Jahresbericht 2005

Titel_264_bauerdick

Die DAHW hat im vergangenen Jahr 338 Projekte in 40 Ländern mit einem Betrag von über 13,6 Mio. Euro finanziert. Zusammen mit neun länderübergreifenden Projekten (wie zum Beispiel Schulungen in der Lepra-Arbeit) ergab sich eine Gesamtfördersumme von exakt 13.973.412,76 Euro.

Weltkarte Länderinformatione

Die DAHW hat im Jahr 2005 ihre Tuberkulose- und Lepra-Arbeit weiter vorangetrieben und dabei neue Akzente gesetzt: So wurden zum Beispiel Gesundheitsdienste in Slums aufgebaut, eine Medikamenten-Therapie für HIV-infizierte TB-Patienten gefördert und aus Lepradörfern gleichberechtigte Gemeinden gemacht.

Kinder_264_meissner
Die DAHW will die Bewohner der Elendsviertel von Neu Delhi vor Tuberkulose schützen. Foto: DAHW / Ursula Meissner

Projekte in Slums
Tuberkulose (TB) ist besonders in den engen und dreckigen Slums der „Dritten Welt“ verbreitet. Im Jahr 2005 hat die DAHW in den Millionenmetropolen Neu Delhi und Rio de Janeiro Projekte begonnen, mit denen sie dort die schlimmste Not mildern will. In einem Viertel mit hunderttausend Einwohnern in Neu Delhi ist es zum Beispiel unser erklärtes Ziel, auch die Kranken zu retten, denen bislang von den staatlichen Gesundheitszentren aus nicht oder unzureichend geholfen werden konnte.

Die Gesundheitszentren liegen oft weit entfernt von den Wohnungen der Patienten. Viele Kranke scheuen deswegen den weiten Weg dorthin und kommen erst zur Behandlung, wenn sie von TB schwer gezeichnet sind. Andere brechen die monatelange Medikamenten-Therapie ab, sobald es ihnen etwas besser geht. Wichtiger Bestandteil unseres Projekts ist daher, gemeinsam mit dem indischen Staat wirksame Gesundheitsdienste in der Nähe der Patienten aufzubauen. Dort bekommen die Kranken von geschultem Personal ihre Medikamente und werden regelmäßig von einem Arzt untersucht.

Indien_09_264_meissner

Die Dahw unterstützt Gesundheitsposten in indischen Slums. Foto: DAHW/Ursula Meissner

Außerdem setzen wir auf die Gesundheitsaufklärung. Dazu fördern wir in den Slums das ehrenamtliche Engagement insbesondere von jungen Leuten. Viele von ihnen werden von uns als Gesundheitshelfer geschult und klären anschließend ihre Familien und ihre Nachbarschaft über die Gefahren von TB und die Möglichkeit, sich zu schützen, auf. Eine Gruppe Jugendlicher hat gar ein Straßentheater zum Thema „Ansteckende Krankheiten“ einstudiert.

 

Lunge-Tuberkulose ist in Indien weit verbreitet. Foto: DAHW/Ursula Meissner

Einigen Familien, die unter extremer Armut leiden, bieten wir eine soziale Hilfe zur Selbsthilfe an, zum Beispiel eine Anschub-Finanzierung für einen kleinen Gemischtwaren-Laden, der ihnen ein besseres Einkommen sichert. So können wir sie vor Unterernährung und damit auch vor Krankheiten wie TB besser schützen.

Medikamente für Aidskranke
In Afrika südlich der Sahara grassiert Tuberkulose vor allem infolge der Immunschwäche Aids. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich allein in Tansania in den letzten zwanzig Jahren versechsfacht. Um die Überlebenschancen von HIV-infizierten TB-Kranken zu erhöhen, fördert die DAHW in der tansanischen Metropole Dar es Salaam eine neue Medikamenten-Therapie: Wir finanzieren der lokalen Hilfsorganisation „Pasada“ die Behandlung ihrer TB-Patienten mit dem Antibiotikum Cotrimoxazol (CTX).

Die Weltgesundheits-Organisation empfiehlt dieses Medikament. Das geschwächte Immunsystem von Aidskranken ist nicht mehr fähig, neben der Tuberkulose auch noch anderen Krankheitserregern zu widerstehen. Die CTX- Behandlung greift an dieser Schwachstelle ein und verhindert in vielen Fällen zusätzliche Erkrankungen, die zusammen mit der Tuberkulose meist tödlich ausgehen. Die DAHW hofft, dass diese Pilot-Maßnahme für das tansanische Gesundheitsministerium als Vorbild dient und die CTX-Therapie bald landesweit eingeführt wird.

40 Jahre Hilfe in Togo
Im Jahr 2005 konnte die DAHW auf ein Jubiläum in Togo zurückblicken. 40 Jahre zuvor hatte sie den ersten Kontakt zu dem afrikanischen Land. Damals wurden Medikamente und Sachspenden geliefert. Schon ein Jahr später wurde der Aufbau eines Nationalen Lepra-Kontrollprogramms unterstützt. Anfangs halfen wir vor allem den beiden größten Lepradörfern Akata und Kolowaré, schrittweise wurde dann ein das gesamte Land abdeckendes Programm aufgebaut.

Im Laufe des 40-jährigen Engagements in Togo wurde viel erreicht – vom Bau von 19 Gesundheitsposten für die Leprabehandlung bis hin zur Wiedereingliederung von Leprakranken in die Gesellschaft. Die DAHW konnte dazu beitragen, dass die Patientenzahlen in Togo drastisch gesunken sind. 1985 wurden noch 898 neue Leprafälle in Togo gefunden, 2004 waren es nur noch 176 neu Erkrankte.

