Unsere Helferin vor Ort: Dr. Chris Schmotzer in Pakistan

Dr. Chris Schmotzer mit ihrem Team in Pakistan

Dr. Chris Schmotzer und ihr Team im Rawalpindi Leprosy Hospital

Offiziell heißt sie Dr. Schmotzer, wird jedoch viel lieber "Schwester Chris" genannt. Dr. Chris Schmotzer arbeitet seit vielen Jahren als Lepra-Ärztin für die von der DAHW unterstützte Organisation "Aid to Leprosy Patients" (ALP) in Pakistan. Im Rawalpindi Leprosy Hospital, das sie selbst leitet, und im Government Leprosy Hospital in Balakot bringt sie Tag für Tag Lepra- und Tuberkulosepatienten auf den Weg der Besserung. Das folgende Portrait soll einen Einblick in ihr Leben, ihre bewundernswerte Einstellung und vor allem ihre wertvolle Arbeit geben.


Geboren wird Dr. Chris Schmotzer 1955 in Hersbruck / Deutschland. 21 Jahre alt ist sie, als sie 1976 dem evangelischen Orden der Christusträger-Schwestern beitritt. Ihr Medizinstudium schließt sie 1981 in Heidelberg ab und bildet sich in Schwäbisch Hall zur Fachärztin für Gynäkologie/Geburtshilfe weiter.

Es zieht sie ins Ausland

1988 absolviert sie in Addis Abeba / Äthiopien eine Fortbildung zu Leprakontrolle und wiederherstellender Chirurgie für Leprapatienten. Seit dieser Zeit arbeitet Schwester Chris – wie sie viel lieber genannt wird als „Dr. Schmotzer“ – als Lepra-Ärztin in Rawalpindi / Pakistan. An zwei Standorten ist sie für die von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe seit vielen Jahren unterstützten Organisation „Aid to Leprosy Patients“ (ALP) tätig: im Rawalpindi Leprosy Hospital und im Government Leprosy Hospital in Balakot. Ihr Wissen gibt sie als Schulungsleiterin für die Gesundheitsämter zweier Provinzen an Ärzte vor Ort weiter. 1993 übernimmt sie die Leitung des Rawalpindi Leprosy Hospital und wird 1995 medizinische Leiterin von ALP.

Ihr Rat ist gefragt

In Balakot, das rund 170 km nördlich von Rawalpindi liegt, bietet Chris Schmotzer regelmäßig Sprechstunden für Frauen an, die mit gynäkologischen Problemen oder Lepra zu ihr kommen. Und die Nachfrage ist groß: Einige Frauen reisen aus entlegenen Tälern und Bergen an, um Rat und Hilfe bei Dr. Chris zu suchen.

„Skin Camps“ gegen Langzeitschäden

Kostenfreie Untersuchungen für Menschen mit Hautproblemen - dieses Angebot in Gebieten, die für häufige Leprafälle bekannt sind, trägt zur Früherkennung von Lepraerkrankungen bei. Schwester Chris und ihr Team können die Menschen so rechtzeitig behandeln. Dadurch verhindern sie, dass die Patienten schwerwiegende Nervenschäden erleiden, die sie für den Rest ihres Lebens behindern würden.

Tätigkeitsfeld: Tuberkulose

Ab 1999 entwickelt sich die Tuberkulosearbeit zu einer immer wichtigeren Aufgabe. So wird das Rawalpindi Leprosy Hospital 2001 schließlich zu einem staatlich anerkannten Behandlungszentrum für Tuberkulose (TB). Chris Schmotzer ist hier für diejenigen da, die durch das Raster des staatlichen TB-Programms fallen: Unterernährte und sehr arme Patienten werden von ihr stationär aufgenommen, damit sie die Behandlung und Fürsorge erhalten, die man ihnen zu Hause nicht geben kann.

Eine neue Bedrohung: MDR-TB

Multiresistente Tuberkulose heißt die Bedrohung, die die Arbeit von Schwester Chris und ihrem Team immer deutlicher erschwert. Ein Patient, der sich mit dieser Form der TB angesteckt hat, ist gegen die zwei stärksten Medikamente der Standardtherapie resistent. Dies erfordert eine längere Betreuung mit Arzneimitteln, die deutlich stärkere Nebenwirkungen haben. Umso wichtiger ist es, dass Dr. Chris großen Wert auf einen ganzheitlichen Ansatz legt. Bei der Behandlung berücksichtigt sie insbesondere Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen wie Diabetes oder auch psychische Probleme ihrer Patienten.

Gemeinsam Katastrophen überstehen

Als Pakistan 2005 ein schreckliches Erdbeben und 2010 die Jahrhundertflut treffen, ist Chris Schmotzer mit Unterstützung der DAHW sofort vor Ort und Stelle. Erste Hilfe für Verletzte und die langjährige Wiederaufbauarbeit erfordern ganzen Einsatz von der Ärztin und ihrem Team. Die Erfolge ihrer Arbeit können sich sehen lassen: Der Bau neuer Häuser – sicherer gegen Erdbeben und Flut – und der Wiederaufbau der Landwirtschaft helfen den Menschen vor Ort auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Sie alle, die von den Katastrophen Betroffenen und die vielen Patienten, die an Lepra und Tuberkulose leiden, zählen auf Schwester Chris. Und Schwester Chris zählt auf die Unterstützung der DAHW und ihrer Förderer. Nur gemeinsam können wir die schwere Aufgabe schultern, das Leid von Menschen zu lindern.