Jahresbericht 2006
Die DAHW hat im vergangenen Jahr 320 Projekte in 36 Ländern mit einem Betrag von über 14,6 Mio. Euro gefördert. Zusammen mit zwölf länderübergreifenden Projekten (wie zum Beispiel Schulungen in der Lepra-Arbeit) ergab sich eine Gesamtfördersumme von exakt 14.778.688,46 Euro.
Das haben wir erreicht
Krankheit darf nicht Schicksal werden – deshalb setzte die DAHW 2006 ihre Hilfe für Menschen fort, die an Lepra und Tuberkulose leiden. Neben der medizinischen Versorgung fördert sie die soziale und wirtschaftliche Rehabilitation. Zugleich nahm die DAHW „vergessene Krankheiten“ stärker ins Visier.
Das hohe Spendenaufkommen des Jahres 2005 ließ manchen bei der DAHW durchaus auch ein wenig besorgt in die Zukunft blicken. Zu Unrecht, denn über den Schock durch die Tsunami-Flut und das Erdbeben in Pakistan vergaßen die Spenderinnen und Spender eines nicht: Es braucht systematische Arbeit, um Krankheiten zu bekämpfen, die die Lebensgrundlage zerstören können.

Aids-Kranke sind besonders anfällig für TB. In Addis Abeba hat man ein Augenmerk auf so genannte Ko-Infektionen.
Um das Vorhandene gezielter einzubringen, reduzierte die DAHW die Zahl der Projekte um etwas mehr als fünf Prozent auf 320. Hierbei legte sie Wert darauf, dass kein Projekt einfach abbrach; teils liefen die Maßnahmen planmäßig aus, teils wurden sie von Partnern übernommen. Die DAHW konzentrierte ihr Engagement stärker auf Regionen, in denen Lepra, Tuberkulose und vernachlässigte Krankheiten ein großes Problem darstellen. In elf Ländern, darunter Äthiopien, Brasilien und Indien, unterhält sie Länderbüros.
Wirkungsvolle Zusammenarbeit
Fortschritte verzeichnete die Kooperation mit nationalen Programmen. Auch 2006 gelang es der DAHW, die Leprakontrolle auf der Tagesordnung staatlicher Gesundheitsdienste zu halten. Je mehr Ärzte, Krankenschwestern und Gesundheitshelfer über die Krankheit Bescheid wissen, desto größer die Chancen für Patienten, dass die Lepra rechtzeitig erkannt wird und keine bleibenden Schäden hinterlässt.
Mit etwa 50 Prozent der Projektmittel förderte die DAHW Nationalprogramme, in denen Lepra und Tuberkulose gemeinsam bekämpft werden. Wichtig sind hierbei gute medizinische Qualität und eine effiziente Verwaltung. Daneben unterstützt die DAHW unabhängige, dezentrale Projekte, die meist von kirchlichen oder anderen nicht-staatlichen Initiativen getragen werden, sowie Ausbildungszentren und Patientenvereinigungen.
Neue Aufgaben und neue Krankheiten
Zwei Drittel der Projektgelder kommen der medizinischen Lepra- und Tuberkulose-Arbeit zugute. Die DAHW finanzierte aber auch vermehrt allgemeine Gesundheits- und Sozialprojekte, z. B. die Reintegration ehemaliger Leprapatienten in die Dorfgemeinschaft. Denn Betroffene und ihre Familien dürfen nicht stigmatisiert werden. Deshalb hilft die DAHW ihnen, sich den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, z.B. in einem kleinen Handwerksbetrieb oder durch Kleinkredite zur Gründung eines eigenen Lädchens.
Verstärkt reagierte das Hilfswerk auf neue, bisher vernachlässigte Krankheiten. Es legt seit je großen Wert auf Weiterbildung, weil nur qualifiziertes Personal einen guten Plan erfolgreich umsetzen kann. 2006 wurde mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) u. a. ein Trainingskonzept entwickelt, das einen künftigen erhöhten Ausbildungsbedarf erkennt – und zu decken hilft.
Das Beispiel Kolumbien zeigt, wie schnell Aufklärung über Krankheitserkennung und -bekämpfung wirkt. Soweit in diesem politisch instabilen Land möglich, gab die DAHW Doppelstunden in Schulen, Tagesseminare für Staatsangestellte oder für die Dorfältesten von Indianersiedlungen.

Dr. Libardo Gomez (stehend) ist medizinischer Berater der DAHW in Kolumbien. Er hält landesweit Vorträge. Foto: DAHW / Carola Mühleisen
Die Behörden halfen dabei, u. a. indem sie Räume stellten. Über 4.000 Gesundheitsbeobachter, darunter auch Patienten, wurden in diesem Jahr auf Lepra- und TB-Probleme aufmerksam gemacht, von der Früherkennung bis zum Vermeiden von Folgeschäden. Für diese Kampagne setzte die DAHW knapp 8.500 Euro ein. Und gleich nach manchem Workshop meldeten die Teilnehmer mehrere Dutzend neuer Fälle in ihrem Bezirk. Hier konnte direkt eine Therapie beginnen. In der Region Cesar stieg so die TB-Heilungsquote 2006 auf 100 Prozent.
Kitgum: Eine Schule zum Schutz
Ein besonderes Projekt ging die DAHW im Norden Ugandas an. So sehr bei dem Hilfswerk das Gesundheitswesen im Zentrum steht: Mitunter müssen einfach weitere Aufgaben gelöst werden. Deshalb engagierte sich die DAHW für eine Schule mit angeschlossenem Wohnheim in Kitgum. Damit entsteht ein behüteter Raum für Kinder dieser vom Bürgerkrieg erschütterten Region. Viele wurden von Rebellen grausam misshandelt, die ganze Bevölkerung wird – auch nach dem jüngsten Friedensabkommen – noch auf Jahre hinaus traumatisiert sein.
Eine weiterführende Schule kann hier, wo sich die DAHW schon lange mit verlässlichen Partnern um die Gesundheit der Menschen kümmert, viel zur Rückkehr in ein normales Leben beitragen; und genau das ist die Voraussetzung dafür, dass weitere Hilfe zur Selbsthilfe erfolgreich greift. Dank vieler Spenden konnte Ende 2006 mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Die Einweihung ist für 2008 geplant.

Die Schule und die Schlafräume mit Saniatätsbereich in Kitgum werden 2008 den Betrieb aufnehmen.
Was ist als nächstes zu tun?
Viele Medikamente in der Tuberkulosebekämpfung sind 40 bis 50 Jahre alt. Die Folge: Ihre Wirksamkeit lässt nach, gleichzeitig steigen die Patientenzahlen. Die DAHW setzt sich gemeinsam mit der Stop-TB-Partnerschaft für die Entwicklung neuer Medikamente ein – eine Herausforderung an die Forschung, die die Möglichkeiten eines Hilfswerks allein übersteigt. In den von ihr unterstützten 135 Tuberkuloseprojekten schafft die DAHW Gesundheitsposten in der Nachbarschaft, damit Patienten bis zum Ende ihrer Behandlung therapiert werden können. Und sie wird sich stärker um Menschen mit einer Ko-Infektion von TB und HIV kümmern.
In der Leprabekämpfung kommt der DAHW eine Schlüsselstellung zu: Mehr als drei Millionen Menschen weltweit sind in Folge dieser Krankheit behindert. Deshalb sorgt die DAHW mit dafür, dass sie auch in Zukunft bei den staatlichen Gesundheitsdiensten nicht in Vergessenheit gerät.
So können Sie helfen!
Bitte helfen Sie. Ihre Spende kommt an!





