Jahresbericht 2003

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Das haben wir mit Ihren Spenden erreicht!

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat im vergangenen Jahr 343 Projekte in 44 Ländern mit einem Betrag von 11.562.530,24 Euro unterstützt. Für 15 spezielle Projekte wurden zusätzlich noch 225.998,48 Euro bereitgestellt, so dass sich eine Gesamtfördersumme
von 11.788.528,72 Euro ergab.

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Das Hilfswerk leistete Unterstützung in Krisengebieten, begann die gemeinsame Behandlung von Aids und TB und gab sich einen neuen Namen. Aber auch die Tradition der Lepra-Bekämpfung wurde weiterhin groß geschrieben.

Das Jahr 2003 begann für die weltweit größte Lepra-Hilfsorganisation mit einer wichtigen und zugleich markanten Veränderung: Aus dem Deutschen Aussätzigen-Hilfswerk wurde die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Nach 14 Jahren TB-Arbeit wurde damit diesem zweiten Aufgabenschwerpunkt auch im Namen Rechnung getragen. Prominente halfen, ihn bekannt zu machen: So übernahm Johannes Rau als Bundespräsident die Schirmherrschaft der Namensänderung. Eine breite Öffentlichkeit verfolgte im Januar den Schritt aufmerksam.

Hilfe für den Sudan
Der zweite Schwerpunkt spiegelt sich in vielen Hilfsmaßnahmen wider. Im Senegal wurde im Jahr 2003 zum Beispiel die TB- mit der Lepra-Arbeit kombiniert. Im Süden des Sudan begann das Hilfswerk zudem in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ein Lepra- TB-Kontrollprogramm auf regionaler Ebene: Der Bezirk Torit, der im Rebellengebiet liegt, konnte seit vielen Jahren wegen des Bürgerkriegs nicht mehr medizinisch versorgt werden. Die neue Hilfsmaßnahme trägt nun zu einer besseren medizinischen Versorgung im Südsudan bei.

Um TB einzudämmen, ist die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe konsequent neue Wege gegangen: Seit Ende 2003 werden im Hospital "Gremaltes" im indischen Madras die Seuchen Aids und TB gemeinsam bekämpft. Im Laufe diesen Jahres werden drei weitere Projekte in afrikanischen Hospitälern hinzukommen. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe reagiert damit auf die tödliche Verbindung, die die beiden Krankheiten eingegangen sind.

In Afrika sterben bis zu einem Drittel aller Aidskranken an TB. Ihr Immunsystem ist zu schwach, um die TB-Bazillen in Schach zu halten. In den Pilotprojekten erhalten die TB-Kranken Informationen über Ansteckungsgefahren und Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem wird ein freiwilliger HIV-Test angeboten, denn bislang konnten die Ärzte oft nur vermuten, dass ihre TB-Patienten auch aidskrank sind. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hofft, dass das Beispiel Schule macht und andere Staaten und Hilfsorganisationen ähnliche Projekte einrichten.

 

Lepraarbeit verstärkt
Neben all diesen Entwicklungen hat das Hilfswerk auch seine Lepra-Arbeit in vielen Ländern intensiviert: So konnten die Kontrollen in Hazara Jat in Afghanistan, die während des letzten Krieges eingestellt werden mussten, wieder aufgenommen werden. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe übernahm in Brasilien für drei Jahre eine Schlüsselfunktion: Sie stimmt nun die Arbeit der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP) und der nationalen Gesundheitsbehörden aufeinander ab. Eine wichtige Aufgabe in dem südamerikanischen Land, das mit 40.000 Patienten die zweithöchste Lepra-Neuerkrankungsrate der Welt aufweist.

In Indien, wo jährlich Hunderttausende von Menschen an Lepra erkranken, fuhr die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe damit fort, neue Akzente zu setzen: Das Hilfswerk erhöhte die Zahl der mobilen Spezialistenteams um vier auf jetzt 24. Die Teams unterstützen den staatlichen Gesundheitsdienst. Sie bilden seine Mitarbeiter in Lepra-Arbeit aus und beraten und kontrollieren sie. Die Gesundheitshelfer in der "Dritten Welt" können künftig auf ein Handbuch zurückgreifen, das einen einfach erklärten Leitfaden der Sozialarbeit mit behinderten oder ausgegrenzten Patienten darstellt. Das Buch wird unter Federführung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe erstellt. 20 Fachleute aus verschiedenen Ländern kamen im Oktober 2003 zu einem internationalen DAHW- und ILEP Workshop nach Würzburg, um den Inhalt zu erarbeiten.

