
In Pakistan ist multiresistente TB auf dem Vormarsch
Sameera (14) lebt mit Tuberkulose: Vor vier Jahren war sie selbst erkrankt, heute betet sie für die Genesung ihrer Freundin Hanna. Dass diese nicht selbstverständlich ist, liegt an den Resistenzen, die TB-Bakterien bilden. Sameera hilft den Ärzten der DAHW gegen die Ausbreitung der tödlichen Gefahr.
Nur eine Scheibe trennt die beiden Mädchen – verhindert, dass sie sich zur Begrüßung innig umarmen, doch Sameera und Hanna sind sich trotzdem nah. Sie verstehen einander, auch ohne die üblichen Spielereien, die für Mädchen in diesem Alter sonst normal sind. Sameera ist jetzt 14, und es ist vier Jahre her, dass sie Tuberkulose hatte. Jetzt ist ihre 10-jährige Freundin Hanna erkrankt.
Im Krankenhaus in Rawalpindi behandeln Schwestern der Christusträger-Kommunität mit Unterstützung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) Lepra- und TB-Patienten aus den nördlichen Teilen Pakistans. Vor einigen Wochen hat die leitende Ärztin Dr. Chris Schmotzer auch Hanna hier aufgenommen.
Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Sameeras und Hannas Behandlung: Sameera war nicht lange stationär im Krankenhaus, wurde schon bald nach Hause geschickt. Dreimal pro Woche kam sie zurück, um ihre Medikamente einzunehmen und manchmal, um untersucht zu werden. Und damals gab es diese Scheibe noch nicht, durch die sie heute ihre Freundin sehen kann: Kein Patient war damals isoliert, es gab hier ausschließlich die Standard-Behandlungen.
Doch seit ein paar Jahren ist alles anders in Pakistan: Die TB-Zahlen wachsen stetig, aber besonders rasant wächst die Zahl der Patienten mit resistenten TB-Bakterien: Mehr als 13.000 Menschen sind allein im Jahr 2007 an der multiresistenten Form der Tuberkulose (MDR-TB) erkrankt, so wie Hanna. Gegen diese Bakterien haben mehrere Medikamente der Standard-Therapie keinerlei Wirkung mehr.
Für diese Patienten müssen besondere Medikamente herangeschafft werden, Medikamente mit schwerwiegenden Nebenwirkungen und extrem hohen Preisen. „Die Standard-Therapie kostet pro Patient im Durchschnitt 50 Euro, bei MDR-Patienten entstehen uns Kosten von rund 1.000 Euro, je nach Fall sogar weitaus mehr“, erklärt Dr. Chris Schmotzer.