Buruli Ulcer - Die kleine Schwester der Lepra

Berichte aus der Projektarbeit: Togo


Ausgangssituation
In der Republik Togo in Westafrika leben insgesamt knapp sechs Millionen Menschen auf rund 56.785 Quadratkilometern.

Die DAHW ist bei ihrem Einsatz für Lepra und TB dort immer wieder auf Buruli Ulcer gestoßen. Die Krankheit tritt vor allembei Kindern auf und führt unbehandelt zu großen Hautgeschwüren und schweren Behinderungen. Da die Infektion fast wie eine „normale Wunde“ aussieht und sie ohne medizinische Spezialkenntnisse und zusätzliche Laboruntersuchungen schwer zu diagnostizieren ist, gehen Fachleute von einer unbekannt hohen Anzahl nicht entdeckter Fälle aus.

Die DAHW fördert seit 2007 das landesweite Buruli Ulcer-Kontrollprogramm und das nationale Referenz- und Behandlungszentrum in Tsévié im Süden des Landes, das sie komplett aufgebaut hat. Außerdem unterstützt sie das Provinzkrankenhaus Sotouboua in der Zentralregion und das Nationale Referenzlabor INH.

Aktivitäten
  • Medizinische, pädagogische und soziale Unterstützung (Diagnose, Behandlung, Nachsorge, Fahrt- und Unterhaltskosten sowie Nahrungsmittelhilfe)
  • Aus- und Fortbildung des medizinischen Personals (Fallfindung, Diagnostik, Labor, Wundversorgung, chirurgische Eingriffe, Supervision)
  • Aufklärung und Früherkennung in der Dorfgemeinschaft


Die gesamte Versorgung aller Burulipatienten in Togo mit Medikamenten und Verbandsstoffen wird von der DAHW organisiert und zum Großteil auch finanziert. Darüber hinaus bietet die Klinik den Kindern, die unter Umständen monatelang stationär aufgenommen werden, Möglichkeiten zu lernen und zu spielen.

In der Aufklärung der Bevölkerung und der Schulung des medizinischen Personals zur Früherkennung von Buruli Ulcer liegt der eigentliche Schlüssel, um die Krankheit langfristig in den Griff zu bekommen.

Ein Schicksal ändern
Dakpetis Krankheit begann vor 14 Monaten mit einem kleinen Geschwür über dem linken Unterarm und breitete sich flächenhaft aus. Fieber oder Schmerzen hatte der Zwölfjährige zu keiner Zeit. Die Behandlung durch den „Dorfarzt“, den traditionellen Heiler, über sechs Monate mit Puder und Umschlägen frischer Blätter sogenannter Heilpflanzen, zeigte keine Wirkung.

Nachdem sich die Wunde bis über das Ellenbogengelenk und bis in die Nähe des Handgelenks vergrößert hatte, kam Dakpeti ins Krankenhaus, mit einer ausgedehnten, schmierigen Wunde und nekrotischen Wundrändern. Dies war der typische Verlauf eines vernachlässigten Buruli-Geschwürs.

Was wurde 2009 erreicht?
Mit Unterstützung der DAHW wurden 2.500 Kinder bei Reihenuntersuchungen in Schulen und Dörfern auf Buruli und andere Hautkrankheiten untersucht. So wurden fünf Patienten mit Buruli Ulcer und Dutzende mit anderen Wundkrankheiten entdeckt. 2009 konnten 52 Buruli-Patienten behandelt und 46 vollständig geheilt werden, zwölf davon wurden erfolgreich operiert.

Jahresbericht 2009 - Afrikanischer Junge mit großer Wunde am Arm

Nach vorgeschriebener Initialtherapie mit Antibiotika über acht Wochen hatte sich die Wunde von den Rändern her etwas verkleinert. Die Wunde selbst war infolge täglichen Verbandwechsels vorbereitet zur Deckung durch Hauttransplantation.
(Foto: DAHW / Jörg Nitschke)

Der Chirurg und Buruli-Experte Dr. Jörg Nitschke hat 2009 in Tsévié und Sotouboua acht Wochen lang Ärzte und medizinisches Personal in Qualitätskontrolle und Diagnostik geschult und togoische Chirurgen weitergebildet. Außerdem wirkte er bei der Aufklärung in den Dörfern mit. In Zusammenarbeit mit Handicap International wurden 2009 rund 10.000 Menschen in Vorträgen und mit Bildern und Broschüren über die Krankheit aufgeklärt. Die DAHW arbeitete an Gesetzesvorlagen des Gesundheitsministeriums und an den WHO-Richtlinien über Buruli Ulcer mit. Außerdem konnte die Klinik in Tsévié renoviert und erweitert wer-den. Insgesamt hat die DAHW für alle Buruli-Maßnahmen 76.000 Euro ausgegeben.

Jahresbericht 2009 - Afrikanischer Junge rund drei Wochen nach einer Hauttransplantation

Rund drei Wochen nach der Hauttransplantation, kurz vor der Entlassung. Der linke Oberschenkel zeigt die verheilten Entnahmestellen der Hauttransplantate. Aufgrund der langen Krankheitsdauer ohne adäquate Therapie war es zur Versteifung des linken  Ellenbogens gekommen. Dakpeti erhält nun krankengymnastische Behandlung.
(Foto: DAHW / Jörg Nitschke)

Pläne für 2010
Die DAHW hat für Aufklärung, Diagnose und Behandlung von Buruli Ulcer in Togo 62.845 Euro für das Jahr 2010 bewilligt. Dazu gehören auch die bessere Ausstattung des Labors, mehr Medikamente und Verbrauchsmaterialien für Buruli Ulcer und auch für Lepra.

Ab 2010 beteiligt sich die DAHW als Konsortiumspartner gemeinsam mit sieben europäischen Forschungseinrichtungen, darunter der Ludwig-Maximilians-Universität München, und vier afrikanischen Ländern an dem dreijährigen Forschungsprojekt „Burulivac“. Ziel ist es, einen Impfstoff zu finden und, wenn möglich, zu produzieren. Dieses Projekt wird von der Europäischen Union (EU) teilfinanziert: Die Gesamtkosten für die DAHW belaufen sich 2010 auf 151.058 Euro, wovon die EU die Hälfte der Kosten deckt. Außerdem sollen Partner zu Ko-Finanzierung für Baumaßnahmen, Ausstattung und Fahrzeuge gesucht werden.

Projektrisiken
Togo gehört zu den ärmesten Ländern dieser Erde und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend. Nur den Reichen stehen die privaten Kliniken und damit eine bessere Versorgung offen. Im Blickpunkt der großen Finanzgeber im Gesundheitsbereich sind in erster Linie HIV, TB und Malaria. So bleibt nur noch wenig für vernachlässigte Krankheiten wie Buruli oder Lepra übrig. Daneben bestehen noch weitere konkrete Risiken: Kommt die Ausbildung von medizinischem Personal auch den Patienten zugute oder wandern die Fachkräfte nach Europa ab? Werden der Staat und die lokalen Partner ihre Zusagen einhalten oder werden bestimmte politische Entscheidungen (z. B. die Importgesetze für Medi-kamente und medizinisches Material) die Arbeit behindern?

Durch Gremienarbeit und die Kooperation mit dem Gesundheitsministerium versucht die DAHW ihren Einfluss geltend zu machen um solchen Risiken möglichst entgegenzuwirken. Gleichzeitig arbeitet die DAHW nicht nur mit staatlichen Stellen zusammen, sondern auch mit konfessionellen und privaten Gesundheitsinstitutionen.

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