Jahresbericht 2008

Afrika
Land / Projekte Aufwände Details
124 Projekte 7.257.953,04 €
Angola: 1 Projekt 9.358,16 €
Burundi: 1 Projekt 20.000,00 €
Ghana: 1 Projekt 20.000,00 €
Kamerun: 1 Projekt 15.007,50 €
Kenia: 1 Projekt 20.000,00 €
Liberia: 1 Projekt 110.974,30 €
Madagaskar: 1 Projekt 20.000,00 €
Mosambik: 1 Projekt 10.000,00 €
Nigeria: 14 Projekte 1.476.230,43 € mehr Details

Nigeria-Chukwu-02

DAHW lässt die Menschen in Nigeria nicht im Stich

Nur spärlich bekleidet kommen drei Mitarbeiter der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) am späten Abend im Krankenhaus von Abeokuta an – zu Fuß, obwohl sie mehr als 400 km Reise hinter sich haben. Gestartet waren sie vom DAHW-Büro in Enugu mit einem Auto. Der ältere Geländewagen ist bei den Straßenverhältnissen im Land das sinnvollste Verkehrsmittel für längere Strecken.

Fidelis Adebayo läuft zum Tor, um die Kollegen zu begrüßen. Der Sozialarbeiter der DAHW in Abeokuta ahnt schon, was passiert war: Kurz vor dem Ziel wurde das Fahrzeug von einer bewaffneten Bande gestoppt und ausgeraubt. Jeder Mitarbeiter der DAHW in Nigeria hat gelernt, wie man sich in solch einem Fall verhalten muss: langsam die Hände heben, den Anweisungen der Räuber folgen und höflich anbieten, sie sollten alles nehmen, was sie wollen.

In diesem Fall wollten die Räuber wirklich alles: Fahrzeug, Geld, Uhren, Reisetaschen und sogar einige der Kleider und die Schuhe ihrer Opfer. Aber das Wichtigste konnten die DAHW-Mitarbeiter retten: ihr eigenes Leben. „Das ist so eine Art Ehrenkodex der Räuber, wenn das Opfer nicht den Helden spielt“, sagt Fidelis und fügt später hinzu: „Nigeria wirst Du niemals begreifen können!“

Warum es hier so viele schwer bewaffnete Banden gibt, ist im Land selbst kein Geheimnis: Die modernen Schnellfeuergewehre bekommen die Gangster von ihren Auftraggebern. Sie werden von Unternehmen oder reichen Privatleuten engagiert und ausgerüstet, um diese zu beschützen, manchmal müssen sie damit auch deren Gegner einschüchtern.

Brauchen die Auftraggeber aus irgendwelchen Gründen diese „Schutzdienste“ nicht mehr, werden sie einfach entlassen. Die Waffen dürfen sie behalten, quasi als „Existenzgründungshilfe“, das Geschäft ihrer neuen „Ich-AG“ wird auf die Kernkompetenzen reduziert: Raub, Erpressung und Einschüchterung – eben das, was sie bislang auch gemacht haben, nur notgedrungen auf eigenes Risiko. Die Verursacher dieser Misere kümmern sich um diese Probleme nicht mehr, und fast jeder in Nigeria kann Opfer dieser Banden werden – Hilfsorganisationen genauso wie staatliche Institutionen.

Fidelis zuckt mit den Schultern, eine Lösung hat er auch nicht: „Wir versuchen, nur tagsüber unterwegs zu sein, dann ist die Gefahr nicht so groß.“ Die Alternative wäre, gar nicht mehr durch das Land in die vielen, kleinen Orte abseits der großen Metropolen zu fahren. Aber das kommt für den DAHW-Mitarbeiter nicht in Frage: „Wer kümmert sich dann noch um die Menschen, die an Lepra oder Tuberkulose erkrankt sind und Hilfe benötigen? Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, bis zur nächsten großen Stadt zu einem Krankenhaus zu fahren.“

Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas wird jedes Jahr bei fast 5.000 Menschen eine Lepra-Erkrankung diagnostiziert, die Dunkelziffer der nicht entdeckten Fälle dürfte weitaus höher liegen. Mehr als 500.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an Tuberkulose, jeder zehnte davon sogar in Kombination mit HIV/Aids. Fast alle dieser Patienten gehören zu den Ärmsten, wohnen entweder in Dörfern ohne Infrastruktur oder ausreichende Versorgung oder in den Slums der großen Städte, wo sich manchmal mehr als zehn Menschen ein Zimmer teilen müssen. „Das sind mehr als 500.000 gute Gründe für mich und meine Kollegen, nicht vor der Gewalt auf unseren Straßen zu kapitulieren“, meint Fidelis, als er sich auf sein altes Motorrad setzt, um einige seiner Patienten zu besuchen – die Menschen, die er auch weiterhin nicht allein lassen will.

