Die Hoffnung ist das, was bleibt

Die Chance seines Lebens hat Jawad A. bekommen. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Die Chance seines Lebens hat Jawad A. bekommen. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Es war die Chance seines Lebens. Jawad A. ergriff sie, ohne ein einziges Mal nachzudenken. Ohne zu zögern. Er wusste, dass es schwer wird. Denn er musste den Job von der Pike auf lernen.


(Kabul, 10. Oktober 2015). Alles: Die englische Sprache, Schreibmaschine schreiben, die Tricks, mit einer Kopiermaschine umgehen zu können. Bis dahin arbeitete er als Fahrer. Und lernte nebenbei. Ganze sechs Monate lang. Dann endlich durfte er sich bei LEPCO (eine Abkürzung von "Leprosy Control"), der afghanischen Partnerorganisation der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V., an den Schreibtisch setzen. Zuerst in Pakistan, dann im afghanischen Masar-e Sharif und jetzt in Kabul.

A. erinnert sich an alles ganz genau. Auch daran, dass es gut war, Neues zu lernen. Von Anfang an. Und dass Dr. Ruth Pfau, die deutsche Lepraärztin, im Jahr 1984 LEPCO gegründet hatte. Er ist ihr begegnet, damals, ein- oder zweimal. Auch das hat ihn geprägt, sagt er heute, ihre Hingabe, ihre Leidenschaft, Leprapatienten zu helfen, sich um die Ärmsten der Armen zu kümmern. Er sucht nach einem Wort: "Selbstlos!"

Dazwischen hat der vierfache Familienvater ein Jahr in Chennai, Indien studiert und ein Wirtschaftsdiplom gemacht. Das war im Jahr 2011, lange nachdem die Taliban das Büro in Masar-e Sharif attackiert hatten. Die Entscheidung, es in Kabul wiederzueröffnen, war weise gewesen, denn dort ist es noch heute. Als Hauptsitz der DAHW-Partnerorganisation. Jetzt ist er sogar als Geschäftsführer von LEPCO tätig. "Ich arbeite gerne in Kabul. Von hier aus habe ich gute Möglichkeiten, relativ zügig zu den Kliniken zu gelangen. Auch das Klima tut mir gut."

Sein Heimatort in den Bergen im Zentralgebirge hat er seit sechs Jahren nicht mehr besucht. "Aus Sicherheitsgründen", äußert sich der 56-Jährige zögernd. Mehr will er dazu nicht sagen.

Ahmadi sehnt sich nach Frieden. Wie viele anderen auch. "Ich möchte mich endlich wieder frei bewegen können", sagt er. Er weiß, dass viele Mitarbeiter von ausländischen Hilfsorganisationen getötet werden. "Von den Taliban", ergänzt er. "Manchmal denke ich, dass ich die Hoffnung verloren habe." Er zuckt mit den Schultern. "Aber nein, aufgeben will ich nicht, das ist nicht gut. Denn Hoffnung ist das Einzige, was uns noch bleibt."