Alberto Rivera - Kolumbien

DAHW-Repräsentant in Kolumbien Alberto Rivera

DAHW-Repräsentant in Kolumbien, Alberto Rivera, bei einem Besuch in Würzburg im September 2013. Foto: Mathiasch / DAHW

"Wenn sich Lepra-Kranke und Gesunde vorbehaltlos umarmen können."


Als DAHW-Repräsentant in Kolumbien unterstützt Alberto Rivera gemeinsam mit seinem Team das Nationalprogramm für TB und Lepra. Das Programm deckt zwar alle Regionen Kolumbiens ab, ist jedoch nicht für alle Bereiche verantwortlich. „Darunter fallen CBR, also die gemeindenahe Rehabilitation, die Prävention von Behinderungen Lepra-Erkrankter und die soziale Rehabilitation. 50 Prozent der Arbeit sind Verwaltungsaufgaben, die ich vom Büro in Bogotá aus durchführe. Da geht es vor allem um den reibungslosen Ablauf der Büroarbeit. Die restliche Arbeitszeit geht in die Projektarbeit, hier insbesondere für die Organisation, Durchführung, Implementierung und Entwicklung von Projekten. Ein wichtiger Bestandteil sind auch meine Repräsentationspflichten für die DAHW und die Konferenzen, die wir in regelmäßigen Abständen mit den Mitarbeitern des Nationalprogramms zu TB und Lepra durchführen.“

Aufklärung. Aufklärung. Aufklärung.

„Im Land selbst ist die Stigmatisierung von Betroffenen weit verbreitet“, erklärt Alberto Rivera. „Unsere Aufgabe ist es daher, Kampagnen zu entwickeln, die über die Erkrankung aufklären und versuchen, Betroffene wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Das geht nur mit großem Einsatz und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit. Da die Aufklärung zu TB und Lepra in den staatlichen Gesundheitszentren meist nicht allzu effizient ist, führen wir selbständige Veranstaltungen durch, z. B. in Schulen, Universitäten und Gemeinden. Wir erklären, wie eine Behinderung nach einer Lepra-Erkrankung zu vermeiden ist, wie Behandlungen überhaupt durchgeführt und wie neue Fälle erkannt werden. Immer wieder müssen wir auch Lepra-Kranke darauf aufmerksam machen, dass sie Handschuhe tragen müssen, um Entzündungen, beispielsweise durch Schmutz, zu vermeiden.“

Übungen zur Prävention von BehinderungenDAHW-Sozialarbeiterin Marta Barbosa (re.) klärt von Lepra betroffene Patienten auf, wie sie dank spezieller Übungen für Muskeln und Nerven Behinderungen vermeiden. Foto: Lubomir Hajas

Ein so genannter Glücksmoment spielt sich für Alberto Rivera oft bei der Aufklärungsarbeit ab, „wenn sich Lepra-Kranke und Gesunde nach unserer Aufklärungsveranstaltung einfach und vorbehaltlos umarmen.“ Glücklich machen ihn aber grundsätzlich alle „Erkrankten, denen es dank der von uns eingeleiteten Behandlung besser geht und die es uns mit einem Lächeln danken – das ist für mich immer wieder ein Glücksmoment.“

Die, die es am schwersten haben

Mit Sorge beobachtet Alberto Rivera auch die Situation für ältere Menschen. „Leicht ist sie nicht. Gute Altersheime sind richtig teuer. Die sind in privater Hand. Der Zugang für alte Menschen in diese Heime ist nicht leicht, weil sie die Kosten nicht aufbringen können. Die wenigen staatlichen Altersheime stehen einer Vielzahl von alten Menschen gegenüber. Die, die in ihrer Familie bleiben können, stellen eine zusätzliche Belastung für die Angehörigen dar. Da es kein funktionierendes Sozialversicherungssystem gibt, ist es für die Familien sehr kostspielig, ihre alten Verwandten aufzunehmen.“

Unter den DAHW Projekten in Kolumbien gibt es auch spezielle Altersheime für besonders schwer behinderte ehemalige Leprapatienten, wobei sich „die spezifische Lepraorientierung hier auf den Willen der Bewohner zurückführen lässt.“ Wieder einmal spielt auch hier die Stigmatisierung eine Rolle. Rivera bringt das Problem auf den Punkt: „Ganz wichtig ist, dass wir der Bevölkerung die Angst vor Lepra-Kranken und einer möglichen Ansteckung durch sie nehmen.“ Eine große Aufgabe, für die Alberto Rivera und sein Team auch weiterhin auf die Unterstützung durch Spendengelder hoffen.