Extreme Schmerzen durch Lepra

Lepra verstuemmelt die Aermsten. Das darf nicht sein

Wir sprachen mit Pieter de Koning, dem medizinischen Berater der DAHW, über sogenannte Lepra-Reaktionen. Bei diesen Reaktionen im Körper können Lepra-Kranke - entgegen der weitverbreiteten Meinung, Lepra sei schmerzfrei - furchtbare Schmerzen erleiden.


Pieter de Koning geht davon aus, dass rund die Hälfte aller Patienten sogenannte „Lepra-Reaktionen“ haben, von denen einige sehr heftig sein können. Damit sind Reaktionen des Immunsystems auf die abgetöteten Leprabakterien gemeint. Entweder durch die Einnahme der zur Heilung notwendigen Antibiotika, oder durch ein gutes Immunsystem werden eine große Zahl von Leprabakterien im Körper abgetötet. Die im Körper schwebenden toten Zellkörper werden vom Immunsystem des Menschen als Fremdkörper erkannt und bekämpft. Diese Autoimmunreaktion des Körpers kann massiv die Nerven beeinträchtigen.

Dabei kommt es von Zeit zu Zeit zu fiebrigen Reaktionen in den betroffenen Gliedmaßen, und Nerven werden regelrecht eingequetscht. „Jeder kann sich vorstellen, wie extrem weh das tut“, sagt Pieter de Koning, und verweist dabei auf die empfindliche Stelle des „Nervus ulnaris“ am Ellenbogen (auch „Mäuschen“ oder „Musikantenknochen“ genannt). Man solle sich den heftigen Schmerz, den man spürt, wenn man ihn versehentlich anstößt, kontinuierlich vorstellen.

„Ich habe Patienten in unserem Krankenhaus in Nigeria erlebt, die schreiend vor Schmerzen herumgesprungen sind und unfähig waren, zur Ruhe zu kommen!“ so der Mediziner.

Abhilfe schafft die tägliche Einnahme von Kortisonen (Prednisolone) über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Patienten müssen während der Behandlung mindestens einmal in der Woche untersucht werden. Je nach Reaktion des Körpers werden die Prednisolone dann schrittweise herunterdosiert.

deKoning_123x163

Pieter de Koning ist ein Allgemeinmediziner aus den Niederlanden. Bereits seit 1989 war er als Arzt in Übersee tätig. Nachdem er zunächst in Südamerika arbeitete, ging er 1992 nach Nigeria und spezialisierte sich auf die Leprabehandlung. Dort war er unter anderem Chefarzt in einem Lepra- und Tuberkulose-Krankenhaus und einige Jahre im Staatlichen Lepra- und Tuberkuloseprogramm von Nigeria für die Kontrolle beider Krankheiten zuständig.

 


Pressemeldung und Informationen zum Welt-Lepra-Tag 2009