Robert Koch - Biografie

Robert Koch - Mediziner, Tropenmediziner und Mikrobiologe

Der Medizinier und Mikrobiologe, Robert Koch, ist bekannt als Entdecker der Tuberkulose.


Robert Koch ist nicht nur Begründer der modernen Bakteriologie, sondern auch der klinischen Infektiologie und der Tropenmedizin. Er gehörte zu den Wegbereitern der sich erst viel später als selbständiges Fachgebiet etablierten Immunologie.

Biografie:

1843
Am 11.12. in Clausthal im Harz geboren als drittes von insgesamt dreizehn Kindern des Bergrats Hermann Koch und dessen Frau Mathilde

1862
Beginn des Medizinstudiums mit dem Schwerpunkt Bakteriologie an der Universität Göttingen. Dort war er auch als wissenschaftlicher Assistent tätig

1866
Am 16. Januar promoviert, am 12. März bestand Robert Koch in Hannover das Staatsexamen. Famulatur am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg. Arzt in der „Erziehungs- und Pflege-Anstalt für Geistesschwache Kinder” in Langenhagen bei Hannover. Nach diesen ersten Erfahrungen begann er privat zu praktizieren, interessierte sich aber für sehr viele verschiedene Themen wie Archäologie, Antropologie und der neu entstehenden Forschungsrichtung, der Bakteriologie.

1867
Robert Koch heiratet Emmy Adolfine Fraatz, Tochter eines Pfarrers.

1868
Arzt in Niemegk / Brandenburg

1869
Arzt in Ragkwitz / Posen

1870/71
Einsatz als Arzt im Feldlazarett im deutsch-französischen Krieg. Dort erlebte Koch, dass verwundete Soldaten häufig an Milzbrand starben, auch wenn die Verwundungen selbst nicht schwerwiegend waren. Dies war der Anlass, sich näher mit den Ursachen für die Milzbranderkrankungen zu beschäftigen.

1872
Robert Koch legt das Physikatsexamen ab und wird Kreisphysikus (vergleichbar mit einem heutigen Arzt beim Gesundheitsamt) in Wollstein, Posen. Dort widmete er seine ersten freien Forschungen der Lebensweise des Milzbrandbazillus, der 1849 von dem Wipperfürther Arzt Aloys Pollender als Krankheitserreger entdeckt worden war.

1876
Er entdeckt die Milzbrandsporen, die Ruheform des Erregers, und erklärte damit die bis dahin unverstandene Infektionskette und die hohe Widerstandsfähigkeit des Bakteriums gegenüber Umweltfaktoren. Damit hatte Robert Koch als erster den Zusammenhang eines Mikroorganismus als Ursache einer Infektionskrankheit nachgewiesen. Entscheidend waren die Präzision der angewandten Methoden und der logische Aufbau der Beweisketten unter erstaunlich einfachen Bedingungen in einem nur dürftig ausgestatteten Labor in seinem Wohnhaus.

1880
Tätigkeit beim kaiserlichem Gesundheitsamt in Berlin

1882
entdeckt er den Tuberkelbazillus (Mycobacterium tuberculosis), d.h. den bakteriellen Erreger der damals noch tödlichen Schwindsucht (Tuberkulose), woraufhin eine Diagnose der Erkrankung entscheidend verbessert wurde. Am 24. März 1882 gab Koch die Entdeckung in der Berliner Physiologischen Gesellschaft bekannt. Der 24. März wird von der WHO alljährlich als „Internationaler Tag der Tuberkulose“ begangen und auch „Welt-Tuberkulose-Tag“ genannt.

1883-1884
Leitung der Deutschen Cholera-Expedition anlässlich einer Cholera-Epidemie in Ägypten. Dort fand er Anfang 1884 den Erreger der Cholera. Er fand heraus, dass der Mensch das Bakterium vor allem mit Wasser aufnahm.

1885
wird ihm der Professorentitel verliehen. Die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität gründet das Hygienische Institut und berief Robert Koch als ersten Ordentlichen Professor für Hygiene zu dessen Direktor. Hier wurde die neue medizinische Fachwissenschaft der Bakteriologie ausgebaut. Die Forschungsarbeiten konzentrierten sich vor allem auf die Tuberkulose. Die Zahl der Mitarbeiter und Schüler Robert Kochs mehrte sich; sein Institut – die „Koch´sche Schule“ - wurde zum Zentrum der an der Bakteriologie interessierten Ärzte aus der ganzen Welt. Die wissenschaftlichen Leistungen Robert Kochs und die zunehmende Bedeutung der Bakteriologie zum Ende des 19. Jahrhunderts veranlassten die Preußische Regierung, die Einrichtung eines eigenständigen Instituts für die Erforschung von Infektionskrankheiten zu planen. Gleichzeitig lehrte Koch auch an der Kaiserlich-Preußischen Militärärztlichen Akademie über Mikrobiologie – ein Fach, welches es formell noch gar nicht gab – und wurde führendes Mitglied der veterinärmedizinischen Abteilung.

