Dr. Emile Tanyous - Sudan

DAHW-Repräsentant in Sudan Dr. Emile Tanyous

DAHW-Repräsentant in Sudan, Dr. Emile Tanyous, bei einem Treffen in Würzburg im Mai 2012. Foto: Mathiasch / DAHW

"Würden wir nicht unterstützen, gäbe es keine Hilfe für die Patienten."


Dr. Emile Tanyous ist seit 2005 als medizinischer Berater bei der DAHW in Khartoum und seit 2011 auch als Repräsentant der DAHW im Nordsudan tätig. Als einer von wenigen gelingt ihm der Spagat zwischen medizinischer Arbeit und dem Verwaltungsbereich im DAHW-Büro: „Wir sind im Büro insgesamt zu zweit plus Servicepersonal. Wir fertigen Statistiken zu MDT (Multi Drug Therapy) und Besuchen bei Kliniken und Gesundheitszentren an. Zu unserer Arbeit gehören die Fortbildung des medizinischen Personals und auch Aufklärungsveranstaltungen in den ländlichen Regionen des Nordsudan, die Versorgung mit Medikamenten und entsprechende medizinische Statistiken.

Als weiteren Programmpunkt habe ich die Qualitätskontrolle von Leprabehandlungen eingeführt sowie die Qualitätsüberwachung von Seminaren zur Fallsuche von Patienten und wie man der Stigmatisierung entgegenwirken kann. Hilfreich ist dabei die Zusammenarbeit mit einem islamischen Gelehrten oder Imam, der den Zugang zu der Bevölkerung direkt hat. Die DAHW-Hilfe fließt so direkt in das Lepraprogramm, das von Seiten des Staates sehr vernachlässigt wird. Würden wir nicht unterstützen, gäbe es keine Hilfe für die Patienten und das Programm würde nicht länger bestehen.“

Lepra ins Bewusstsein rücken

„Im Jahr bin ich circa 110 Tage in den Projekten unterwegs“, erzählt Dr. Tanyous. „Ich besuche Patienten, übernehme oder veranlasse die Ausbildung von Gesundheitspersonal. Zusätzlich leite ich Aufklärungs-Seminare, die sich mit Stigmatisierung und Ausgrenzung von Betroffenen befassen.“ Solche Seminare werden beispielsweise als Abschluss der Ausbildung von Gesundheitspersonal veranstaltet, aber auch für die Gemeinde oder Selbsthilfe- bzw. Frauengruppen. „Hier beziehen wir uns vor allem auf die Stigmatisierung Betroffener. Hinzu kommt die Aufsicht über die richtige Pflege, Medikamentenvergabe und ob die Statistiken stimmen. Wir wollen sichergehen, dass die Patienten eine optimale Behandlung bekommen. Die Regierung legt leider nicht viel Wert auf die sogenannten bewusstseinsbildenden Seminare oder die Auswertung entsprechender Statistiken. Das übernehmen wir als GLRA - dank der Unterstützung durch die DAHW.“

Dr. Emile Tanyous bei der LeprasprechstundeDr. Emile Tanyous bei der Leprasprechstunde. Foto: Bellinger / DAHW

Helfen macht glücklich

„Glücklich bin ich darüber, frei arbeiten zu können. Niemand behindert meine Arbeit, stört oder blockiert sie“, so Dr. Emile Tanyous auf die Frage nach Glücksmomenten in seinem Leben. Glücklich macht ihn auch jeder Patient, dem er zu mehr Gesundheit verhelfen konnte. Dr. Tanyous schätzt vor allem die ganz persönlichen Rückmeldungen seiner Patienten: „Wir laden sie immer wieder zu Gesprächsrunden ein. Ich gebe ihnen auch meine Handynummer, so dass ich für sie immer erreichbar bin. Einige von ihnen rufen mich an, wünschen mir Gottes Segen und wollen mich in ihre Gebete mit einschließen. Dann fühle ich mich sehr gut, gerade, weil diese Wünsche von Menschen kommen, auf die normalerweise wegen ihres Stigmas niemand achtet.“