Nachruf Dr. Hanne Glodny

Dr. Johanna Glodny und Dr. Ruth Pfau im Mai 2014

Dr. Hanne Glodny (links) und Dr. Ruth Pfau bei ihrem letzten Treffen im Mai 2014 in Deutschland, Gimbte/Westfalen. Foto: Meyer-Porzky / DAHW

Die DAHW und die Ruth-Pfau-Stiftung gedenken der am 25. März 2015 in Bad Lippspringe verstorbenen Medizinerin Hanne Glodny.


Johanna Karola Glodny wurde am 7. Juli 1924 in Oppeln geboren. Nach erfolgreichen Jahren als Ärztin, zuletzt als Internistin mit Arztpraxis in Paderborn, ging sie 1991 in den „Unruhestand“ und widmete sich voll und ganz der humanitären Hilfe. Über die DAHW lernte sie Dr. Ruth Pfau und das von ihr geleitetet Marie Adelaide leprosy Center (MALC) in Pakistan/Karachi kennen. Wann immer sie konnte hielt sie sich fortan in Pakistan auf, betrieb dort medizinische Aufklärungsarbeit, fördert junge, angehende Gesundheitshelfer (Lepra-Assistenten), unterstützte Flüchtlingskinder aus Afghanistan und errichtete Krankenstationen und Schulen. Bereits im Jahr 2004 gründete sie im Afghanischen Flüchtlingscamp von Karachi eine Schule in die heute fast 800 Schülerinnen und Schüler gehen.

Mit Stolz und voller Freude nahm sie im März 2013 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (Große Damenversion mit der Damenschleife) für ihr großartiges, persönliches Engagement aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck entgegen.

„Dr. Hanna“ (wie sie von allen genannt wurde) und Dr. Ruth Pfau verband eine tiefe Freundschaft.


28.3.2015 Dr. Ruth Pfau aus Karachi

Dr. Hanna

…wir vermissen Hanna. Wir haben so viel miteinander gelacht – anders kann man wohl all die Not und das Elend nicht aushalten, außer dass man sich seinen Humor bewahrt.

Und Hanna ist überall mit uns gewesen, wo wir Programme hatten: das Impfprogramm in den Bergen im Norden und in den Slumvierteln in Karachi und bei der Behandlung der Bewohner der Bergdörfer, Bekämpfung der Tuberkulose in Zentral Afghanistan, Ausbildung der Lepra-Assistenten von Afghanistan – und was für uns schon beinah (beinah - ganz Routine wurde es nie) geworden war, bekam durch Hanna einen wunderbar heroischen Anstrich:

Das Impfprogramm in den unzugänglichen Höhen des Himalaya, das Hunderten von rotbäckigen Bergbauernbuben mit ihren Brombeeraugen, die nie im Leben einen Arzt gesehen haben, das Leben gerettet hat, lebensgefährliche Tuberkulose, verseuchte Berghöhlen, in die kein Sonnenstrahl eindringt, und in die sie Heilung und Rettung brachte, Ausbildung junger Afghanen, die mit keinem Gedanken mehr an die Versuchung eines Lebens mit den Taliban dachten, seit sie die begeisternden Vorlesungen von Dr. Hanna gehört hatten

Ach, es stimmte ja alles. Wir freuten uns jedes Mal, wenn sie mit uns kam, und dann lachten wir über ihre und unsere Heldentaten, und wenn Dr. Hanna nicht wenigstens einmal im Jahre nach Pakistan kam, fehlte uns etwas.

Hanna war Internistin und hatte ein enormes Wissen aus einem langen Leben im Beruf.

Sie gehörte zu jener Generation der katholischen Akademikerinnen, die sich gegen die Ehe entschieden hatten, ohne deshalb in einen Orden eingetreten zu sein, um jederzeit auf einen Anruf reagieren zu können – im Nachkriegsdeutschland war so viel und wichtiges zu tun.

Und es gibt unzählige Menschen, hier in Pakistan und daheim in Deutschland, die ihr bis heute für diesen Entschluss dankbar sind. Unter ihnen auch die ganze Familie von MAC, Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen.

Unterschrift Dr. Ruth PfauDr. Ruth Pfau