1890
stellt er auf dem 10. Internationalen Medizinischen Kongress in Berlin das Tuberkulin vor, einen aus Tuberkelbakterien gewonnenen Impfstoff gegen die „Schwindsucht“. Über 5.500 Ärzte besuchten den Kongress. Die Berliner Stadtverordneten ernannten ihn zum 42. Ehrenbürger. Kochs Absicht, ein Therapeutikum oder gar eine Impfung gegen Tuberkulose zu finden, erfüllte
sich mit der Einführung von Tuberkulin nicht. Langzeitheilungen traten nicht ein. Wenn sich auch dieses Mittel - eine Mischung aus Bestandteilen abgetöteter Tuberkelbazillen - als Heilmittel nicht bewährte, wurde es doch schnell ein Diagnostikum zum Nachweis der Tuberkulose-Erkrankung. Doch der Misserfolg wog schwer für Robert Koch: Er bat um seine Entlassung vom Hygiene-Institut sowie von der Universität und forderte das Kultusministerium auf, für ihn ein eigenes Labor zu errichten, in welchem er sich weiterhin und ausschließlich um die Erforschung und Entwicklung des Tuberkulins bemühen wollte. Die Produktion von Tuberkulin übernahm die Meister Lucius & Brüning AG (die spätere Hoechst AG) in Frankfurt/Höchst.

1891
Am 1. Juli wurde eigens für Koch das „Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten” mit einer experimentellen Abteilung (heute Robert-Koch-Institut) und einer Klinischen Abteilung in unmittelbarer Nähe der Charité eröffnet. So vereinte Koch Forschung und Patientenversorgung personell und räumlich. Man übertrug Koch zusätzlich die Leitung des Instituts, dem er bis 1904 vorstand. Seit der Eröffnung am 1. Juli 1891 übernahm das „Koch'sche Institut” wie es schon vor der Einweihung genannt wurde, Aufgaben für Städte und Reichsbehörden. Internationale Anfragen wurden ebenfalls beantwortet, meist waren es Gutachten auf der Grundlage experimenteller Arbeiten.

1892
Die Koch´schen Erkenntnisse der Zusammenhänge von Erreger und Krankheit wurden erstmals bei der Cholera-Epidemie in Hamburg 1892 gezielt umgesetzt, indem der Erreger durch Filtration des Trinkwassers entfernt und damit die Zahl von Neuerkrankungen drastisch reduziert werden konnte.

1893
Scheidung von Emmy Koch und Hochzeit mit Hedwig Freiberg.

1896
Robert und Hedwig Koch reisen von Berlin nach Bulawayo ins heutige Zimbabwe. Die Engländer betrieben dort Landwirtschaft, vor allem  Rinderhaltung. Die aus Europa importierten Tiere erkrankten an verschiedenen Krankheiten, darunter Rinderpest und Maul- und Klauenseuche. Dies war der Ansatzpunkt für Kochs Forschungen. Dort erreicht die Kochs die Nachricht über eine Pestepidemie in Indien und sie brechen nach dorthin über eine umständliche Reiseroute auf, da alle direkten Schiffsverbindungen nach Bombay bereits eingestellt worden waren.

1897
Einige Wochen später kam aus Deutsch-Ostafrika die Mitteilung, dass dort, wahrscheinlich im nördlichen Kisiba-Distrikt, am Viktoriasee, gleichfalls die Pest ausgebrochen war. Robert und Hedwig Koch reisten gegen den Monsun zurück nach Ostafrika. In Dar es Salaam wurden sie erwartet. Diese Kolonie war das größte kaiserlich-deutsche Kolonie. Daher begann Koch mit
Forschungen zur Malaria und zum gefürchteten Schwarzwasser-Fieber, einer lebensbedrohlichen Chinin-Intoleranz, die vor allem Europäer in Ostafrika heimsuchte. Diese Forschungen, die Koch vorzugsweise in Dar es Salaam sowie auf der Versuchsstation Kwai in den westlichen Usambarabergen durchführte, sollten für seine spätere Malaria-Expedition von 1898/99 nach Italien, Java und Neuguinea, wo er für zwei Monate am Krankenhaus in Stephansort forschte, als wichtige Grundlagenforschung dienen.

