Dr. Krishnan ist neuer medizinischer Berater in Liberia

Interview mit Dr. Krishnan, medizinischer Berater Liberia. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Dr. Krishnan bei der Vorbereitung in der DAHW-Zentrale in Würzburg. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Dr. S. Ananda Rama Krishnan ist neuer medizinischer Berater für die DAHW in Liberia. Im Interview erzählt er über seine Berufung, Glücksmomente im Alltag, seine Familie und wie er sich für den Einsatz fit hält.


(Würzburg, Januar 2015)

1. Sie sind der neue medizinische Berater für die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkuloshilfe in Liberia (nach Dr. de Koning). Wie haben Sie die DAHW kennengelernt bzw. von Ihr erfahren und was war der Grund, sich zu bewerben?

Ich kenne die DAHW seit 1980, als ich für das staatliche Lepra-Programm in Nigeria arbeitete. Ich arbeitete 14 Jahre in Nigeria von 1980 an. Dort lernte ich auch den früheren DAHW-Mitarbeiter Peter Bergdoll kennen. Ich kam gerade frisch von der Universität, mit meinem Diplom für Lepra und Hautkrankheiten in der Tasche. Durch mein Engagement in Nigeria konnte ich eine große Veränderung in der Behandlung von Leprakranken vor Ort durchführen. Ich hatte immer gute Erinnerungen an die Arbeit der DAHW vor Ort und an die Mitarbeiter. Meine Bewerbung, für diese Organisation zu arbeiten, stand somit außer Frage.


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2. Wie sieht das Nationalprogramm aus und inwieweit ist die Arbeit der DAHW darin eingebettet?

Nun etwas zu meiner Arbeit in Liberia. Für mich ist es das erste Mal, das ich in dem Land tätig bin. Ich habe bereits 35 Jahre in Afrika gearbeitet, darunter in vielen Konfliktländern, wie Sudan, Äthiopien, Sierra Leone, etc.

Die ersten sechs Monate in Liberia bin ich am Ganta-Hospital tätig, das von der DAHW unterstützt wird. Ab Juni 2015 werde ich in der Hauptstadt Monrovia arbeiten. Dort werde ich die Umsetzung des Nationalen Lepra-Programms als Senior Medical Advisor for Leprosy unterstützen.

3. Wie sehen Sie Ihre Arbeit in einem von Ebola-geplagten Land?

Ich bin Arzt und habe keine Angst vor Krankheiten. Das ist meine Grundvoraussetzung. Nur so kann ich gut arbeiten. Die ganzen Jahre als Arzt habe ich mit Lepra, TB, HIV/Aids und Buruli Ulcer und unter den schwierigsten Bedingungen gearbeitet. Ich habe keine Angst davor, mich mit Ebola anzustecken. In Ganta arbeite ich mit katholischen Schwestern zusammen. Darauf freue ich mich schon sehr. Denn in Indien habe ich meine Schulbildung in einer katholischen Missionsschule bekommen und kam mit den Ordensschwestern immer hervorragend aus. So bin ich an sie bereits gewöhnt. In der Tat, für mich ist das Leben bei und mit den Nonnen eine große Motivation für meine Arbeit.

4. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Wie gesagt, das erste halbe Jahr meiner über zweijährigen Tätigkeit in Liberia verbringe ich im Ganta-Hospital. Dann werde ich auf administrativer Ebene in Monrovia arbeiten. Das Mandat für das erste Jahr umfasst den Aufbau eines nationalen Ausbildungszentrums für Lepra, TB- und Buruli Ulcer-Gesundheitspersonal. Viel Wert wird dabei auf das frühe Case-Finding gelegt. Natürlich wird auch die Ebola-Aufklärung eine große Rolle spielen. Im ersten Jahr werden wir Gesundheitspersonal aus 5 Regionen ausbilden. Das gleiche Mandat werden wir im zweiten Jahr haben und wieder Gesundheitspersonal aus fünf weiteren Regionen des Landes ausbilden. Dazu nehme ich an der Weiterentwicklung des Nationalprogramms teil, organisiere weitere Fortbildungen für das bei uns schon ausgebildete Gesundheitspersonal und arbeite an der politischen Entwicklung des Gesundheitssystems mit. Wie gesagt, die Kenntnis um Ebola wird dabei eine große Rolle spielen.

5. Wie reagieren Ihre Familie, Ihre Freunde darauf, dass Sie gerade jetzt, zu Zeiten von Ebola, nach Liberia wollten? Wird Ihre Familie nachkommen?