Senegal: 3 Projekte 499.093,05 €
Sierra Leone: 4 Projekte 399.803,92 €
Sudan: 19 Projekte 917.014,46 €
Tansania: 18 Projekte 892.295,77 € mehr Details

Tansania-Forschung1

Volumen: 40.000 Euro
Partner: Missionsärztliches Institut Würzburg
Leitung: PD Dr. August Stich, Dr. Samuel Kalluvia
Ergebnisse: frühestens 2010

Die Ausgangslage: Patienten mit HIV-Infektion benötigen antiretrovirale Medikamente, um damit den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids hinauszögern zu können – besonders, wenn diese Patienten gleichzeitig an Tuberkulose erkrankt sind. Diese Medikamente sind in Entwicklungsländern nicht immer vorhanden.

Die zu erforschende Frage: Kann die Notwendigkeit einer antiretroviralen Behandlung durch niedrig dosiertes Kortison signifikant hinausgezögert werden?

Mögliche positive Antworten:  Im Idealfall erlaubt eine gering dosierte Gabe von Steroiden die Einstellung des Immunsystems auf die Infektion und zögert damit die Verabreichung von antiretroviralen Medikamenten hinaus.

Darüber hinaus besteht die Hoffnung, dass die Zahl der Erkrankungen an Tuberkulose bei dieser Patientengruppe nicht mehr so deutlich über dem Durchschnitt liegen muss.

Togo: 4 Projekte 312.596,03 € mehr Details

Schuluntersuchung2

Wie die DAHW in einem der ärmsten Länder der Welt hilft

Verhandlungen im Ministerium, Krisengespräch im nationalen Büro der  Weltgesundheitsorganisation (WHO), Kontrollrunde des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM), Gespräche mit einem möglichen Spender, Austausch in der deutschen Botschaft: Alle 20 Minuten klingelt das Telefon, jemand benötigt Hilfe oder braucht einen Rat – ein ganz normaler Tag für Franz Wiedemann, den Repräsentanten der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) in Togo.

Unterdessen ist Issoyo Touakawa, Gesundheitskontrolleur aus Sotouboua auf der Piste nach Tindjassé und Tchatchako im Norden des Landes unterwegs. Von der Hauptstadt Lomé sind es zwar „nur“ 350 Kilometer bis in diese abgelegenen Dörfer, aber die Fahrt dauert zwei Tage. Straßen, die diese Bezeichnung verdienen, gibt es kaum in Togo, die Schotterpisten und Feldwege sind nur sehr schwierig, in der Regenzeit mit Autos gar nicht mehr passierbar. Doch Touakawa ist mit einem geländegängigen Motorrad unterwegs, testet auf der langen Fahrt das neue Modell für den mobilen Gesundheitsdienst.

Wieder klingelt das Telefon von DAHW-Repräsentant Wiedemann: Gesundheitskontrolleur Touakawa gibt durch, dass er wohl heute noch ankommen wird. Das neue Motorrad ist zuverlässiger und verkürzt so die Reisezeiten. Wiedemann freut sich über diese Rückmeldung: „Ich will alles tun, damit draußen im Feld alles rund laufen kann, dass unsere Ärzte, Krankenpfleger und medizinischen Helfer sich bestmöglich um die Patienten kümmern können.“

Doch dann ist auch er weg aus Lomé: „Mindestens jede zweite Woche muß ich raus ins Gelände. Ich will die Bodenhaftung nicht verlieren, und unsere Partner im Feld müssen spüren, dass sie uns wichtig sind.“ Vor allem aber will er die Arbeit sehen, welche dank der Spendengelder aus Deutschland geleistet werden kann – und etwas Kontrolle kann hier auch nicht schaden.

Uganda: 20 Projekte 741.576,20 €
Überregional: 0 Projekt 547.292,34 €
Ägypten: 8 Projekte 168.086,22 €
Äthiopien: 26 Projekte 1.078.624,66 € mehr Details

Äthiopien-Forschung1

Volumen: 45.378 Euro
Partner: London School of Hygiene and Tropical Medicine
Leitung: Prof. Dr. Diana Lockwood
Ergebnisse: voraussichtlich 2010

Die Ausgangslage: Im Gegensatz zur Ko-Infektion TB/HIV ist kaum etwas über die Zusammenwirkung einer HIV-Infektion bei Lepra-patienten bekannt. Die Auswirkungen einer Lepra/HIV-Ko-Infektion sind ebenso unerforscht wie mögliche Konsequenzen für die Behandlung.

Die zu erforschende Frage: Welche klinischen Auswirkungen hat eine Ko-Infektion und wie müssen diese Patienten künftig behandelt und betreut werden?

Mögliche positive Antworten: Mit diesem Forschungsprojekt wird es erstmals verwertbare Daten zur Ko-Infektion Lepra/HIV geben.
Aufgrund dieser Daten werden die behandelnden Mediziner künftig ein besseres Verständnis für die Wechselwirkungen dieser beiden Erkrankungen haben, ebenso werden die Standards bei der Versorgung der betroffenen Patienten verbessert.


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