Pakistan - im dritten Jahr nach der Flut

Besuch des MALC-Geschäftsführers Mervyn Lobo in Würzburg

MALC-Geschäftsführer Mervyn Lobo wird von DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm vorgestellt. Foto: Hövekenmeier / DAHW

Der pakistanische DAHW-Partner berichtet über Mut, Ausdauer und Erfolge


Es herrscht absolute Stille unter den Besuchern im Versammlungsraum der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Würzburg. Alle lauschen gebannt den Ausführungen des pakistanischen Gastes.

Mervyn Lobo, Geschäftsführer des von Dr. Ruth Pfau gegründeten und seit über 50 Jahren durch die DAHW unterstützen MALC (Marie Adelaide Leprosy Centre) in Karachi berichtet über die Fortschritte des Wiederaufbaus nach der verheerenden Flut im Jahre 2010, mit all den verbundenen Schwierigkeiten und über den an sich schon nicht ungefährlichen Alltag in seiner Heimat.

Wie alles begann …

Im Jahr 2010 wurde Pakistan von einer Jahrhundertflut getroffen. „Demnach wären zwei Drittel unseres Bundesgebietes unter Wasser gestanden“, vergleicht DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm die Ausmaße der Katastrophe von damals. Aufgrund eines hervorragenden Nothilfeplans konnte der pakistanische DAHW-Partner bereits nach 24 Stunden reagieren, so DAHW-Länderreferent Ernst Hisch. Insgesamt umfasste die Not- und Wiederaufbauhilfe durch die DAHW seither mehr als drei Millionen Euro. Und das gesamte Notprogramm wird noch 2 Jahre fortgeführt. Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit Caritas Österreich und Caritas St. Pölten in Form eines Konsortiums, welches sich zweimal jährlich trifft, um die gemeinsame Arbeit mit all ihren Problemen zu besprechen.

„20 Millionen Leute mussten vor dem Wasser fliehen“, erzählt Lobo und weist auf die Unterstützung der Bevölkerung mit Zelten, sauberem Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung hin. „Ohne die Unterstützung durch die DAHW und seine Partner wäre das nicht zu stemmen gewesen. Ich bin sehr gerührt, in welch überwältigendem Ausmaß deutsche Spender uns geholfen haben.“

In der Folgezeit wurden Menschen medizinisch behandelt, Häuser instandgesetzt, neu gebaut und Familien mit Mikrokrediten oder Sachmitteln unterstützt. Noch immer ist der Wiederaufbau nicht abgeschlossen. Und was die Nachhaltigkeit der Hilfe angeht: „Wir legen großen Wert auf den Bau qualitativ hochwertiger Häuser, die Erdbeben und Fluten standhalten “, ergänzt Ernst Hisch.

Allgegenwärtiger Terror

Auf die DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg hat ihr jüngster Pakistan-Besuch nachhaltige Eindrücke hinterlassen. „In flachen Gegenden hatten die Menschen keine Möglichkeit, zu fliehen oder auf Hügeln und in den Bergen Schutz zu suchen“, beschreibt sie das Ausmaß der Katastrophe. Der Wiederaufbau hat Früchte getragen: Die Menschen fangen an, sich in ihrem neuen Leben einzurichten.

Lobo betont immer wieder, wie wichtig auch weiterhin die Unterstützung durch die DAHW in Pakistan sei. Dann erzählt er - sichtlich betroffen - von einem Anschlag, der sich Anfang Mai in dem Projekt Manghopir, in unmittelbarer Nähe Karachis ereignete. Zwei Wachmänner wurden erschossen. „Bis heute kennen wir weder die Täter noch ihre Motive“, sagt er schulterzuckend. Überhaupt nehme die Gewalt immer schrecklichere Formen an. „Täglich müssen wir mit Anschlägen rechnen. Niemand ist mehr sicher in Pakistan.“ Zugute kommt ihm das landesweite Netzwerk, das Dr. Ruth Pfau in ganz Pakistan aufbaute. „Es gibt fast in allen Regionen des Landes Mitarbeiter, auch dort, wo es für ausländische Besucher viel zu gefährlich ist“, sagt Lobo. „Falls etwas passiert, ein Anschlag oder eine neue Katastrophe, werden wir innerhalb von wenigen Stunden von unseren Mitarbeitern vor Ort informiert. Das Netzwerk funktioniert hervorragend.“

Die Erzählungen von Mervyn Lobo machen den DAHW-Mitarbeitern in Deutschland auf eindrucksvolle Weise klar, wie sehr ihre Hilfe in Pakistan gebraucht wird. „Kaum vorzustellen, wie tapfer die Menschen unter solch erschwerten Bedingungen arbeiten“, bringt es eine Mitarbeiterin auf den Punkt. Für Mervyn Lobo geht es in wenigen Tagen wieder zurück in die Heimat. Auf ihn warten neue Herausforderungen. Er vertraut darauf, dass trotz täglicher Terrorwarnungen nichts passiert und er die Arbeit an der Seite von Dr. Ruth Pfau ungehindert fortsetzen kann.


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