Das Ocean Road Hospital ist ein Krankenhaus in Dar es Salaam. Es wurde Am 1. Oktober 1897 als kaiserliches Regierungskrankenhaus in der Kolonie Deutsch-Ostafrika eröffnet. Heute ist es die einzige Tumor-Klinik in Tansania. Das Krankenhaus wurde gegründet, um die wachsende Zahl von Europäern in Ostafrika medizinisch zu betreuen. Da die vorhandene Versorgung durch
Missionsstationen unbefriedigend war, wurde ein Regierungskrankenhaus gebaut, an dessen Finanzierung sich der deutsche Kaiser Wilhelm II. mit 20.000 Goldmark aus seiner Privatschatulle beteiligte. Damals wurde das Krankenhaus vorwiegend von Europäern benutzt. Für die einheimische Bevölkerung war das Anfang 1897 eröffnete, mit einer Spende des indischen Kaufmanns Sewa Hadji finanzierte Sewa Hadji Hospital wichtiger; die Patientenzahl dieses Hospitals überstieg die Zahl der Patienten im kaiserlichen Krankenhaus bei weitem. Eine Reihe bedeutender deutscher Ärzte und Wissenschaftler haben am Hospital gearbeitet und geforscht, allen voran Robert Koch, der wiederholt auf seinen Forschungsreisen Gast im Hospital war. Von Juli 1897 bis Mai 1898 forschte er im Krankenhauslabor vorwiegend an Malaria, aber auch an der Surra und dem Texasfieber, zwei Tierseuchen. Ab Januar 1905 forschte er mehrere Monate lang an der
afrikanischen Schlafkrankheit und dem Ostküstenfieber. Auch die DAHW hatte bis Ende der 1990er Jahre ihr Büro im Ocean Road Hospital.

1898
Im Mai kehrt Robert Koch wieder nach Berlin zurück.

1904
Auf eigenen Wunsch scheidet Robert Koch als Direktor seines Instituts aus.

1905
Erst 1905 reiste der Ruheständler Koch wieder nach Deutsch-Ostafrika, in das von Franz Stuhlmann 1902/03 neu gegründete biologisch-landwirtschaftliche Institut in Amani. Es lag in den östlichen Usambarabergen, war in einem Tag von Tanga aus zu erreichen und war damals eines der modernsten Institute seiner Art. Das Amani-Institut sollte, wenn es nach den Vorstellungen der damaligen Kolonialverwaltung ging, den größten botanischen Garten der Welt beherbergen. Doch der Erste Weltkrieg verhinderte die Umsetzung dieser Pläne. Die verschiedenen Laboreinrichtungen in Amani (drei Laboratorien) waren 1905 auf dem modernsten Stand. In Amani befasste sich Koch mit der Erforschung von Trypanosomen, den Erregern der afrikanischen Schlafkrankheit. Doch nicht nur Tsetse-Fliegen waren für Koch interessant. Er baute 1905 nicht nur eine Fliegenzucht sondern auch eine Zucht von Zecken auf, die das sogenannte Rückfallfieber (durch Borrelien ausgelöste Krankheit) übertragen. Dabei leistete ihm Militärarzt Dr. Robert Kudicke (seit Ende 1911 Laborleiter im Regierungskrankenhaus Dar es Salaam) überaus große Hilfe. Kudicke holte 1906 den Sanitätsgefreiten Sacher zu seiner Unterstützung nach Amani. Beide Männer arbeiteten noch 1906 in Amani, als Koch als Leiter der Schlafkrankheitskommission seine dritte Forschungsreise nach Deutsch-Ostafrika unternahm.

Während des Maji-Maji-Aufstand (1905-1907) wich Koch vorzugsweise in die britische Kolonie Uganda (Entebbe und Sese-Inseln) aus. Der Gouverneur von Uganda Sir Heked Bell und sein Berater Dr. Cook hatten Koch schon frühzeitig dorthin eingeladen. Im August 1905, der Maji-Maji-Aufstand tobte an den verschiedensten Stellen der Kolonie, verließ Koch Deutsch-Ostafrika. Er
ging nach Uganda an den Viktoriasee. Dort erhielt er Nachricht über seine Nobelpreisnominierung.

1905
Nobelpreis in Stockholm/Schweden für Medizin und Physiologie für seine Entdeckungen über Tuberkulose.

1906
Koch reist abermals nach Amani. Anschließend reiste er in den Moschi-Bezirk auf deutscher Seite am Viktoriasee, wo er allerdings keine Verseuchung durch die Schlafkrankheit nachweisen konnte. Er und seine Mitarbeiter verlegten ihre Forschungen nach Uganda und Gouverneur Bell wies den Wissenschaftlern die Sese-Inseln als Arbeitsort zu. Schon in Amani hatte Koch den Aufbau eines biochemischen und bakteriologischen Labors in Dar es Salaam angeregt. Doch die Umsetzung seines Vorschlagers ließ lange auf sich warten. Auf der wichtigen Expedition wurde Robert Koch unter anderem von seinem Berliner Assistenten Dr. Friedrich Karl Kleine begleitet, der von 1907 bis 1914 Leiter der Abteilung Schlafkrankheitsbekämpfung in Deutsch-Ostafrika werden sollte.

