Mahamath Cissé - Senegal

Mahamath Cissé - Leiter des DAHW-Büros Senegal

Mahamath Cissé ist Leiter des DAHW-Büros in Senegal. Foto: Mathiasch / DAHW

"Ich bin das Kind von Lepra-Kranken."


Seine Großeltern hat er nie kennengelernt. "Meine Eltern mussten ihr Dorf verlassen. Ich bin das Kind von Lepra-Kranken." Mahamath Cisse aus dem Senegal weiß, was es bedeutet, von der Gesellschaft benachteiligt zu werden. Ein Ausgegrenzter zu sein. Schon als kleiner Junge fühlte er die Blicke der anderen, das Getuschel hinter seinem Rücken. Schlimmer noch als ihm erging es seinem Vater, der seine Verwandten, seine Familie nie mehr wiedersehen durfte. "Ich war traurig für ihn. Ja, ich war ein trauriges Kind", gibt der 55-jährige Büroleiter der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in Senegal während eines Gespräches in der Zentrale in Würzburg zu. Daher auch sein Wunsch, sein Bestreben, dass es in seiner Heimat keine Lepradörfer mehr geben soll. Die Menschen sollen akzeptiert und anerkannt werden, dafür steht er, dafür arbeitet er. Sein Ziel ist es, dass die Betroffenen, ihre Umgebung, ihre Häuser, ihre Kinder integriert werden in bereits bestehende Dörfer und dass es auch Gesetze geben soll, die diese Vorhaben ratifizieren.

Mahamath Cissé ist ein Kämpfer. Schon von klein auf. Und er hat den richtigen Beruf gefunden. Einen, der ihn mit seinen Idealen verbindet. Bereits seit 1987 arbeitet er für die DAHW vor Ort als Programmkoordinator. Mit dem Hilfswerk verbindet ihn eine ganz besondere Geschichte. "Wegen meiner Vorgeschichte als Sohn betroffener Eltern konnte ich als erster DAHW-Stipendiat an der Universität von Dakar studieren."

Cissé interessierte sich schon immer für die entwicklungspolitischen Aspekte seiner Heimat und machte schließlich sein Diplom in wirtschaftlicher und sozialer Planung und Entwicklung. Weitere Abschlüsse und Fortbildungen folgten.

Seit 1949 leben seine Eltern schon in dem ehemaligen Lepradorf MBalling, 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Dakar. Heute ist es ein ganz normaler Ort. Cissé, selbst Vater von drei Kindern, lacht, wenn er von ihnen erzählt. "Meine Mutter ist 83 Jahre alt und mein Vater 90", ergänzt er. "Es geht ihnen gut, endlich!" Und ein klein wenig ist das wohl auch sein Verdienst.