und Motivation überein, medizinische Hilfe für Menschen aus den Randgruppen armer Länder leisten zu wollen.
Bei meinen Tätigkeiten in Kolumbien, Nigeria, Uganda und Kenia konnte ich mich öfters persönlich von der guten Qualität der Projekte der DAHW überzeugen. Hier wurde an Lepra und Tuberkulose erkrankten Menschen umfassend und nachhaltig geholfen und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Das hat mich beeindruckt.

Können Sie uns jetzt schon mehr über die anstehenden Aufgaben und Ihre künftigen Schwerpunkte verraten?
Alle Aufgaben haben ihre eigene Wichtigkeit. Trotzdem habe ich mir vorgenommen, zunächst meine Aufmerksamkeit nach „Innen“ zu richten, also Struktur, Arbeitsabläufe, Kommunikationssysteme und -wege zu verstehen und bei Bedarf zu optimieren. Mit „Innen“ meine ich selbstverständlich auch die Programme und Projekte in den Ländern, in denen wir tätig sind. Unser Gesamterfolg – nämlich die Heilung und Rehabilitation der Erkrankten – hängt von der effizienten und qualitativ hochwertigen Umsetzung unserer Projekte vor Ort ab.

Wie wichtig ist Professionalität für die Führung eines Hilfswerkes?
Durch Medien und Internet leben wir heute in einer fast gläsernen Welt – besonders als Hilfswerk, das sich über Spenden finanziert. Für uns bedeutet dies: Auf jeder einzelnen Ebene müssen wir transparent und hochprofessionell arbeiten.

Für einen Geschäftsführer gilt dies natürlich in besonderem Maße: Dass ich zwölf Jahre für die Entwicklungszusammenarbeit in Afrika war, ist zwar eine sehr gute Erfahrung, aber für die Führung eines Hilfswerks reicht das allein nicht aus. Da zählt eher die kaufmännische Ausbildung sowie die als Krankenpfleger und ganz besonders das Studium für Planung, Verwaltung und Finanzen im Gesundheitswesen in London. Professionalität bedeutet auch, seine eigenen Grenzen zu kennen und gegebenenfalls interne und externe Expertise in Anspruch zu nehmen und zu akzeptieren.

Können Sie abschätzen, wie sich die Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Arbeit der DAHW auswirken wird?
Die Auswirkungen sind gravierend, besonders in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier sind ganze Märkte massiv eingebrochen, Firmen machen von heute auf morgen dicht und die Leute stehen ohne soziales Netz auf der Straße, während die Preise für Grundnahrungsmittel weiter steigen. Ganze Familien fallen dadurch in die Armut und erkranken viel schneller, beispielsweise an Tuberkulose. Auf unsere Hilfsprojekte wird dadurch viel mehr Arbeit zukommen als ursprünglich geplant.

Zum Glück spüren wir die Krise bei den Spenden nicht ganz so extrem: Die meisten Menschen spenden uns seit vielen Jahren regelmäßig Beträge zwischen 50 und 100 Euro, und das machen sie, so hoffe ich,  auch in Krisenzeiten. Eine wichtige Aufgabe wird sein, den Menschen bei uns zu erklären, dass ihre Hilfe jetzt besonders dringend gebraucht wird, weil es für die Ärmsten in den Slums und auf dem Land in den Entwicklungsländern keinerlei soziale Absicherung gibt. Wir werden uns aber auch an  institutionelle Geber und Großspender wenden, um unsere Zusagen einhalten zu können.


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