Uganda: Schulprojekt in Kitgum

Uganda: Unsere erste Sorge sind die Kinder - Pater Joseph Gerner aus Uganda.

"Unsere erste Sorge sind die Kinder!" Pater Joseph Gerner


Pater Joseph Gerner hat für Sie einen Brief aus Uganda geschrieben:

Sie können sich kaum vorstellen, wie froh ich war, als ich im letzten Jahr die Zusage der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) erhielt: Endlich konnten wir mit dem Bau der Schule – mit Klassenräumen und Schlafplätzen – beginnen. Und das Projekt läuft.

20 Jahre hatten wir Krieg; bis zu 30.000 Kinder wurden von den Rebellen der Lord-Resistance-Army (LRA) entführt. Es waren schlimme, arge Jahre. Ich selbst habe es elf Jahre in Kitgum miterlebt. 2002 war besonders schlimm. In wenigen Tagen suchten 800 bis 900 Kinder sicheren Unterschlupf. Jahrelang waren sie bei uns; wir in ständiger Angst vor Angriffen und Massenentführung. Gott sei Dank: Alle haben überlebt; nicht ein Kind ging uns verloren. Gottes Hand!

Aber gleichzeitig galt es, für die Erziehung und Ausbildung der Kinder zu sorgen. Im Volksschulalter versuchten wir sie in diesen Massenschulen unterzubringen. Für einige Hundert bezahlen wir auch die Schulgebühren für weiterbildende Schulen. Doch die bestmögliche Lösung war freilich eine eigene Schule. Und jetzt werden bald 400 Kinder in die neue Schule einziehen können – arme, kriegsgeschädigte und Rückkehrerkinder.

Das Schulgebäude ist für uns und die Kinder einfach großartig. Inzwischen stehen alle Klassenzimmer und die Schlafräume für Jungs und Mädels. Küche und Waschräume müssen jetzt in Angriff genommen werden. Vergangene Woche wurden zwei Brunnen gebohrt mit viel gutem Wasser. Ein Geschenk des Himmels in unserem Trockengebiet.

Seit fast einem Jahr herrscht Waffenruhe, wir sind wie im Himmel!

Doch jetzt werden die schlimmen Folgen dieser Wahnsinnsjahre bitter spürbar. Die Jugend hat Schlimmes durchgemacht: Entführungen, Gewalt, Morde (wie oft wurden erst 10-jährige Kinder zum Töten gezwungen!). Dann lange Jahre ein Leben in Massenlagern von 20.000 bis über 60.000 Menschen.

Das hat enorme Folgen. Diese Woche hatten wir 440 Kinder auf der Station. Eine Psychotherapeutin hat böse Dinge festgestellt: Viele, viele Fälle von Epilepsie; unzählige Kinder werden von nächtlichen Albträumen von ihren unmenschlichen Erlebnissen geplagt; Waisenkinder (Kriegs- oder Aidswaisen) haben Niemanden mehr, der für sie sorgt.

Die Konsequenzen dieser Horrorzeit können nicht schnell aufgearbeitet werden. Es wird lange dauern, bis die Wunden vernarben. Mich erbarmt der Kinder und Mütter! Die Schule ist ein Weg, solchen Kindern eine neue Vision im Leben zu eröffnen. Erstaunlich, wie die meisten wirklich entschlossen einsteigen.

Die Kinder von Kitgurm.

In elf Jahren habe ich so viele Kinderschicksale miterlebt und miterlitten. Jedes Gesicht in der Schule lässt erschütternde Erfahrungen dieser Kinder aufleben. Ich habe sie in mein Herz geschlossen. Und wenn sie immer wieder völlig ausscheren, wen nimmt das Wunder. Hätte ich solche Zeiten als Kind überlebt?

Schauen Sie, mit Ihrer Hilfe wird unsere Sorge für die Kinder sehr greifbar und praktisch. In die Schule gehen kostet Geld (zuviel für unsere Verhältnisse). Klar, ohne Geld kann ich den Kindern zwar Sympathie und Wohlwollen schenken; mit Geld aber wird der Weg frei für konkrete Schritte in eine neue Zukunft.

Die Frage wurde gestellt (in Deutschland wird sie immer wieder gestellt): "Wie gehen Sie persönlich mit dem Wahnsinn um?“ Ganz einfach: Man lebt mit, leidet mit, weint mit und freut sich mit den Menschen.

Bei allem sei gesagt: Erstaunlich wie so viele immer noch lachen! Das ist heilsam! Und ich glaube an Gott und die Menschen!

Viele der Menschen hier haben mir geholfen, wirklich, echt und menschlich zu glauben. Es war ein besonderes Privileg, in diesen Jahren hier sein zu dürfen, und wir sind voll angenommen! Sie mögen uns!

Wir sind an einer Wende. Die Waffen schweigen, wir bewegen uns frei; viele verlassen die hässlichen Lager und bauen neu auf vom Nichts. Eine neue Zukunft ist in Sicht!

Ihre Spende hilft den Kindern bei den ersten Schritten in eine bessere Zukunft.

Herzlichen Dank, Grüße allerseits und Gottes guten Segen!

Ihr

Pater Joseph Gerner


Dank Ihrer Spenden ist das Schulprojekt in Kitgum gesichert!

Der Schulbau dort ist ein Zusatzprojekt im Distrikt von Kitgum, das wir auf Bitten unserer Partner mit einem Sonderspendenaufruf finanzieren konnten.

Pater Joseph Gerner in Uganda Kitgum

-> Weitere Spenden für Uganda benötigt

Für unsere medizinischen und sozialen Projekte in Uganda benötigen wir 2007 insgesamt 889.495,- Euro, um die Behandlung der Lepra- und Tuberkulosekranken, die Beratung von Aids/TB-Patienten sowie die soziale Hilfe für ehemalige Patienten zu finanzieren.  

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