Jahresbericht 1999
Lepra- und Tuberkulosearbeit -
Mehr als nur Medikamente...
... ist ein wichtiger Grundsatz der Arbeit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe Denn die Patienten "nur" zu heilen, hilft ihnen nicht, vom Rande der Gesellschaft wegzukommen und dauerhaft ein menschenwürdigeres Leben zu führen. Unabdingbar dazu gehört die Wiedereingliederung der Menschen in ihre Familien und ein Neuanfang im Berufsleben.
Soziale und ökonomische Rehabilitation - Starthilfe in ein menschenwürdigeres Leben: Im Fachiargon heißt es "SER" - Social and Economic Rehabilitation -und bedeutet für unsere Projekte folgendes:
Arbeitsplätze schaffen
Geheilte Leprapatienten erlernen einen Beruf und/oder erhalten ein Kleindarlehen, um sich selbstständig zu machen. Das reicht vom Teestand, der Schuhmacher-und Reifenflickwerkstatt, über den Webstuhl, Land- und Gartenbau bis zu Vieh- und Kleintierzucht. Das Existenzgründungskapital ist kein Geschenk, sondern wird in Raten zurückgezahlt.
Hausbau unterstützen
Menschenunwürdige und krank-machende Wohnverhältnisse sind Ursachen für viele Krank-heiten, auch für Lepra. die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. hilft Familien, bescheide-ne Ein- oder Zwei-Zimmerhäus-chen zu bauen.
Schule und Ausbildung fördern
die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. fördert Schulbesuche leprakranker Kinder oder von Kindern aus betroffenen Familien. In Lehrwerkstätten wird Jugendlichen eine Handwerkerausbildung vermittelt. Ein Werkzeugkasten oder eine Nähmaschine kann die berufliche Existenz bedeuten.
POD - Vorbeugen ist besser als heilen (Prevention of Disabilities)
Damit es erst gar nicht zu den furchtbaren Verkrüppelungen kommt, setzt die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. auf Aufklärungsarbeit und Früherkennung. Zum einen soll das Verstehen der Krankheit gefördert werden (Lepra ist heilbar) und zum anderen die Notwendigkeit vermittelt werden, sich frühzeitig in Behandlung zu begeben, um sich ein schlimmes Schicksal und eine spätere Rehabilitation zu ersparen. Dazu werden Kampagnen an Schulen, im Radio, bei Jugendtreffs und Untersuchungen durchgeführt und ansprechendes Informationsmaterial verteilt (z.B. in Form von Cotnics).
Tuberkulose der schleichende Tod
die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. hat sich in Deutschland zu einem der führenden Hilfswerke entwickelt, das sich dem Kampf gegen die TB verschrieben hat. In 17 Ländern kombiniert die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. die Lepra und Tuberkulosehilfe. Die Zeit drängt, denn die Krankheit bildet Resistenzen und Multiresistenzen aus. Die menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieser Krankheit sind immens. "Nehmen wir das Beispiel Indien: Mehr als 300.000 Kinder sind jedes Jahr gezwungen, die Schule zu verlassen, weil ihre Eltern tuberkulosekrank sind. Mehr als 100.000 Frauen werden jedes Jahr wegen des sozialen Stigmas aus der Familie vertrieben." (Dr. Gro Harlem Brundtland, WHO-Direktorin)
Multiresistenzen
Eine erhebliche Gefahr geht von den sich neu ausbildenden multiresistenten Stämmen der TB-Erreger aus. Die Krankheit wird unbehandelbar. Es muss deshalb schnell gehandelt werden. Wenn auch die reichen Länder des Nordens mit dem Problem finanziell fertig werden können, so fehlen den am meisten betroffenen armen Ländern des Südens die Mittel, diese Krankheit schnell und effektiv zu bekämpfen.
Zahlen
Noch immer sterben jedes Jahr drei Millionen Menschen an dieser heilbaren Krankheit, acht Millio-nen Menschen erkranken jedes Jahr, ein Drittel der Weltbevölke-rung ist bereits infiziert. die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. kann nicht alleine han-dein. Auf Weltniveau sind Regierungen genauso gefordert wie die Nichtregierungsorganisationen.





