
DAHW-Mitarbeiterin Martha Barbosa setzt sich für ehemalige Leprapatienten in Kolumbien ein
Staubig ist es überall hier am äußersten Rand von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá, doch im Haus von Marco Antonio und Olga Maria A. scheinen Dreck und Elend der Straße weit entfernt zu sein. Das war allerdings nicht immer so, erinnert sich Olga: „Noch im vergangenen Jahr wohnten wir in einer alten Hütte aus Wellblech. Der Staub kam durch jede Ritze zwischen den Platten, und in der Regenzeit war die Hütte wochenlang nicht trocken zu bekommen. Es war ein großer Segen, dass Gott Martha zu uns geschickt hat.“
Martha Cecilia Barbosa Ladino ist Sozialarbeiterin der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) und kümmert sich um ehemalige Leprapatienten – Menschen wie Olga Maria und Marco Antonio, die sonst nirgendwo Hilfe bekommen. Gemeinsam erinnern sie sich an die Zeit des Leidens, die vor 15 Jahren begann.
Damals wie heute hat Marco Antonio als Fahrzeug-Elektriker gearbeitet, nur war er vor 15 Jahren noch Angestellter mit einem bescheidenen, aber regelmäßigen Einkommen. Er konnte sich das Schulgeld für die Kinder leisten und eine kleine Wohnung für die Familie. Doch dann verlor er das Gefühl im linken Arm. Immer wieder verletzte er sich, ohne es zu merken und diese Wunden entzündeten sich.
Im Gesundheitsposten erfuhr er die Diagnose: Marco Antonio hatte Lepra. Für den kräftigen Handwerker ging damals eine Welt unter: „Ich habe geweint und geweint, schließlich hatte ich gehört, dass einem bei Lepra die Extremitäten abfaulen, bevor man elendiglich zugrunde geht.“
Die Krankheit selbst war schnell besiegt und seine Ängste konnten ihm die Mediziner der DAHW nehmen – geblieben ist nur die Gefühllosigkeit in den Händen, mit der er inzwischen umzugehen gelernt hat. Doch außerhalb der Familie herrschten immer noch die alten Vorurteile gegen Lepra: Freunde und Nachbarn wandten sich von der Familie ab, Marco Antonio verlor seine Arbeit, konnte die Miete und das Schulgeld für die Kinder nicht mehr bezahlen.
Schließlich landeten sie im ärmsten Vorort von Bogotá, in einer alten und heruntergekommenen Hütte aus Wellblech. Weil es vielen Leprapatienten so erging und sich die meisten hier angesiedelt haben, gibt es hier aber auch Martha Barbosa. Sie kümmert sich in diesen Armenvierteln um „ihre Leute“, die ehemaligen Leprapatienten, denen niemand sonst eine Chance geben will.
Mit einem Kleinkredit half die DAHW der gestrandeten Familie, wieder auf die Beine zu kommen: Marco Antonio konnte damit Werkzeug anschaffen, um seine eigene kleine Werkstatt zu gründen. Zwar gibt es nur wenige Autos in diesem Viertel, doch die sind alt und brauchen oftmals Reparaturen. Marco Antonio hat sich schnell einen guten Ruf geschaffen, selbst alte Fahrzeuge für wenig Geld wieder flott machen zu können.