Dr. Ruth Pfau - Die Mutter der Leprakranken

Ruth Pfau

Die Mutter der Leprakranken wird sie genannt: Seit mehr als 50 Jahren ist Dr. Ruth Pfau, Ärztin und Ordensfrau, nun schon in Pakistan.


Die Mutter der Leprakranken wird sie genannt: Seit mehr als 50 Jahren ist Dr. Ruth Pfau, Ärztin und Ordensfrau, nun schon in Pakistan und hat dort im Rang einer Staatssekretärin jahrelang das nationale Lepra- und Tuberkuloseprogramm geleitet. Dabei wollte sie eigentlich im Auftrag ihres Ordens der „Töchter vom Herzen Mariä“ als Gynäkologin nach Indien.

Probleme mit dem Visum verzögerten 1960 die Weiterreise nach Indien. In der pakistanischen Hafenstadt Karachi ging sie durch die Elendsviertel und sah die zahlreichen Leprakranken, die einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen wurden – ohne Arbeit und ohne jegliche Hoffnung.

„Dieser erste Besuch in der Leprakolonie war für mein Leben sehr entscheidend“, sagt die Ordensfrau, die am 9. September 2009 ihren 80sten Geburtstag feierte.

Ruth Pfau begann, gemeinsam mit einigen Mitschwestern, die Hilfe für diese Menschen zu organisieren – schnell auch mit Unterstützung der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. Das von ihr gegründete Zentrum Marie Adelaide ​​Leprosy ​​Centre (MALC) versorgte die Leprakranken medizinisch und mit menschlicher Wärme – für die Ausgestoßenen, mit denen niemand sonst etwas zu tun haben wollte, eine völlig neue Erfahrung.

Bis heute gilt der Grundsatz von Ruth Pfau: „Ich werde diese Menschen erst dann aus meiner Patientenkartei streichen, wenn sie nicht nur rein medizinisch geheilt wurden, sondern auch wieder so leben können wie jeder andere Mensch, der nicht an Lepra erkrankt war!“


Das Leben von Ruth Pfau

R_Pfau-Sprechstd_264Pakistan, 1960 - Behutsam untersucht Dr. Ruth Pfau ein leprakrankes Kind. Foto: privat

Ruth Pfaus besondere Sorge gilt den pakistanischen Frauen. In der Männer-Gesellschaft sind sie rechtlos und werden unterdrückt. Gerade wenn sie an Lepra erkranken, droht ihnen ein unbarmherziges Schicksal. Die Nonne weiß zum Beispiel von einem Mädchen zu berichten, das von ihren Eltern in einen Kerker eingemauert wurde. Die Familie schämte sich für ihr Kind.  „Der Mensch hat ein Recht auf Würde und Glück, er ist nicht dazu geboren, im Schmutz zu leben“, sagt die Ordensfrau entschieden und zornig. Oft blitzt er auf, ihr heiliger Zorn. Er entspringt ihrer Liebe zur menschlichen Freiheit ebenso wie einer tiefen Abscheu gegen Unrecht.

Ruth Pfau wurde 1929 in Leipzig geboren. Mit 20 Jahren siedelte sie nach Westdeutschland über, wo sie in Mainz und Marburg Medizin studierte. Während ihrer Studienjahre war Ruth Pfau getrieben von der Suche nach einer bestimmenden Kraft für ihr Leben. Sie fand sie im christlichen Glauben. 1953 ließ sie sich taufen, vier Jahre später trat sie dem Orden der „Töchter vom Herzen Mariä“ bei. Es war die Zeit des Wirtschaftwunders, des beginnenden Wohlstands und Konsumrausches. Ruth Pfau wollte dem oberflächlichen Leben in der jungen Bundesrepublik entfliehen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. 1960 sandte ihr Orden sie nach Asien.

Die Anfangsjahre in Pakistan waren schwierig. Ein Gesundheitsdienst, auf dem sie aufbauen konnte, war nicht vorhanden. Dagegen musste sie sich gegen engstirnige Bürokraten und korrupte Beamte durchsetzen. Ruth Pfau schaffte es dennoch, der Lepra in Pakistan ihren Schrecken zu nehmen.

Pakistan erkennt die große Bedeutung ihrer Arbeit an. Sie ist Ehrenbürgerin des Landes und seit 1979 auch nationale Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin.

1961 begann die Unterstützung der Lepra-Arbeit von Dr. Ruth Pfau in Pakistan.

Unterstützung fand Ruth Pfau unter anderem bei der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe. Das Hilfswerk finanziert ihre Arbeit seit über 40 Jahren mit und kann dank zahlreicher Spenden die Versorgung von Patienten unterstützen. Darin enthalten ist auch Geld für die Wiedereingliederung der geheilten Leprakranken in die Gesellschaft.

Mittlerweile haben es Ruth Pfau und ihre Helfer geschafft, die Lepra in Pakistan in den Griff zu kriegen. Fast 50.000 Menschen konnten bislang von Lepra geheilt werden. Doch wegen der langen Inkubationszeit, die Jahrzehnte dauern kann, erkranken jährlich noch 1000 Menschen an Lepra. „Zwei Generationen lang müssen wir noch am Ball bleiben, um die Krankheit in Pakistan auszurotten“, schätzt die Ärztin. Neben der Lepra behandelt sie nun auch vermehrt andere Krankheiten, vor allem Tuberkulose.

Einer neuen Herausforderung stellte sich Ruth Pfau nach dem Terror des 11. September 2001 und dem Angriff der USA auf Afghanistan. Pakistan ist seitdem ein Pulverfass. Christen stehen auf der Abschussliste von islamischen Fundamentalisten. Obwohl von der deutschen Botschaft aufgefordert, sich evakuieren zu lassen, bleibt die Ärztin in dem Land. Gerade nachdem 500.000 Flüchtlinge aus Afghanistan nach Pakistan gekommen sind und Hilfe bitter nötig haben, will sie das Land nicht verlassen. 


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