Pakistan: Engagement für Leprapatienten setzt Zeichen

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Leila (links) und Uzla (rechts) freuen sich über Dr. Ruth Pfaus Interesse an ihren Stickereien. Bild: Sabine Ludwig / DAHW

Es ist 5 Uhr morgens. Wie immer steht Dr. Ruth Pfau zu früher Stunde auf. Der Nachtfahrer weiß Bescheid. Der Gottesdienst in der St.-Patricks-Kathedrale in Karachi beginnt pünktlich um 6 Uhr. Es ist Dr. Pfaus tägliche Routine, seit Jahren schon. "Ich fange den Tag gerne mit der Messe an, damit man nicht einfach so in den Tag stolpert", erklärt die katholische Ordensfrau.


Nach dem Gottesdienst gibt es in ihrem Appartement im Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) Frühstück. Danach noch die kurze Andacht in der Hauskapelle, wie auch schon der Gottesdienstbesuch ein Ritual, sich auf den Tag vorzubereiten. Anschließend ist eine Tour nach Manghopir geplant.

Eine gute Stunde dauert die Fahrt durch den dichten Verkehr der südpakistanischen Metropole in den Vorort. Sozialarbeiterin Sadia Umar begleitet Dr. Pfau. „Behandlungen werden hier nicht mehr durchgeführt, seit ein Lepraassistent und zwei Hilfskräfte vor einigen Jahren erschossen wurden. Patienten kommen nun direkt ins MALC, das ist sicherer“, erklärt Umar.

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In Manghopir gibt es immer etwas zu besprechen …
Bild: Sabine Ludwig / DAHW

In Manghopir in einem Heim ganz in der Nähe der Schule wohnen Menschen mit Behinderungen. Sie alle machen eine Berufsausbildung oder haben sie bereits abgeschlossen. Wie die Schwestern Laila H. und Uzla H. aus Afghanistan, die beide vor vielen Jahren mit schweren Lepraschäden nach Manghopir kamen und hier behandelt wurden. Weder erinnern sie sich, wann es war noch wie alt sie sind. „Wahrscheinlich sind beide Anfang 40“, zuckt Umar mit den Schultern. In ihrer Heimat konnten sie nicht bleiben, denn nachdem die Mutter starb, wurden die Mädchen von der Stiefmutter verstoßen. Schon schwer geschädigt durch die fortgeschrittene Lepraerkrankung hörten sie von Dr. Pfau und ihrem Einsatz für Leprakranke im Nachbarland und machten sich auf den Weg dorthin.

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… aber auch Untersuchungen müssen sein.
Bild: Sabine Ludwig / DAHW

„Wir sind froh, hier leben zu können“, betont Laila. Ihre Schwester nickt und ergänzt, dass sie beide Sticken und Handarbeit gelernt haben. Sie deutet auf ihre Werke, die in einem Regal zum Verkauf angeboten werden. „Trotz unserer Hände“, bemerkt sie leise und zeigt auf ihre von Lepra geschädigten Finger. Der Besuch Dr. Pfaus ist Anerkennung und Wertschätzung zugleich. Auch ihre Mitbewohner freuen sich, wenn die Ärztin kommt. Denn es gibt immer etwas zu besprechen und zu regeln. Und die Mitarbeiter vor Ort legen großen Wert darauf, mit der Medizinerin Therapiepläne zu besprechen.

Dr. Pfaus mutiger Besuch setzt ein Zeichen, hier im abgeschiedenen Manghopir, wo sich Fremde kaum hin trauen, aus Angst vor Schießereien und Entführungen. All das hält Dr. Pfau nicht ab, regelmäßig nach ihren Schützlingen zu sehen. Und sie danken es ihr. Mit langem Winken, das noch anhält, als der Wagen längst hinter der nächsten Abbiegung verschwunden ist.

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