"Manfredos" Deutschland-Tour 2010 endete in der Bayerischen Staatskanzlei

Manfred Göbel und Minister Siegfried Schneider

Nach vier Wochen Vortrags-Tour: Manfred Göbel in der Bayerischen Staatskanzlei, für eine Stunde im Gespräch mit Minister Siegfried Schneider Foto: Franz Barthel

Manfred Göbel aus Brasilien auf Deutschland-Tour


München. Manfred Göbel, seit über 30 Jahren für die DAHW in Brasilien, kann Zuhörer faszinieren. Für vier Wochen kam er nach Deutschland und es war kein Urlaub: 50 Vorträge in 30 Städten und Gemeinden, knapp 6.000 Zuhörer, über 80 Prozent davon Schüler. Am Steuer eines Audi A6 hat er 8.000 Kilometer zurück gelegt, dass die Ingolstädter Autobauer seine Vortragsreisen so unterstützen, hat bereits Tradition.

Franz Tönnes aus dem DAHW-Büro Münster, der die meisten Einsätze von Göbel organisiert hatte, sagt rückblickend: Unglaublich, Gymnasium, sechste Stunde, 200 junge Leute in der Aula und nach fünf Minuten ist es mäuschenstill, hört man nur noch zu. Sie erfahren die Biografie eines Krankenpflegers aus dem bayerischen Eichstätt, der einst mit langen Haaren aufgebrochen war und leicht revolutionären Gedanken darunter. Und der Kampf des „Manfredo“ gegen Lepra, Tuberkulose und Armut kommt an.

Neben den Vorträgen kam es auch wieder zu vielen Begegnungen im kleinen Kreis, mit Eine-Welt- und Basar-Gruppen, Leuten von Kolping und ehemaligen Schulkameraden, die DAHW-Mitglied Franz-Josef Beringer als Unterstützer organisiert hat.

"Seilschaften“ sind nicht nur in den Bergen wichtig: Ein Verwandter von Beringer ist Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Siegfried Schneider, war vorher bayerischer Kultusminister und so kam Göbel am Ende seiner Tour, an einem Freitagmittag, zu einer einstündigen Audienz dorthin, wo bayerische Politik gemacht wird.

Minister Schneider hört dem Landsmann fasziniert zu, wie die Schüler in den Gymnasien: Dass jährlich in Brasilien etwa 40.000 Menschen neu an Lepra erkranken, dass Brasilien auch „sein Haiti“ hat, also Regionen mit größter Armut, wie den Bundesstaat Mato Grosso, wo Göbel lebt und arbeitet, dass Waffen und Kriminalität für Jugendliche oft die einzige Chance sind, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln und zu erleben. Und wie Göbel da unter der DAHW-Flagge im Rahmen seiner Möglichkeiten gegensteuert.

2014 ist Fußball-WM in Brasilien, die Chance, das nach der WM in Südafrika ausbrechende und damit vermutlich nicht vergleichbare südamerikanische Fußball-Fieber für unsere Arbeit bei den Armen und Kranken zu nutzen, meint Göbel, wenn sich das Interesse der Welt dorthin richtet. Und der Minister nimmt die Steilvorlage an und verspricht, "am Ball zu bleiben", denn Bayern und seine Wirtschaft werden sich zur Fußball-WM 2014 auch in Brasilien präsentieren.

Die Bayerische Staatsregierung denkt ganz konkret an die Förderung sozialer Projekte in der Hand von Nicht-Regierungs-Organisationen mit bayerischem Bezug und da fallen "Manfredo" sofort einige Adressen ein. Dr. Rupert Pritzl vom Referat „Internationale Beziehungen“ der Bayerischen Staatskanzlei hat viel notiert bei dem Gespräch.

Übrigens: Wie wichtig „Seilschaften“ sind, Verbindungen, die leider vor allem durch die Politik einen unverdient schlechten Beigeschmack erhalten haben, erfährt man unter http://www.leprahilfe-goebel.de/.

Auf Anregung von DAHW-Mitglied Franz-Josef Beringer ist 1993 bei einem Klassentreffen, 20 Jahre nach dem Verlassen der Realschule, ein Netzwerk der ehemaligen Klassenkameraden für ihren "Manfredo" in Brasilien entstanden.

Als wir nach einer Stunde die Bayerische Staatskanzlei verließen, hatten wir den Eindruck: Das war ein "Heimspiel" und gewonnen hat "Manfredo".

Franz Barthel

Dr. Rupert Pritzl und Burkard Kömm

Auf der Fußball-„Schiene“  an Not und Elend,  Lepra-und Tuberkulose-Kranke in Brasilien erinnern und gemeinsam ein Projekt unterstützen,  darüber denken nach:  Dr. Rupert Pritzl vom Referat „Internationale Beziehungen“ der Bayerischen Staatskanzlei und DAHW- Geschäftsführer Burkard Kömm. Foto: Franz Barthel