Um es gleich mal vorweg zu sagen. Bereits vor meiner Hochzeit im Jahr 1982 habe ich meiner Frau in aller Deutlichkeit gesagt, dass ich meinen Beruf als Arzt immer den Vorrang geben werde. Erst dann kommen bei mir soziale Verpflichtungen, wie das Familienleben. Sie hat es akzeptiert und war – außer in Nigeria - auch nie mit mir vor Ort. Wir haben zwei Kinder. Der Sohn ist 30 Jahre alt und arbeitet in guter Position als Ingenieur in den USA. Meine Tochter ist erst 23, doch sie hat bereits ihren Master-Abschluss als Ärztin von einer Universität in England. Sie arbeitet zurzeit in Indien in einem Missionskrankenhaus, wo sie sich um Kinder mit HIV/Aids kümmert. Meine Familie war – bis auf meine Tochter – gegen meinen Einsatz in Liberia. Doch wie ich bereits sagte, beeinflusst das meine Entscheidung nicht. Nur meine Tochter war einverstanden. Sie als Ärztin kennt wohl am besten meine Gründe, Menschen helfen zu wollen.

Meine Frau wird während meines Einsatzes in Indien bleiben.

6. Glücksmomente in Ihrem Beruf als Arzt, und wie sehen die aus?

Wenn meine Patienten lächeln, ja, das sind Glücksmomente für mich. Oder wenn sie nach der Behandlung endlich nach Hause können. Das sind einfach wundervolle Erlebnisse, die mich sehr glücklich machen.

Ich will mich nicht selbst loben, aber in Afrika und auch in Indien gibt es viele Länder bzw. Regionen, wo ich das Gesundheitspersonal unterrichtet habe. Im Südsudan haben wir sogar frühere Rebellen als Gesundheitshelfer für Lepra/TB/HIV ausgebildet.

Doch es gibt natürlich auch schlechte Erfahrungen. Insgesamt dreimal wurde ich überfallen und mit dem Gewehr bedroht. Einmal – in Nigeria - wollten sie sogar meine Frau entführen, doch das konnte ich gerade noch verhindern. Tatsache ist, dass ich seitdem meiner Frau von den schlechten Momenten und Gefahren in meinem Leben nichts mehr erzähle. Sie würde sich sonst viel zu sehr sorgen.

7. Was sind Ihre Erwartungen an Ihre Tätigkeit in Liberia?

Ich glaube an mich und daran, dass ich die gewünschten Umsetzungen durchführen kann. Ich werde neue Kapazitäten vor Ort schaffen und im politischen Sinne neue Guidelines/Strategien für die Leprakontrolle entwickeln. Ich bin sehr glücklich, nach Liberia gehen zu können.

8. Ihre Vita?

Ich heiße Dr. S. Ananda Rama Krishnan und wurde am 11.Oktober 1947 in Kanyakumari bei Madurai, Südindien geboren. Jetzt lebe ich mit meiner Frau in Madurai. Meine zwei Kinder leben im Ausland. Meine Schulbildung erhielt ich in einer katholischen Missionsschule. Die Akzeptanz von jedweder Kultur oder Religion ist daher auch kein Problem für mich. Diese Einstellung resultiert darin, dass auch ich überall akzeptiert werde.

Meine Tochter wurde in Nigeria geboren. Als Ärztin verspürt sie den großen Wunsch, gerade einmal auch in Afrika beruflich tätig zu werden.

In Indien studierte ich im Bundesstaat Tamil Nadu Medizin. Meine Schwerpunkte waren Lepra und Hautkrankheiten. Als Gaststudent war ich auch in England und in Australien. In den 1970er Jahren hatte ich meinen Abschluss als Arzt in der Tasche. Wie bereits erzählt, arbeitete ich hauptsächlich in Afrika. Die letzten drei Jahre war ich in Indien für ein Schweizer Lepra-Hilfswerk tätig.

Und was mich angeht, so denke ich nie an meine Pensionierung. Die ist noch ganz weit weg! Überhaupt will ich mein ganzes Leben lang arbeiten. Nach den zwei Jahren gehe ich dahin, wo ich gebraucht werde.

Meine Hobbys sind Sport im Fitness Center ("Ich bin ein Athlet!"), traditionelle indische Musik und Lesen. Ich lese jedoch nur Fachbücher, keine Romane oder Krimis. Dazu habe ich ein Fernstudium an der Universität von Dundee begonnen. Ich bin im Master-Programm von Medical Education und möchte mit dem Master abschließen.