1907
Die Robert-Koch-Stiftung zur Bekämpfung der Tuberkulose wird ins Leben gerufen.

1910
Am 27. Mai starb Robert Koch während eines Kuraufenthaltes im Sanatorium Dr. Dengler, wohin er sich nach einem schweren Herzanfall im April begeben hatte. Die Urne mit seiner Asche wurde in dem ihm zu Ehren zum Ende des gleichen Jahres errichteten Mausoleum in seinem Institut in Berlin beigesetzt.

Offizielle Einweihung des neu errichteten Mausoleums im Robert-Koch-Institut am 10.12.

1912
Unter Mitwirkung von zwei Schülern Kochs, Prof. Dr. Georg Gaffky und Prof. Dr. Eduard Pfuhl, wurden die Gesammelten Werke Robert Kochs veröffentlicht. Ziel war es seine an zahlreichen, zum Teil schwer zugänglichen Stellen veröffentlichten Aufsätze für die Nachwelt zusammenzufassen. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Vorträge Kochs sind nun über das Internet abrufbar. Die rund 1000 Seiten, die in drei Bänden erschienen sind, wurden gescannt und sind auf dem Publikationsserver des RKI zugänglich. Dieses Vorhaben wurde durchgeführt in Kooperation mit der Humboldt-Universität, Berlin / Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren.

1935-1942
gehörte das „Institut für Infektionskrankheiten Robert Koch” zum Reichsgesundheitsamt. Seinen heutigen Namen trägt das Institut seit dem 1. April 1942, als es zur „Reichsanstalt” wurde.

1939
Sein Leben wird in Deutschland unter dem Titel „Robert Koch – Bekämpfer des Todes“ mit Emil Jannings in der Titelrolle verfilmt. Bei der Biennale di Venezia wurde der Film im gleichen Jahr prämiert.

1945
Nach Ende des II. Weltkrieges wurde das Robert Koch-Institut mit Genehmigung der Alliierten der Gesundheitsadministration der Stadt Berlin zugeordnet, behielt aber einen Sonderstatus dadurch, dass sich die Aufgaben nicht auf Berlin konzentrierten sondern weit darüber hinaus reichten. Mit den politischen Vereinbarungen der Alliierten über Berlin zeichnete sich seit 1948 eine Lösung ab.

1952
wurde das Robert Koch-Institut Bestandteil des Bundesgesundheitsamtes und blieb es bis zur Auflösung dieser Behörde

Seit 1994
ist das Institut als obere Bundesbehörde eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

1998
erfolgte eine umfassende Reorganisation und thematische Fokussierung


Nur einige der vielen Denkmäler und Gedenktafeln:
Büste vor dem Wohnhaus in Clausthal
Gedenktafel in Niemegk
Gedenktafel in der Luisenstraße 57 in Berlin
Berliner Gedenktafel am Kurfürstendamm 52 in Berlin
Statue vor der Berliner Charité von Louis Tuaillon, 1916
Bronzene Erinnerungstafel am National Hospital Muhimbili in Dar es Salaam, Tansania

Denkmal in Wolsztyn anlässlich des 100. Jahrestages der Nobelpreisverleihung, 2005
Denkmal auf den Brijuni-Inseln, Kroatien

Der Robert-Koch-Lesesaal und die Robert-Koch-Bibliothek befinden sich heute im Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Charité in der Humboldt-Universität zu Berlin.


Robert Koch, HIV/Aids und Resistenzen

100. Todestag - Robert Koch - heute noch aktuell


Fragen an Dr. Chris Schmotzer zu Robert Koch und zur Tuberkulose

Fragen an Dr. Singh, Medizinischer Berater der DAHW in Indien zu Robert Koch

Fragen an Dr. Joseph Ngozi Chukwu, Medizinischer Berater der DAHW in Nigeria zu Robert Koch


Informationen rund um den Welt-Tuberkulose-Tag

Informationen und Hintergründe zum Welt-Tuberkulose-Tag
DAHW: Zahlen, Daten, Fakten

Informationen und Hintergründe zum Welt-Tuberkulose-Tag
Tuberkulose: Zahlen, Daten und Fakten

Reportage zum Welt-Tuberkulose-Tag: Den Tod vor Augen
Eine ganze Familie aus Rawalpindi / Pakistan von Tuberkulose bedroht


Hier können Sie die Bilder zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24.März downloaden




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