Lepra darf kein Schicksal sein

Fatiha, ein zehnjähriges Mädchen, will wieder gesund und werden


Die Diagnose ist eindeutig: Fatiha hat Lepra und zwar die schwere Form. Das bedeutet, sie muss im Unterschied zu der heute an sich üblichen halbjährigen Behandlung, ein ganzes Jahr lang Antibiotika einnehmen.

Fatiha ist kein Einzelfall

Pro Jahr werden in Äthiopien etwa 5.000 Menschen behandelt, die neu an Lepra erkrankt sind. Zwischen fünf und neun Prozent sind Kinder, berichtet der 59-jährige Ato Dedo, Projektmanager von Bisidimo. Geduldig erklärt er der kleinen Patientin, dass sie regelmäßig ihre Tabletten einnehmen muss, damit die Krankheit vollständig heilt. Und sie vertraut ihm: Denn alle wissen, dass sein Vater auch ihn vor 40 Jahren nach Bisidimo gebracht hat, in drei Tagesmärschen, auf dem Rücken eines Esels. Er war von der Lepra gezeichnet, mit Flecken auf der Haut, Knoten im Gesicht und Problemen beim Laufen. In Bisidimo hat man ihn behandelt, geheilt und gefördert. Er hat das Stigma erlebt und besiegt. Und heute trägt er die Verantwortung für Bisidimo.

Einige Frauen trösten Fathia, die sich ihre Heimkehr anders vorgestellt hat. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Einige Frauen trösten Fathia, die sich ihre Heimkehr anders vorgestellt hat. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Lepra-Erkennung ist einfach

Mit einem simplen Test kann man feststellen, wo der Patient Anzeichen einer Lepra-Erkrankung hat. Mit einem Stift berührt der Arzt verschiedene Stellen auf Fatihas Haut. Sie muss dabei die Augen schließen und jedes Mal mit dem Finger auf die Stelle zeigen, die er gerade berührt hat. Die meisten Berührungen spürt sie – dort ist ihr Empfinden also noch intakt. Zum Glück! Doch auch heute noch kommen 20 - 30 Prozent aller Patienten erst zur Behandlung, wenn die Lepra bereits irreversible Schäden verursacht hat.

Nach zwei Monaten Krankenhaus wieder zu Hause: Fatiha ist glücklich. Foto: DAHW / Thomas Einberger

Nach zwei Monaten Krankenhaus wieder zu Hause: Fatiha ist glücklich. Foto: DAHW / Thomas Einberger

Endlich nach Hause zurück

Nach fast zwei Monaten kann Fatiha das Krankenhaus verlassen. Sie hat ihre Medikamente für einen Monat erhalten, und ihre Familie wird darauf achten, dass sie sie einnimmt. Ins Krankenhaus von Bisidimo wird sie nicht mehr zurück müssen. Sie bekommt ihre Medizin jetzt im Dorf.

Fatiha freut sich auf zu Hause. Noch nie ist sie so lange weg gewesen. Für ihre Geschwister kauft sie etwas Brot, bevor sie zu dem kleinen Rundhaus läuft, in dem sie mit ihren Eltern, zwei Brüdern, zwei Schwestern und einer Kuh wohnt. Die Kuh ist der wertvollste Besitz der Familie, Fatiha hat sie oft gehütet. Doch die Rückkehr nach Hause ist nicht so, wie Fatiha gehofft hat. Alle, auch ihre Mutter, sind sehr zurückhaltend. Haben sie Angst, dass sie sie ansteckt?

Ato Dedo zeigt Fatiha die Medikamentenausgabe. Foto: DAHW/Thomas Einberger

Ato Dedo zeigt Fatiha die Medikamentenausgabe. Foto DAHW / Thomas Einberger

Lepra schreckt noch immer

"Im Dorf erzählt man sich sicher, dass Fatiha Lepra hat,“ mutmaßt Ato Dedo. Die Angst vor der Krankheit, die so schrecklich entstellen kann, ist immer noch groß.

Vom Dorfältesten erfährt Ato Dedo nach längeren Gesprächen über die Ernte, die Preise und das Wetter, dass ein Onkel von Fatiha ebenfalls Lepra hat. Wo er sich aufhält wisse man nicht, er verstecke sich. Ato Dedo nutzt die Gelegenheit und erklärt, dass Lepra heilbar ist. Mit dem Dorfältesten verabredet er, bald wiederzukommen.

In den Armen der Mutter

Die Fremdheit zwischen Fatiha und ihrer Familie hat sich allmählich gelegt. Fatiha hat ein paar Tränen weggewischt. Als ihre Mutter sie in die Arme schließt, strahlt sie wieder. Dann drückt sie ihren kleinen Bruder ganz fest.

Was sie jetzt machen wird? Wieder zur Schule gehen. Zwei Monate war sie nicht da, sie muss viel nachholen. Sie möchte auch wieder mit den anderen Kindern spielen. Fangen ist ihr Lieblingsspiel. Und auf die Kuh wird sie auch wieder aufpassen. Und ihre Medizin nehmen, noch zehn Monate, denn dann, das hat Ato Dedo ihr versprochen, ist die Lepra wirklich geheilt.


Lepra lässt sich heute, im Frühstadium der Krankheit vollständig ausheilen. Nur 50 Euro reichen dazu im Schnitt aus. Daher steht die Früherkennung an erster Stelle. Aber die Zahl der dauerhaft durch Lepra behinderten Menschen wird auf rund drei Millionen geschätzt.

 


Bitte helfen Sie den Menschen in Bisidimo. Foto: DAHW/Thomas Einberger

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