Manfred Göbel - Brasilien

DAHW-Repräsentantin in Brasilien Manfred Göbel

DAHW-Repräsentant in Brasilien, Manfred Göbel, bei einem Gespräch in Würzburg im Mai 2012. Foto: Mathiasch / DAHW

"Wir sind die, die motivieren und provozieren."


1979 ging Manfred Göbel im Auftrag der DAHW nach Brasilien, wo er seitdem Tausenden von Lepra-Patienten beistehen konnte. Die Bekämpfung der Krankheit ist für Manfred Göbel mehr als nur ein Job, diese Mission bestimmt sein Leben. Er ist mit der brasilianischen Lepra-Ärztin Marisa Göbel verheiratet und arbeitet als einer von drei Koordinatoren der DAHW in Brasilien. Im Westen des Landes organisiert er die Unterstützung des Hilfswerks für die Leprakranken: „Wir investieren in die praxisnahe Ausbildung von Gesundheitspersonal, um damit das „active case finding“ (die aktive Fallsuche) zu stärken. Außerdem organisieren wir Aufklärungsprogramme, damit die Frühdiagnose erleichtert und Stigmatisierung reduziert werden – dazu kommt die gemeindenahe Rehabilitation. Dazu gehören Selbsthilfegruppen, das Kinderhilfswerk mit Tagesstätten sowie eine Berufsausbildung für Leprakranke in Zusammenarbeit mit der Kolping-Gesellschaft als Partnerorganisation.“ beschreibt Göbel seinen Alltag.

Leprakurs für medizinisches Fachpersonal in Brasilien

Um die aktive Fallsuche zu verbessern, wird medizinisches Fachpersonal in speziellen Leprakursen ausgebildet. Foto: DAHW

Damit Lepra nicht vergessen wird

In einem Interview, das wir im Frühjahr 2012 mit ihm führen durften, beschreibt er die entscheidende Aufgabe der DAHW in Brasilien: „Wir sind die, die motivieren und provozieren. Wir wollen die Verantwortlichen dazu bringen, sich für Lepra zu interessieren und Gelder zur Verfügung zu stellen.

Selbsthilfegruppe von Lepra-Patienten

Lepra-Patienten organisieren sich in Selbsthilfegruppen eigenständig und werden im Rahmen der gemeindenahen Rehabilitation dabei unterstützt. Foto: DAHW

Die Präsenz der DAHW ist wichtig, da die Lepra sonst „vergessen“ wird. Denn die Regierung hat sich ein sehr ehrgeiziges „amtliches“ Ziel gesteckt für das Jahr 2015: Weniger als 10 Leprakranke pro 100.000 Einwohner. Und das ist wohl in der Realität kaum zu erreichen.“

Die Lepraarbeit wird Manfred Göbel alles andere als leicht gemacht, wird Brasilien doch von der Kriminalität und Gewalt der Drogenbanden beherrscht. „Mein Sohn und meine Tochter sollten entführt werden und mir wollten sie das Auto rauben, ich bin nur knapp entkommen.

Aufklärungskampagne zu Lepra in Brasilien

Mit Aufklärungskampagnen wird die Bevölkerung über Lepra informiert und die Verantwortlichen gleichzeitig daran erinnert, dass die Krankheit immer noch ein Problem darstellt. Foto: DAHW

Die Gewalt ist unvorstellbar, die Akteure sind meist Drogenbanden. Das DAHW-Landesbüro liegt in der Stadt Cuiabá, die aufgrund ihrer Grenznähe zu Bolivien die zweitgefährlichste Stadt des Landes ist. Wir können nur in bewachten Vierteln wohnen, der Justizapparat ist zudem sehr korrupt. Gerade in den Armenvierteln geht abends keiner mehr auf die Straße. Es ist schon so, dass die Banditen frei auf der Straße herumlaufen und die Einwohner sich einsperren müssen – mal überspitzt gesagt! Das belastet unsere Arbeit und erzeugt unnötigen Stress. Dazu die extreme Hitze von 40 Grad und mehr.“

Erfolge sind sichtbar

Und dennoch: „Unsere Erfolge sind sichtbar“, erzählt Göbel, wenn über die konkrete Projektarbeit spricht. Gemeinsam mit dem italienischen Priester Pater Carlo gründete und leitet er das Kinderhilfswerk Educar mit vier Kindertagesstätten für 800 Kinder.

Im Kinderhilfswerk Educar wird Bildung gefördert

Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen und ihnen dadurch einen Weg aus der Armut zu weisen - das steht bei der Arbeit des Kinderhilfswerks Educar unter dem Motto "Solidarität und soziale Gerechtigkeit" im Vordergrund. Foto: DAHW

„Wir bekämpfen hier die Armut durch Bildung, also direkt an der Wurzel.“ Auch die praxisnahe Ausbildung von Personal für die aktive Fallsuche verbessert die Lepraarbeit sehr. „Ohne die Unterstützung durch die DAHW wäre das nicht möglich“, so Göbel. Immer wieder ermutigend sind für Manfred Göbel die vielen Menschen, die auf ihn zukommen und sich bedanken: „Ich treffe immer wieder auf ehemalige Patienten, die ewig dankbar sind, von uns behandelt worden zu sein.“


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