Die merkliche Verbesserung der Lepra-Situation ermöglichte es der DAHW, sich der Bekämpfung der Tuberkulose zuzuwenden. 1992 begann die DAHW zusätzlich zur Lepra-Arbeit mit der Tuberkulose-Kontrolle.

HapSeptSudan1052_264_vo

Dr. Adolf Diefenhardt (DAHW), am Bett des an Tuberkulose und Aids erkrankten Patienten im Krankenhaus von Rumbek im Sudan. Foto: DAHW/Martina Vornberger

Versorgung im Süd-Sudan
Die medizinische Versorgung im Süd-Sudan blieb auch 2005 nach dem Ende des Bürgerkrieges kritisch. Nur zwanzig Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung. Bislang leisten vorrangig Kirchen und Hilfsorganisationen medizinische Arbeit. Sie ist allerdings nicht flächendeckend, weil bislang ein Staat als Partner fehlt. So werden in 15 regionalen DAHW-Projekten zwar über 2.000 Tuberkulose-Fälle behandelt. Die Dunkelziffer der Neuerkrankungen im gesamten Rebellen-Gebiet ist aber weitaus höher, mindestens fünf- bis zehnmal so hoch.

Die DAHW stellte 2005 unter anderem Medikamente für Behandlungszentren bereit und finanzierte Geländewagen, damit Kranke auch in abgelegenen, schwer zugänglichen Regionen behandelt werden können. In Rumbek unterstützte die DAHW eine Lepra-Klinik, in der schwer behinderten Menschen geholfen wird. Auch 2006 wird die Hilfe fortgesetzt.

Besonders schwierig war es auch 2005, qualifiziertes einheimisches Personal zu finden. Viele Ärzte und Gesundheitshelfer sind während des jahrzehntelangen Konflikts entweder geflüchtet oder wurden getötet.

Um die Lücken zu schließen, bildet die DAHW in Uganda Gesundheitspersonal für den Süd-Sudan aus.

Unterernährte Kinder bekommen in Bisidimo Zusatznahrung. Foto: DAHW/Ursula Meissner

Nahrung für Kinder
Im ältesten Projekt der DAHW, dem Krankenhaus von Bisidimo im äthiopischen Hochland, wurde wie in den vergangenen Jahren auch 2005 therapeutische Zusatznahrung für Kinder unter fünf Jahren ausgegeben. In der Gegend um Bisidimo bleibt immer wieder der Regen aus und die Ernte verdorrt. Deswegen treten Dürre und Hunger auf. Unterernährte Kinder sind anfälliger für Krankheiten wie Tuberkulose.

Um die Wasserversorgung zu verbessern, ist jetzt angedacht, neue Brunnen zu bauen. Die Brunnen von Bisidimo reichen nicht tief genug, um bei der anhaltenden Dürre genügend Wasser für die angrenzenden Siedlungen des Krankenhauses zu spenden. Mit Hilfe der Regierung des Bundesstaates Oromiya wurde ein geologisches Gutachten für vier neue Tiefbrunnen erstellt. Die Zukunft von Bisidimo hängt davon ab.

Mehr Rechte für Lepradörfer
Seit 1978 unterstützt die DAHW mit einem Sozialprogramm mehrere Lepradörfer im Senegal bei der Entwicklung zu gleichberechtigten Gemeinden. Die langjährigen Bemühungen der Sozialarbeiter und Dorfbewohner trugen nun in den Jahren 2004 und 2005 erste Früchte in den Dörfern.

Die Siedlungen (7.600 Einwohner) wurden noch während der Kolonialzeit gegründet, um die Kranken zu isolieren, und waren bis vor kurzem von allen staatlichen und regionalen Landesentwicklungsprogrammen ausgeschlossen.

Die DAHW-Sozialarbeiter organisierten im Laufe der letzten zehn Jahre unter anderem Ausbildungskurse für die Dorfbewohner in den Bereichen Selbstorganisation, Bildung von Dorfgruppen und einer Dorfverwaltungsstruktur.

Im Dorf Sowane wurden im Jahr 2004 die Grundstücke den Familien überschrieben. Die Beteiligung an den Kreisverwaltungen durch gewählte Dorfvertreter soll in den nächsten Jahren auch hier möglich gemacht werden. 2005 folgten dann drei weitere Lepradörfer, deren Bewohner nun über ein eigenes kleines Grundstück verfügen (Koutal, Fadiga und Teubi).

In den zwei größten Dörfern, Mballing und Peycouck, die nahe an größeren Städten liegen und bessere Einkommensmöglichkeiten bieten, haben sich manche Bewohner schon aus eigener Kraft ein Grundstück kaufen können und ein bescheidenes Einkommen erwirtschaftet.

Hilfe zur Selbsthilfe in Nepal
Im Jahr 2005 wurde ein fünfjähriges Projekt in Nepal erfolgreich beendet, das in Zusammenarbeit mit der International Nepal Fellowship (INF) unterstützt wurde.

Dank der Schützenhilfe der DAHW sind lokale Organisationen und Selbsthilfegruppen nun in der Lage, ausgegrenzte Leprakranke und andere Behinderte in die Gesellschaft zu integrieren. Außerdem konnte über 2.000 Lepra-Opfern und anderen Behinderten gezielte soziale und wirtschaftliche Hilfe gegeben werden.

Die Unterstützung reichte von der landwirtschaftlichen oder kunstgewerblichen Aus- oder Weiterbildung über die Arbeits- oder Ausbildungsvermittlung bis zu Kleindarlehen zur Existenzgründung.

Ein für Mitte 2006 bis Mitte 2009 geplantes Projekt zielt nun darauf ab, die gemeindenahe Wiedereingliederung zu festigen und auszuweiten.