Aus ganzem Herzen

Die indische Sozialarbeiterin SchwesterJulia Osa bei Ihrem Besuch in Würzburg. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Die indische Schwester Julia Osa bei ihrem Besuch in der DAHW-Zentrale in Würzburg. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Die indische Schwester Julia Osa gehört dem Augustinerorden an. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin im Umfeld von Mumbai und war zuletzt zu Besuch in der Zentrale der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Würzburg.


(Würzburg, 7. August 2015). Sie strahlt, als sie betont, dass sie mit ihrem ganzen Herzen für die Menschen da sein möchte, die ihr anvertraut sind. Man glaubt ihr diesen Satz aufs Wort, denn sie erzählt authentisch, packend und mit viel Empathie.

Vor über 20 Jahren begann sie, mit einigen Frauen aus entlegenen Orten zu arbeiten. Sie war fassungslos, als sie erfuhr, dass Kinder mit Behinderungen versteckt und vernachlässigt werden. Sie wusste, dass es von nun an ihre Aufgabe sein würde, diesen Kindern zu helfen, ihnen eine Stimme zu geben. "Wir fingen an, die Eltern aufzuklären, denn auch diesen Kindern gehört eine Zukunft." Schließlich schafften Schwester Julia und ihre Mitstreiterinnen es, eine staatliche Unterstützung von 500 Rupien (rund sieben Euro) je betroffenem Kind zu erhalten, die direkt an die Familien ausgezahlt wird. Das Umdenken und die Akzeptanz in der Gesellschaft begannen.

Seit 2010 kümmert sich die 50-Jährige um 20 betroffene Kinder zwischen 4 und 14 Jahren in ihrer Gemeinde im Distrikt Sendhwa in der Nähe von Mumbai. "Sie alle wurden von den Eltern vernachlässigt. Heute können sie selbständig essen und sich anziehen", freut sich die Schwester über den Lernerfolg ihrer Schützlinge. Und es gab noch einen wunderbaren "Neben"-Effekt: "Die Mütter und Väter haben sich ihren Kleinen wieder zugewandt. Einige waren sogar richtig stolz auf sie", beschreibt die Ordensschwester den Moment, als einige Eltern ihre Kinder besuchten und über sie staunten. "Dafür danke ich Gott, was wir hier für die Kinder tun können!"

Insgesamt gibt es in der Region, in der sie tätig ist, 300.000 Einwohner. Davon leiden rund 5.300 Menschen an körperlichen und/oder geistigen Behinderungen. "Wir identifizieren die Betroffenen und zeigen ihnen, wie sie trotz ihrer Einschränkungen gut leben können", sagt die diplomierte Sozialarbeiterin. Dazu gehören Ausbildungen in der Schneiderei, Schreinerei und bei der Gartenarbeit. "Die Menschen werden selbstbewusst, wenn sie merken, dass sie mit ihren eigenen Händen Geld verdienen können. Das ist ein schönes Gefühl." Es gibt rund 150 Selbsthilfegruppen mit jeweils zehn bis 15 Mitgliedern. "Und wir achten auf die Nachhaltigkeit unserer Projekte."

Dann erzählt sie von dem neuen Heim, das gebaut wird. Sanitär, Elektrizität und die Böden sind noch nicht fertig. Rund 20.000 Euro würden noch benötigt. "Dann könnten die Menschen endlich einziehen."

Die DAHW und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützen das Projekt "Support to people with disabilities" in Indien.