Zweite Siechenkirmes in Münster-Kinderhaus

Der lettische Mühlentanz. Foto: Viktors Kangeris, mit freundlicher Genehmigung

Der lettische Mühlentanz. Foto: Viktors Kangeris, mit freundlicher Genehmigung

Am Samstag, den 3. September, fand auf dem Kirchhof St. Josef in Kinderhaus die Zweite Siechenkirmes statt. Sie erinnerte an die Eröffnung des örtlichen Lepramuseums vor 30 Jahren und knüpfte in ihrer Form an Kirchweihfeste der Leprakranken in der Zeit um 1600 an. Veranstalter war die Gesellschaft für Leprakunde e. V., die Bürgervereinigung Kinderhaus e.V. sowie das Büro der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Münster. Sie wollten die Leprageschichte bewusst machen und zugleich darauf hinweisen, dass die Lepra noch nicht überwunden ist.


Mittelalterliche Buden rund um die Kirche boten neben Köstlichkeiten für Leib und Seele auch einige handwerkliche Dinge an: Glaskunst, Drechselarbeiten, Körbe, Gewürze – nur um einige zu nennen. Daneben wurden einige Attraktionen geboten: Ein Balladenerzähler trat auf, es gab Planwagenfahrten zum Gut Kinderhaus, eine Mittelaltertanzgruppe vom Hochschulsport der Universität führte Reigentänze auf, eine Lepröse von 1616 trat auf und erzählte ihre Geschichte, es gab Einblicke ins Wollfärben und Anleitung zum Töpfern, fair gehandelte Waren und Obst vom Gut Kinderhaus waren wohlfeil. Am Nachmittag kamen Gäste vom Lettischen Centrum Münster, welches auch in Kinderhaus liegt. Eine Kindertanzgruppe führte lettische Volkstänze auf, ein Chor sang dazu.

Viele Ehrenamtliche setzten sich ein, damit alles rund lief und die Besucher gut versorgt waren. Aus Bad Laer waren die ehrenamtlichen Waffelbäckerinnen der DAHW angereist, Ehrenamtliche aus Münster und Sprakel haben Kuchen gebacken und unseren Infostand betreut, Helfer aus Nordwalde kümmerten sich um unseren Würstchengrillstand, die Leiterin der Ehrenamtsgruppe aus Iserlohn-Letmathe war angereist und hat geholfen, Kuchen und Kaffee zu verkaufen.


Dr. Ralf Klötzer, der Vorsitzende der Gesellschaft für Leprakunde, eröffnete als Marktvogt die Siechenkirmes und unterhielt mit spannenden Erzählungen und fundiertem Hintergrundwissen über die Zeit vor 400 Jahren, als noch die Ratsherren der Stadt Münster zur Kinderhauser Kirchweihfeier zu kommen pflegten, um ihre Nähe zu den Kranken zu bekunden und zu zeigen, dass diese nicht vergessen waren.

Für alle Beteiligten wurde es ein langer Tag, ihm folgte sogleich die Nacht der Museen, bei der das Heimat- und das Lepramuseum bis Mitternacht geöffnet waren. Die Mitarbeiter des DAHW-Büros Münster sind dankbar für diese beiden Kooperationspartner, mit denen zusammen die Siechenkirmes eine gelungene Veranstaltung geworden ist.

Für die Dritte Siechenkirmes, die in zwei Jahren geplant wird, hoffen die Veranstalter auf größeres Publikumsinteresse und weniger konkurrierende Veranstaltungen; an diesem Wochenende hatte als Publikumsmagnet der lokale Rundfunksender mit seinem 25-jährigen Jubiläum viel Aufmerksamkeit von Stadtvertretern, Münsteranern und Gästen auf sich gezogen.