Bruder Schneider gestorben
Für die Kontinuität der DAHW-Projekte in Afrika steht die orthopädische Werkstatt für behinderte Leprapatienten in Sierra Leone. Der Franziskaner-Mönch Xaver Alois Schneider hatte sie vor 30 Jahren in der Stadt Makeni mit großem persönlichen Einsatz und mit Unterstützung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe aufgebaut. Bruder Schneider starb 2003 im Alter von 73 Jahren. Doch seine Hilfe wirkt weiter. Die technische Leitung der Werkstatt übernahm Victor Sesay, ein von Bruder Schneider  ausgebildeter Mitarbeiter. Rebellen hatten die Werkstatt während des Bürgerkrieges in den 90-er Jahren zerstört, Bruder Schneider baute sie darauf in der Hauptstadt Freetown neu auf. Dank der politischen Stabilisierung des Landes konnte sie 2003 wieder an dem zentralen Standort Makeni eingerichtet werden.

45 Jahre Bisidimo
Eine große Jubiläumsfeier stand 2003 im äthiopischen Bisidimo auf dem Programm: Das älteste Projekt der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe blickte auf 45 Jahre Einsatz für Kranke und Ausgestoßene zurück. Das Jubiläum war ein großes Ereignis in Äthiopien: Das Fernsehen berichtete in den Abend-Nachrichten über die Feier, und der äthiopische Staatspräsident Girma Wolde Giorgis traf sich mit dem DAHW-Präsidenten Dr. Horst Frank, der ihn über die neuen Entwicklungen in der Lepra-Arbeit informierte. Im Herbst besuchte auch Dr. Norbert Blüm Bisidimo. Der ehemalige deutsche Minister sprach mit Ärzten und ließ sich von einst  ausgestoßenen berichten, wie sie mit Unterstützung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe wieder einen Platz in der Gesellschaft erhalten haben. Er wollte mit seinem Besuch unterstreichen, dass die Leprakranken Hilfe brauchen: "Sie sind angewiesen auf öffentliche Aufmerksamkeit", sagte er. 

Ruth Pfau für Lebenswerk ausgezeichnet
Einen Teil jener Öffentlichkeit, die Norbert Blüm einforderte, stellte Ruth Pfau her, als sie 2003 zu einer Vortragstour nach Deutschland kam. Die engagierte Ordensfrau und Ärztin berichtete an vielen Orten von ihrer Arbeit, die sie seit über 40 Jahren leistet. Gemeinsam mit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe hat sie mit viel Mut und Engagement wesentlich dazu beigetragen, Lepra in Pakistan unter Kontrolle zu bringen. Für ihr Lebenswerk wurde Ruth Pfau am 10. Mai 2003 in München mit dem Itzel-Preis geehrt, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Die Auszeichnung gilt Persönlichkeiten, die sich in christlicher Humanität für ihre Mitmenschen  einsetzen. Das Geld kommt der Ruth-Pfau-Stiftung zugute, die ihre Erträge in vollem Umfang dem Ausbau des Lepra- und Tuberkuloseprogramms in Pakistan zur Verfügung stellt.

Ehrenamtliche radeln für den guten Zweck
Erfolgreich waren auch die ehrenamtlichen DAHW-Mitarbeiter. Die rund 2500 freiwilligen Helfer veranstalteten unzählige Basare, Weihnachtsmärkte, Konzerte und viele andere Aktionen, um Spenden zugunsten von Kranken und Ausgestoßenen zu sammeln. Die stolze Summe von 2,2 Millionen Euro kam so zusammen ein Fünftel aller Spenden, die 2003 an die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe gingen. Eine neue und in mehreren Bundesländern erfolgreiche Aktion der ehrenamtlichen Mitarbeiter waren die "Pedalen" "Fahrradtouren", mit denen sie um Hilfe für Kranke und Ausgestoßene warben. Als Ehrengast nahm auch Ahmed Mohammed, DAHW-Repräsentant in Äthiopien, an einigen "Pedalen" teil. Groß und Klein waren eingeladen, auf ihren Fahrrädern mitzufahren. Spenden waren natürlich willkommen, um die Arbeit der Deutschen Lepra- und  Tuberkulosehilfe in der "Dritten Welt"; zu ermöglichen.