Friedensprozess in Liberia lässt hoffen

Liberia Landkarte

DAHW-Mitarbeiter Pieter de Koning ist vor Ort. Er bestätigt die positive Entwicklung.


(Würzburg / Ganta im Juni 2012) Wir kennen Liberia fast nur aus den negativen Schlagzeilen. Als zerrüttetes Land, mit langen Phasen politischer Instabilität und einem 14-jährigen Bürgerkrieg. Mehr als 150.000 Menschen – hauptsächlich Zivilisten – kamen dabei ums Leben. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, engagiert sich die Schutztruppe der Vereinten Nationen bis heute im Land.

Optimismus, zumindest ein Ansatz davon, verbreite sich im ganzen Land - Pieter de Koning weiß, wovon er spricht. Der Arzt begleitet das Land seit Jahren und arbeitet seit kurzem im Auftrag der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe im liberischen Leprosy & Tuberculosis (TB) Rehabilitation Centre in Ganta, einer Grenzstadt im Nordosten des Landes.

Motiviertes und lernbereites Team

Seit einigen Monaten ist de Koning ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrums „Ganta Rehab Centre“. Unterstützt wird er dabei von einem „motivierten und lernbereiten Team“. Innerhalb weniger Wochen wurde ein dringend benötigter Operationsraum fertig gestellt. „Jetzt können wir Lepra-Patienten mit offenen Wunden und damit verbundenen Hauterkrankungen viel besser behandeln.“ DAHW-Mitarbeiter Pieter de Koning bei seiner ArbeitEin Vorteil, denn das Zentrum in Ganta ist das einzige renommierte Krankenhaus für die Behandlung von Lepra in ganz Liberia. Ebenso ist es ein anerkanntes Tuberkulosebehandlungszentrum. Während es jedoch für die Tuberkulosebehandlung viele Kliniken im Land gibt, werde die Lepra als vernachlässigte Krankheit vom nationalen Gesundheitsministerium kaum berücksichtigt. Dabei gebe es noch genügend unentdeckte Fälle. „Gerade deshalb ist unser Einsatz für Lepra sehr wichtig.“

Erst vor wenigen Tagen entdeckten de Koning und sein Team in einem Dorf nahe des internationalen Flughafens einen Mann mit fortgeschrittener Lepraerkrankung. „Winston ist jetzt im Krankenhaus. Er war Holzarbeiter und konnte aufgrund der zunehmenden Behinderung und der Entstellungen im Gesicht seiner Arbeit nicht mehr nachkommen.“ Zum Glück durfte der Erkrankte im Dorf wohnen bleiben. „Die Untersuchungen seiner Frau und der Kinder sowie der Nachbarn auf Lepra-Symptome verliefen zum Glück negativ.“ Doch für den Arzt heißt das noch lange nicht, auf künftige Kontrolluntersuchungen zu verzichten, denn Winston habe „eine hoch ansteckende Form von Lepra entwickelt“.

Lepra stigmatisiert noch immer

Der Arzt ist - wann immer möglich - in den Dörfern unterwegs. Gezielt suchen er und sein Team nach Betroffenen, die entweder nichts von ihrer Lepra-Erkrankung wissen oder sie vor den anderen verstecken müssen. Denn noch immer stigmatisiert die Lepra.

„Die hohe Anzahl an Infizierten hat mich überrascht“, sagt der Holländer. „Vor allem auch die vielen Kinder unter ihnen.“ Sogenannte Gesundheitshelfer aus den Dörfern leisten die Vorarbeit. „Zu ihnen haben die Bewohner Vertrauen.“ Der Arzt lobt die Arbeit der Freiwilligen, die speziell geschult werden. „Sie wissen, was sie tun und haben genug Erfahrung, leichte Lepra-Fälle zu behandeln. Kranke mit schweren Wunden werden ins Ganta Rehab gebracht.“

Lepra ist in Liberia noch immer ein großes Problem, vor allem da die Strukturen im Land zur Diagnose und Behandlung noch sehr lückenhaft sind und die Stigmatisierung die Betroffenen eher sozial isoliert anstatt sie der Behandlung und Heilung zuzuführen. Doch der allgegenwärtige Optimismus im Land scheint anzustecken. Pieter de Koning, der für die kommenden zwei Jahre vor Ort sein wird, hofft, dass auch die Lepraarbeit von diesem Aufwind profitiert.