Jayaraman Ravichandran - Indien

DAHW-Repräsentant in Indien Jayaraman Ravichandran

DAHW-Repräsentant in Indien, Jayaraman Ravichandran, bei einem Gespräch in Würzburg im Mai 2012. Foto: Mathiasch / DAHW

"Ich sollte noch ein paar Jahre bleiben, ich werde dringend gebraucht."


Jayaraman Ravichandran, den alle nur „Mr. Ravi“ nennen, trägt eine goldene DAHW-Anstecknadel, denn er arbeitet seit über 32 Jahren in Chennai / Indien für die DAHW. Er erinnert sich noch gut an seine Anfangszeit, in der auch er noch Angst vor Lepra hatte: „Ich fasste nie die Türklinke an, wartete lieber, bis jemand eintrat und ich so ohne Kontakt nach draußen gehen konnte. Ich hatte selbst so sehr Angst vor einer Ansteckung. Dann begleitete ich meinen Chef auf Reisen durchs Land. Und da erkannte ich, dass ich in der Tat gebraucht werde, als Ratgeber für Management, Verwaltung und Buchhaltung. Ich dachte mir, ich sollte weitere Jahre bleiben, da ich so dringend gebraucht werde. Und daraus wurden letztendlich 32 Jahre.“

132.000 neue Fälle pro Jahr

Als Geschäftsführer der DAHW Indien ist er verantwortlich für die Finanzen aller Aktivitäten des Hilfswerks in dem riesigen Land. „Ich arbeite im Hauptbüro in Chennai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu mit 20 Mitarbeitern. Ab den späten 80er Jahren bis heute wurden durch die Arbeit der GLRA 1,2 Millionen Leprakranke geheilt. Jährlich kommen 132.000 neue Fälle dazu. Inzwischen werden sie in staatlichen Krankenhäusern behandelt. Unsere Aufgaben sind vielmehr die Bewusstseinsbildung Leprakranken gegenüber, da es immer noch sehr viel Diskriminierung gibt. Unsere Schwerpunkte sind Information, (Weiter)Bildung und Kommunikation. Mehr und mehr TB-Patienten kommen hinzu. Wir begannen mit dem TB-Programm im Jahr 1996. Es gibt hier mehr TB- als Lepra-Patienten.“

Leprapatientinnen mit einer Krankenpflegerin im Gremaltes HospitalLeprapatientinnen mit einer Krankenpflegerin im Gremaltes Hospital in Chennai. Foto: Bernd Hartung

Als Bestätigung seiner täglichen Arbeit und dem großen Einsatz der GLRA sieht Ravichandran die positive Entwicklung ehemaliger Leprapatienten: „Früher erschienen mir Leprapatienten in ihrer zerlumpten Kleidung wie Bettler. Heute sehe ich einige sogar mit eigenen Autos und ich weiß von ihren Kindern, die in den USA oder in den Golfstaaten leben und vorher hier studieren konnten. Das haben sie letztendlich der Unterstützung durch die GLRA zu verdanken. Mir fällt der gravierende Unterschied zu früher und heute auf – dank der GLRA und dank dem, was sie für diese Menschen getan hat.“

Was passiert mit den Alten?

Sorgen bereiten Ravichandran vor allem die älteren Menschen im Land. War es bisher immer üblich, die alten Menschen zuhause zu pflegen, stellt sich inzwischen ein neuer gesellschaftlicher Trend ein: „Ich möchte es an einem Beispiel darstellen. Meine Mutter und meine Schwiegermutter sind beide verwitwet und leben in unserem Haus. Meine Frau und ich kümmern uns um sie. Doch ein neuer gesellschaftlicher Trend, die sogenannte „Nuclear family“, ist genau das Gegenteil. Da geht es um Mann und Frau, die beide arbeiten wollen und nur noch ein Kind haben. Klar, niemand kann und möchte sich mehr um die alten Leute kümmern. Ich dachte nie, dass es soweit kommt, doch die neue Gesellschaft geht in diese Richtung. Problematisch ist nur, dass die Regierung diesen Trend noch nicht erkannt und noch nicht mit den Bau von Altersheimen reagiert hat. Die GLRA hat den Bedarf erkannt und errichtete sieben Heime für 350 alte Leute. Darunter sind Lepra-, TB-Kranke, aber auch gesunde Bewohner.“

Der Bau dieser Heime konnte durch eine Spende ermöglicht werden. Mit einer Spende können auch Sie den großartigen Einsatz von „Mr. Ravi“ und seinem Team nachhaltig unterstützen. Jeder Euro zählt.