Manfred Göbel - Ein Leben für die Kranken
Manfred Göbel setzt sich seit 30 Jahren in Brasilien für Arme und Kranke ein. Am 29. Mai 1979 flog der Krankenpfleger von München nach Brasilien, um dort in Zukunft für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe zu arbeiten. Ein Flug, der sein Leben radikal veränderte.
Furcht und Ekel überwunden
Eine seiner ersten Begegnungen mit einem Leprakranken war für Manfred Göbel ein Schock. Der deutsche Krankenpfleger suchte in Brasilien einen Mann namens Lazarus auf, der ausgestoßen in einer ärmlichen Hütte lebte. Manfred Göbel wollte ihm helfen, doch mit diesem Elend hatte er nicht gerechnet: Das Bein des Kranken war eine einzige schwärende Wunde, aus der Würmer krochen. Manfred Göbel übergab sich und flüchtete. Nach einer schlaflosen Nacht überwand er jedoch Furcht und Ekel und kehrte zurück. Er verband die Wunde und besorgte Lazarus ein Bett im 500 Kilometer entfernten Spital. Zwar musste dem Kranken ein Bein amputiert werden, aber ein Fortschreiten der Lepra wurde verhindert. Dankbar sagte Lazarus später zu dem deutschen Entwicklungshelfer: „Du hast mir ein neues Leben geschenkt.“
Tausenden Patienten geholfen
Begeisterung liegt in Manfred Göbels Stimme, wenn er von dem Erlebnis erzählt. „Ich bin glücklich über jeden, dem ich helfen kann.“ Seit seiner Jugend im bayerischen Eichstätt, wo er 1953 geboren wurde, wollte er sich für die Armen in der „Dritten Welt“ einsetzen. 1979 ging er nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger im Auftrag der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe nach Brasilien, wo er seitdem Tausenden von Patienten beistehen konnte.
Ehrenbürger von Mato Grosso
Manfred Göbel, der mit der brasilianischen Lepra-Ärztin Marisa Göbel verheiratet ist und mit ihr zwei Kinder hat, ist einer von drei Koordinatoren der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe in Brasilien. Er organisiert im Westen des Landes die Unterstützung des Hilfswerks für die Leprakranken. Vor einigen Jahren kam auch die Hilfe für TB-Patienten hinzu. Von seinem Büro in Cuiaba aus beginnt er seine wochenlangen Inspektionsreisen durch die Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul – ein Gebiet, viermal so groß wie Deutschland. Für seinen Einsatz wurde er zum „Ehrenbürger von Mato Grosso“ ernannt.
Kampf gegen Ausgrenzung
Seine Aufgaben sind vielseitig. Er kontrolliert, ob die Lepra- und TB-Kranken regelmäßig ihre Medikamente erhalten. Er kümmert sich darum, dass Patienten mit empfindungslosen oder verkrüppelten Füßen orthopädische Schuhe angepasst werden. Und er sorgt für die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, damit sie Leprakranke frühzeitig erkennen und behandeln. Selbst in den abgelegensten Indianer-Reservaten setzt er sich dafür ein, dass Kranke betreut werden. Als Landesbeauftragter des Kolpingwerks Manfred Göbel arbeitet eng mit dem Kolpingwerk Mato Grosso zusammen. Viele der ehemaligen Patienten erhalten in brasilianischen Kolpingwerkstätten eine Berufsausbildung und finden so wieder einen Platz in der Gesellschaft.
Morddrohungen
Tausende von Kilometern legt Manfred Göbel in seinem Wagen jährlich zurück. Durch die Fahrten auf mit Schlaglöchern übersäten Straßen leidet er mittlerweile an einem Bandscheibenschaden. Doch in Brasiliens „Wildem Westen“, wie Manfred Göbel die Region nennt, lauern noch ganz andere Gefahren: Er gerät als Entwicklungshelfer immer wieder in Konflikte zwischen Politikern, Landlosen, Großgrundbesitzern, Gangstern und Indianern. Die Gefahr einer Geiselnahme besteht immer. Selbst Morddrohungen von lokalen Machthabern, denen seine Hilfe für die Armen ein Dorn im Auge ist, hat er erlebt. „Manchmal, wenn die Probleme zu viel wurden, hatte ich Lust aufzugeben“, bekennt er. Doch dann denkt er an jenen Leprakranken in der Hütte, den er retten konnte – und gewinnt neue Kraft für seine Arbeit.
"Jeder kann ein Retter sein. Sie in Deutschland, ich in Brasilien"
sagt Manfred Göbel
Ursprünglich wollte er nur ein Jahr in Brasilien bleiben. Nach inzwischen 30 Jahren ist das Land jedoch sein Lebensmittelpunkt geworden. Trotzdem hat er den Kontakt zu seiner Heimat Eichstätt nie verloren, wie er während seiner Deutschlandtour im April 2010 in einem spannenden Radiointerview mit Kristina Döhl auf Radio in berichtet:
Radiointerview mit DAHW-Repräsentant Manfred Göbel über seine Lepra-Arbeit in Brasilien





