Dr. Yvonne Harding - Sierra Leone

DAHW Repräsentantin in Sierra Leone Dr. Yvonne Harding

Dr. Yvonne Harding bei einem Gespräch in Würzburg im Mai 2012. Foto: Mathiasch / DAHW

"Wenn die Leute mir ihre Dankbarkeit ausdrücken, merke ich, wie meine Arbeit mich erfüllt."


Als Repräsentantin der DAHW unterstützt die Allgemeinmedizinerin Dr. Yvonne Harding das Nationale Lepra- und Tuberkuloseprogramm in Sierra Leone. Neben der Ausbildung von Laborpersonal setzt sie sich – gemeinsam mit anderen NGOs – für die Rechte von Menschen mit Behinderungen und deren Aufnahme in ein CBR-Programm ein. Neben den administrativen Aufgaben im DAHW-Büro legt Yvonne Harding großen Wert auf regelmäßige Besuche in den Projekten: „Vierteljährlich unternehme ich Fahrten in die Projektgebiete, bei Bedarf auch häufiger. Wir arbeiten von Montag bis Freitag, manchmal bin ich am Samstag noch im Büro. Mein Arbeitstag endet gegen 17 Uhr, aber oft bleibe ich länger.“

Kindern eine Zukunft geben

Einen besonderen Schwerpunkt legt Yvonne Harding auf die Bildung für Kinder der Leprakranken: „Wir übernehmen die Schulkosten für den Besuch der Grundschule und fördern sie gegebenenfalls bis zum Ende der Universitätsausbildung bzw. Berufsausbildung. Betroffene Patienten unterstützen wir beim Aufbau ihrer Selbständigkeit, finanzieren die Berufsausbildung und die Werkzeuge, die sie später brauchen. Zum Beispiel eine Nähmaschine, Zwirn und Schere für den erfolgreichen Abschluss als Schneider oder Säge, Hammer und Nägel für den Beginn einer Schreinertätigkeit.“

Ehemaliger Lepra-Patient wurde bei der Ausbildung zum Schneider unterstützt

Dieser ehemalige Lepra-Patient wurde bei seiner Ausbildung zum Schneider von der DAHW unterstützt. Foto: DAHW

Unterkünfte für die Leprakranken

Besonders am Herzen liegt Yvonne Harding die Organisation und Bereitstellung von Unterkünften für Leprakranke in ihren Dörfern: „Leprakranke leiden unter der Stigmatisierung, und oft gibt ihnen dann eine eigene Unterkunft ihre Würde zurück. Damit steigen sie auch im Ansehen der Dorfbewohner.“ So begleitet sie die Ärztin gemeinsam mit der DAHW auch eine alte Frau, die an Lepra erkrankt ist. Die erste Begegnung mit ihr beschreibt Yvonne Harding heute als prägendstes Erlebnis ihrer Arbeit: „Ich war unterwegs und wirklich nicht darauf vorbereitet, folgendes zu erleben und mit eigenen Augen zu sehen: Eine alte Frau saß in einer Hütte aus Palmblättern am Ortsrand, ihre Beine und Arme waren nur mehr Stümpfe, von Lepra gezeichnet. Aber sie saß da und freute sich, dass wir gerade sie besuchen und sehen wollten und Zeit für sie aufbrachten. Sie ist Witwe und kinderlos. Diese Begegnung werde ich nie vergessen. Die GLRA unterstützt sie mit der baulichen Verbesserung ihrer Unterkunft und gibt ihr Nahrungsmittel.“

Untersuchung eines Lepra-Patienten durch mobilen Gesundheitshelfer

Mobile Gesundheitshelfer fahren in Sierra Leone in die ländlichen Gebiete und untersuchen Lepra-Patienten vor Ort. Foto: DAHW

„Ich betrachte mich selbst als glücklich“, sagt Yvonne Harding auf die Frage nach Glücksmomenten. „Glücklich darüber, dass ich zum Schicksal der Menschen in positivem Sinne beitragen kann und das Leben von jemandem verändern kann. Speziell in den Projektgebieten kommen Leute auf mich zu und drücken mir ihre Dankbarkeit aus. Dann merke ich erst, wie meine Arbeit mich erfüllt.“