Von der Wiege der Menschheit zum Armenhaus der Welt

Ernst Hisch, Projektreferent bei der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe

Interview: Wie wir den Menschen helfen können, ihr Land wieder aufzubauen


Äthiopien war früher bekannt für sagenhaften Reichtum, heute ist es eines der ärmsten Länder der Welt.
Wir haben Ernst Hisch, Projektreferent für Äthiopien
der DAHW, nach den Gründen dafür befragt:

Ernst Hisch: Die fruchtbaren Böden waren der Quell des Reichtums, doch staatliche Misswirtschaft und Umweltsünden haben dafür gesorgt, dass sich dieses Land heute nicht mal selbst ernähren kann. Viele ehemals fruchtbare Landstriche sind durch Raubbau an der Natur verödet. Der letzte verbliebene Reichtum, der ausgezeichnete Kaffee aus dem Hochland, wird dem Land derzeit von einigen großen Konzernen entwendet.

Wie müssen wir das verstehen? – In Deutschland wird Kaffee immer teurer.

Ernst Hisch: Es geht bei diesen Konzernen doch um Gewinne und nicht um Menschlichkeit. Den Kunden in Deutschland wird erzählt, wegen der gestiegenen Energiekosten müssten die Preise erhöht werden. Den Kaffeebauern in Äthiopien erzählen die gleichen Konzerne, dass wegen der Energiekosten die Preise im Einkauf reduziert werden müssten. Der einzige Ausweg ist fair gehandelter Kaffee, hier bekommen die Kaffeebauern noch einen realistischen Preis und können damit auch ihre Familien ernähren.

Warum sind Projekte wie Berufsausbildung in Bisidimo so wichtig?

Ernst Hisch: Wir können dieses Land doch nicht für alle Zeiten an den Tropf hängen – irgendwann müssen sich die Menschen auch selbst helfen können, ihre eigene Zukunft meistern und die ihres Landes. Ohne Ausbildung gibt es keine Zukunft, und jetzt – nach 30 Jahren Bürgerkrieg und mit annähernd demokratischen Strukturen – haben wir die Chance, den Menschen diese Perspektive zu geben.

Ist die Gefahr gebannt oder kann ein neuer Krieg wieder alles zerstören?

Ernst Hisch: Mit Kriegsgefahr werden wir in dieser Region wohl noch lange leben müssen. Aber die Mitarbeiter der DAHW arbeiten bereits seit 50 Jahren ohne Unterbrechung in Äthiopien – trotz aller Bürgerkriege und Diktatoren. Wir werden dies auch weiterhin so halten und garantieren damit, dass die bislang geleistete Hilfe nicht vergeblich war.

In der Hoffnung, dass der Frieden hält: wie sieht die Zukunft Äthiopiens aus?

Ernst Hisch: Die Zukunft des Landes hängt am Wasser! Einfach nur Brunnen bohren oder Wasserleitungen bauen reicht aber nicht aus. Damit diese Dinge auch langfristig funktionieren, brauchen wir gut ausgebildete Menschen. Dafür gibt es die Ausbildung inBisidimo. Auch der sparsame Umgang mit der wichtigen Ressource Wasser wird dabei vermittelt.

Gibt es neben medizinischer Hilfe und Ausbildung noch mehr Unterstützung?

Ernst Hisch: Wir geben den Menschen in Äthiopien eine Starthilfe: Die Ausbildung ist ein Teil, ein weiterer sind Kleinkredite – dieses System funktioniert ähnlich wie der Marshall-Plan nach dem Krieg in Deutschland. Viele tausend Menschen konnten damit ein kleines Unternehmen gründen, fast alle Darlehen wurden auf Heller und Pfennig zurück gezahlt, und viele Gründer haben inzwischen neue Arbeitsplätze geschaffen. So können die Menschen ihr eigenes Land selbst wieder aufbauen. Besonders von Lepra betroffene Menschen, die ansonsten überhaupt keine Chance gehabt hätten, bekommen diese Starthilfe  – und sie sind besonders engagiert beim Wiederaufbau.

 

 

 


 

 

 

 


-> Eine Chance auf Leben - Berufsausbildung für Lepra betroffenen Jugendliche

-> Bisidmo  - Keimzelle der Hilfe

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-> Änderungen im Gesetz - Vorteile für Spender

-> Spenden statt Geschenke - DAHW-Aktion kommt gut an

-> Texte für den Gottesdienst


In 50 Jahren wurden in Bisidimo mehr als 2,7 Mio. Patienten behandelt. Die Kleinstadt hat heute 10.000 Einwohner und ist im ganzen Land bekannt – als Heilzentrum für Lepra und
Tuberkulose sowie als Ausbildungsstätte für Mechaniker, Elektriker oder Pflegeberufe.

Hilfe, die sich sehen lassen kann:

Das Berufsausbildungszentrum in Äthiopien

Das von der DAHW geförderte Berufsausbildungszentrum in Bisidimo können Sie sich auch als Film ansehen.

Auf der Internetseite der DAHW steht die zweiminütige Reportage zum ansehen bereit. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich:

-> www.dahw.de/film

Spendensiegel bürgt

DZI Spendensiegel Die Deutsche Lepra- und Tubekulosehilfe (DAHW) geht verantwortungsvoll mit ihren Geld um. Dafür bürgt das "Spendensiegel" das uns jedes Jahr wieder vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin zuerkannt wird.