Die Arbeit der DAHW in Lateinamerika

Die DAHW arbeitet in vier Ländern Lateinamerikas: Brasilien, Kolumbien, Paraguay und Bolivien, in jedem der Länder seit mehr als vier Jahrzehnten.


Die Arbeit der DAHW in Lateinamerika - eine Übersicht

Brasilien unterscheidet sich von den übrigen drei Ländern nicht nur durch die portugiesische Sprache und seine enorme Größe, sondern auch durch die Anzahl der Leprafälle. Das größte Land Lateinamerikas steht weltweit nach Indien an Platz zwei, was die Anzahl der Lepra-Neuerkrankungen pro Jahr angeht: ca. 30.000. In den anderen drei Ländern liegen die Fälle bei einigen Hundert pro Jahr.

So kommt es, dass es in Brasilien viele Lepraspezialisten und Forschungszentren gibt, mit denen die DAHW gut zusammenarbeitet. Doch auch hier gibt es große unterversorgte Gegenden und große Anteile verarmter Bevölkerung, so dass es der Unterstützung durch die DAHW bedarf, sowohl bei der Lepra-Fallfindung als auch bei der Ausbildung. Denn Interesse an und Wissen um die Lepra schwinden wie überall auf der Welt. Unsere Mitarbeiter in Brasilien sind stark eingebunden in die Ausbildung von medizinischem Personal und finden auf Fahrten in entlegene Gebiete zahlreiche bislang unentdeckte Leprafälle.

In Kolumbien sind die Zahlen neuentdeckter Leprafälle pro Jahr seit Jahren konstant um die 500, doch es gibt Tausende von zwar medikamentös ausgeheilten, aber von Behinderungen und von Stigma geprägte Menschen, die so immer noch von Lepra betroffen sind, selbst wenn sie in den Statistiken als „geheilt“ gelten. Die DAHW hat in Kolumbien seit vielen Jahren ein Netzwerk von Selbsthilfegruppen aufgebaut, die über das ganze Land verteilt lokal, aber auch gemeinsam national für mehr Rechte und weniger Diskriminierung von Menschen mit Lepra ihre Stimme erheben. Für die Menschen bedeutet diese Möglichkeit des Engagements oft den Weg zurück ins soziale Leben, von dem sie lange Zeit ausgeschlossen wurden oder sich aus Furcht vor Diskriminierung selbst ausgeschlossen hatten.

In Paraguay hat die DAHW seit den 70er Jahren das Nationalprogramm maßgeblich mit aufgebaut und arbeitet nach wie vor eng mit ihm zusammen. Eng ist auch die Zusammenarbeit mit dem einzigen Referenzkrankenhaus für Lepra, dem Mennoniten Hospital „Kilometro 81“ (km81). Dort gibt es ein anerkanntes Trainingszentrum für Lepra und TB und es finden regelmäßige Koordinationstreffen und Seminare statt. Zudem ist die DAHW am Aufbau von mehr Aktivitäten im Bereich der Rehabilitation und der Selbstbestimmung von Menschen mit Lepra beteiligt, die reichen Erfahrungen aus Kolumbien sollen dort in Zukunft umgesetzt werden.

Dies ist ein gutes Beispiel für eine Besonderheit der DAHW-Arbeit in Lateinamerika: Schon lange gab es regelmäßige internationale Treffen, und nun wird die Zusammenarbeit noch intensiver ausgebaut.

Untersuchung der NervenfunktionenUntersuchung der Nervenfunktionen. Foto: Schwienhorst / DAHW

Die DAHW ist seit 2008 die einzige Organisation in Bolivien, die sich der Herausforderung der Leprakontrolle annimmt.

Dabei geht es nicht nur um die fachlich qualifizierte medizinische, rehabilitative und sozio-ökonomische Arbeit, sondern auch darum, das Know-how rund um Lepra und Tuberkulose an das lokale Gesundheitspersonal weiterzugeben. Nur so können Fehldiagnosen und Behandlungsversäumnisse vermieden werden, unter denen Betroffene sonst ein Leben lang leiden und die das Risiko einer Lepraübertragung erhöhen.

Die Beratung des Nationalprogramms in Lepra und Tuberkulose ist deshalb ein ebenso wichtiger Aspekt der DAHW-Arbeit wie die Fahrten der DAHW-Ärzte in entlegene Regionen zur Bestätigung von Lepraverdachtsfällen, Ausbildung von medizinischem Personal und die Unterstützung des Dermatologischen Hospitals in Monteagudo.

1968 gründete der damalige Pfarrer von Monteagudo, einem Ort in einer bergigen Region Boliviens, ein kleines Leprakrankenhaus. Von Anfang an wurde das Krankenhaus von der DAHW unterstützt und entwickelte sich über die Jahre zum Leprareferenzzentrum für das ganze Land. Durch die erfolgreiche Arbeit sind die Leprafälle deutlich zurückgegangen, doch auch viele andere tropische und zum Teil vernachlässigte Erkrankungen können in Monteagudo behandelt werden, wie Chagas, Leishmaniose und die Tuberkulose. Heute bietet das Krankenhaus in Monteagudo auch kinderärztliche Sprechstunden und die Betreuung von Geburten sowie Operationen und allgemeinmedizinische Sprechstunden an.

Durch das rasante Wachstum der von Monteagudo 8 Stunden entfernten Millionenstadt Santa Cruz werden mittlerweile die meisten neuen Leprafälle dort registriert, und man geht von vielen unentdeckten Fällen in den wachsenden Slumvierteln aus. Herausforderungen, denen sich die DAHW in der Zukunft stellen wird.