Hamida möchte mehr als Heiraten

Hamida im LEPCO-Buero in Kabul. Foto: Sabine Ludwig - DAHW

Hamida an ihrem Arbeitsplatz in Kabul. Foto: Sabine Ludwig / DAHW

Hamida ist noch ganz neu bei der afghanischen Partnerorganisation der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. Die ersten drei Monate sind fast vorüber und sie betont, wie glücklich sie über diese Arbeit sei.


(Kabul, im Oktober 2015) Und darüber hinaus fühle sie sich als Frau am Arbeitsplatz sicher, eben genau wegen den männlichen Kollegen, die respektvoll mit ihr umgehen. Das sei nicht immer so in Afghanistan. Vier Jahre lang hatte sie Computerwissenschaften an einer Universität in Kabul studiert. "Für mich stand schon immer fest, nach der Universität meiner Familie und meinem Volk zu helfen. Ich möchte mein Wissen weitergeben. Irgendwie!", beteuert sie.

Ihre Heimat ist das Gebirge von Ost-Afghanistan, eine "sehr unterentwickelte Gegend". Schon als Achtjährige sei sie mit der Familie nach Kabul gekommen. "Wir sind vor den Mujaheddin geflohen", sagt sie leise. Sie mochte die Führung von Präsident Hamid Karzai, seine Politik, die Atmosphäre im Land. "Er war gut zu den Frauen", sagt sie ein wenig umständlich, "Frauen konnten studieren, waren nicht so gefährdet wie heute." Dann spricht sie von den Entführungen, den vielen Bomben und der Angst, die auch sie hat. Täglich. Vor den Taliban, den Banden, den Anschlägen, die plötzlich und unerwartet ihr Leben beenden können. Wie das von vielen anderen, Gleichaltrigen, Verwandten, Freunden.

Die 23-Jährige hat noch vier Schwestern und neun Brüder. Ihr Vater hat zwei Ehefrauen, mit denen sie gut auskommt. Zwei Mütter für Hamida! Und sie war im Volleyballteam der Schule aktiv. Früher, als sie noch Schülerin war, damals, unter Karzai. Sie schaut sich regelmäßig die Nachrichten im Fernsehen an. "Ich will wissen, was in der Welt passiert", betont sie. Und sie liebt Kochen.

Mantu Ashak, die afghanische Nationalspeise, bereite sie besonders schmackhaft zu. Männer mögen Frauen, die gut kochen können. Sie lächelt. Sie weiß, dass sie hübsch ist. Verehrer kommen, sprechen bei ihrem Vater vor, und gehen wieder. "Etwa zehn sind schon gekommen. Sie alle hielten um meine Hand an", sagt sie schüchtern. "Doch ich habe sie alle ignoriert, denn ich will mich nicht binden. Mein Vater ist meinem Wunsch nachgekommen." Denn auch ihre Eltern wollen, dass es erst einmal beruflich vorangeht. Und Hamida möchte noch weiter studieren. Ihren Master machen. Vielleicht in ein oder zwei Jahren. "So Gott will. Inschallah!"

Dann wendet sie sich wieder dem Computer zu, setzt das Headset auf und wählt die Nummer ihres Chefs, um die nächsten Besucher anzukündigen. Hamida möchte eine gute Assistentin sein und ihre Arbeit zum Wohl der Patienten so perfekt wie möglich erledigen. Dann wird ihr auch die Zukunft wohlgesonnen sein.

(Der Name wurde von der Redaktion geändert.)